Dienstag, 20 Oktober 2020 14:07

Faire Qualität für alle

Waschmittel, auf dem noch das alte Firmenlogo prangt, Schnuller, die mit Tiermotiven bedruckt sind, die nicht mehr modern sind oder einwandfreier Kleber, der aber auf einer Palette gestapelt war, auf der ein Karton geplatzt ist: Dinge wie diese werden über die Fairmittlerei an diejenigen weitervermittelt, die sie gut brauchen können. Ein Blick hinter die Kulissen im Lager der Fairmittlerei in Traiskirchen.

Dinge, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr regulär verkauft werden können, aber einwandfrei sind, werden über die Fairmittlerei an jene vermittelt, die sie gut gebrauchen können: Das ist die Idee hinter dem 2016 gegründeten Verein.
„Wir haben die Fairmittlerei im Juli gegründet, im Dezember die erste Spende erhalten und im Jänner zum ersten Mal vermittelt, und so ist das Ganze sukzessive gewachsen“, erklärt Ideengeber und Initiator Michael Reiter-Coban. Derzeit besteht die Fairmittlerei, die immer noch als Verein organisiert ist, aus zwei Vollzeitkräften, einer 10-Stunden-Kraft und rund 20 Ehrenamtlichen.
Das Konzept hinter der Fairmittlerei ist einfach: Firmen spenden Ware, die sie aus welchem Grund auch immer nicht mehr verkaufen können oder möchten, die Produkte kommen ins Traiskirchner Lager auf dem Gelände der ehemaligen Semperit. Dort werden sie begutachtet, fotografiert und in den Web-Shop gestellt, und registrierte NGOs können über diesen Shop die Produkte bestellen. „Wir überprüfen natürlich, ob es sich tatsächlich um eine gemeinnützige Organisation handelt“, stellt Ernst Bönisch klar, der für die Spendenaquise zuständig ist. „Nur unabhängige, nicht gewinn-
orientierte Organisationen, die einen sozialen oder ökologischen Mehrwert liefern, können bei uns bestellen.“
Unterstützung bekommt die Fairmittlerei von der Firma Logwin, bei der sie seit 2018 eingemietet ist. Vorher war das Lager in Eibesbrunn im Norden von Wien. „Wir haben von Logwin ein tolles Angebot bekommen, und hier in Traiskirchen ist auch platzmäßig alles leichter“, so Reiter-Coban. „Ein Teil des Services ist auch, dass die Dienstleistungen über Logwin abgewickelt werden. Das hilft uns natürlich sehr.“
Die Gründe, warum Produkte in den Regalen der Fairmittlerei landen, sind vielfältig: Teilweise geht es um Marketingentscheidungen. Wenn das Logo geändert wird, werden die Produkte, die mit dem alten Logo bedruckt sind, nicht mehr verkauft. Oft sind es auch Produkte, bei denen die gesetzliche Mindestfüllmenge nicht erreicht wird oder solche aus Überproduktion. Außerdem im Angebot: Gläser, die den Aufdruck von Unternehmern tragen, die nicht mehr zusammenarbeiten, Schnuller mit Giraffen statt der momentan gerade modernen Pinguine oder Turnsackerl, die für eine Veranstaltung bedruckt worden sind, die wegen Corona nicht stattgefunden hat.
„Alle Produkte, die wir vermitteln, dürfen optische Mängel haben, sind aber in qualitativer Hinsicht einwandfrei. Und wir vermitteln ausschließlich haltbare Produkte, es gibt also nichts Abgelaufenes“, stellt Michael Reiter-Coban klar. „Wir nehmen nur Spenden von Firmen an und nicht von Privatpersonen, denn wir haben die Kapazitäten nicht, die Qualität zu überprüfen. Deshalb vermitteln wir auch keine gebrauchten Waren.“
Da sich das Produktsortiment der Fairmittlerei ausschließlich aus Spenden zusammensetzt, gibt es keine Artikel, die immer im Angebot sind. „Was es aber sehr wohl gibt, sind Produkte, die immer gefragt sind, allen voran Körperpflege-, Wasch- und Reinigungsmittel, aber auch Bürobedarf wie Druckerpapier“, so Reiter-Coban. „Und auch so genannte Kleininvestment-Güter wie Fernseher oder Handys sind sehr gefragt. Solche Produkte sind teuer, da ersparen sich die NGOs natürlich viel Geld.“
Auf die Idee, die Fairmittlerwei zu gründen, ist Michael Reiter-Coban schon vor längerem gekommen. „Ich habe früher im Bereich Marketing & Sales bei Henkel gearbeitet und bei Besprechungen mitbekommen, dass immer wieder die Frage auftaucht: Was machen wir mit den Überschüssen?“, so der Vereinsobmann. „Und gleichzeitig weiß man, dass NGOs immer weniger haben, obwohl der Bedarf immer weiter steigt.“ Später hat Reiter-Coban bei der gemeinnützigen GmhH innatura in Deutschland gearbeitet, die genau das Konzept der Fairmittlerei schon seit längerem erfolgreich etabliert hat, und sich dort weitere Anregungen geholt.
Rund 150 NGOs sind mittlerweile bei der Fairmittlerei als Kunden registriert und nutzen die Möglichkeit, kostengünstige neuwertige Produkte zu kaufen. Rund 20% vom eigentlichen Verkaufspreis bezahlen die NGOs für die Artikel, und der Preis liegt garantiert immer unter der billigsten Alternative. „Damit sich die Organisationen wirklich was ersparen“, stellt Michael Reiter-Coban klar. „Wir vermitteln die Waren und sehen das Geld, das die Organisationen dafür bezahlen, nicht als Verkaufspreis, sondern als Vermittlungsgebühr. Die Fairmittlerei ist nicht auf Profit ausgelegt, aber wir müssen unsere Kosten decken, damit das Projekt auch langfristig funktioniert. Lagerung, Versand, Transport und Organisation kosten Geld, und wenn jemand 40 Stunden für uns arbeitet, dann sollte er auch einen fairen Lohn dafür bekommen, von dem man leben kann.“
Was für die Fairmittlerei wichtig ist, sind vor allem Kontakte zu Firmen. „Nicht nur große Firmen können Produkte spenden“, meint Ernst Bönisch. „Was viele zum Beispiel nicht bedenken, sind Give-Aways, die nicht mehr verteilt werden, die wir aber gut gebrauchen könnten, zum Beispiel Kaffeehäferl mit Firmenaufdruck, Schreibblöcke oder ähnliches.“ Bönisch kontaktiert Firmen direkt, denn Spendenaquise ist wichtig, aber nicht immer einfach. „Jeder kennt irgendwen, der im Handel arbeitet oder in einem Betrieb, in dem produziert wird“, so Bönisch. „Wir freuen uns über jede Kontaktaufnahme zur Fairmittlerei und natürlich darüber, wenn sich die Idee weiter herumspricht!“
Spenden holt die Fairmittlerei übrigens auch gerne ab. Wer spenden möchte oder Fragen hat, kann sich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder 0676/4285755 direkt an Michael Reiter-Coban wenden, weitere Informationen zum Verein gibt es unter www.diefairmittlerei.at.

Letzte Änderung am Donnerstag, 22 Oktober 2020 14:43

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