Häkeln, stricken, nähen – alles für die Kunst

Eine zwar nicht perfekt präsentierte, aber dennoch spannende und interessante Ausstellung ist derzeit im Haus der Kunst, Kaiser Franz-Ring 7, zu sehen. Benannt mit „kontextillusionen“ beschäftigt sie sich mit Körper und Hülle.

Acht Künstlerinnen und nur ein Künstler bestreiten die neue Ausstellung im Haus der Kunst, Kaiser Franz-Ring 7. Nicht so sehr verwunderlich, geht es doch um „kontextillusionen“ und damit um stoffliches Material im weitesten Sinn. Dass sich Frauen mit diesen Werkstoffen und ihren illusionistischen anwendungs- und Darstellungsmöglichkeiten vermehrter zuwenden als Männer, liegt in der Natur der Sache, ist man versucht, dieses Ungleichgewicht zu erklären. War doch „Handarbeit“ nicht nur Notwendigkeit, sondern auch Symbol für Kultur und Stolz der Frauen vergangener Jahrhunderte.
Da wird also vordergründig Gestricktes – Barbara Bernsteiner, Gehäkeltes und Gesticktes – Claudia Maria Luenig, und Genähtes – Gudrun Kampl und Moonyounhee gezeigt. Dass die Erkundung der diversen Werkstoffe über ihre Einsatzfähigkeit als künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten der wesentliche Aspekt der Bemühungen ist, geht dabei fast verloren.
Ala Gegensatz hiezu gelingt es Tom Riess mit seinen großformatigen Bildern, die mit Korrekturband gefertigt wurden, durch die gestalterische Dynamik zu beeindrucken. Monochrome Werke, die Menschen in Hüllen darstellen, die eher an Panzer und damit an Abgrenzung, aber auch an Furcht vor einer bedrohlichen Umwelt gemahnen.
Zwar nicht mit und aus Samt, Baumwolle, Silikonfaden, Wolle und Kupferdraht sind die Bilder von Pauline Marcelle gefertigt, sondern ganz konventionell mit Ölfarbe, aber sie verblüffen durch ihr illusionistisches, haptisches Erscheinungsbild. Hier ist die Verflechtung von Textil und Illusion, Körper und Hülle am Augenfälligsten gegeben.
Weiters sind interessante Werke, die Fragen aufwerfen, die zu weiterführenden persönlichen Antworten führen, von Songül Boyraz (C-Prints, die sich mit Kleidung, Mode deren Trägern, und Örtlichkeiten auseinandersetzen) und Barbara Graf (deren aus unterschiedlichsten Materialien gefertigte, skulpturale Werke wie Skelette erscheinen und damit Stütze und Halt suggerieren) vertreten.
Eine sehenswerte Ausstellung, die zeigt, wie das Körperliche, Räumliche in der bildenden Kunst durch die Verwendung textiler Materialien zu einer spannenden Auseinandersetzung mit Umhüllung, Ab- und Ausgrenzung werden kann, aber auch den handwerklichen Zugang veranschaulicht.
In letzterem Zusammenhang sticht besonders die „Black Widow“ von Claudia Maria Luenig, mit doppeltem Silikonfaden verhäkelt und 2.70 Meter hoch, hervor.
Zu besichtigen ist die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit NöART entstanden ist,  bis 7. Oktober an den Tagen Dienstag bis Sonntag von 10 – 12 und von 15 – 18 Uhr.

                    Wanda Mühlgassner

 

Häkeln, stricken, nähen – alles für die Kunst
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