Aber sterben musste er doch

Schon die bunten, teils sehr modernen Kostüme signalisieren, dass die Thematik rund um Gier und Verrat praktisch zu jeder Zeit stattfindet. Im Bild Thomas Markus als Herodes. (c) christian-husar.com

Seit über 40 Jahren wird das Stück „Jesus Christ Superstar“ auf den Bühnen dieser Welt aufgeführt. Was Robert Herzl in Baden realisiert hat, zählt aber mit Sicherheit zu jenen Inszenierungen, mit denen auch Andrew Lloyd Webber und Tim Rice  ihre Freude gehabt hätten.

Wenig überraschend, der Inhalt des Stückes, der letztlich den Verrat an Jesus durch seinen Jünger Judas zum Inhalt hat. Wesentlich überraschender war da schon die erste Szene, in der sich die Schauspieler direkt auf der Bühne umkleiden. Überraschend auch das Bühnenbild von Pantelis Dessyllas, das im Wesentlichen auf eine Mauer reduziert ist, wie sie auch heute im Grenzgebiet zwischen Israel und Palästina zu finden ist. Ungewöhnlich, weil außergewöhnlich sichtbar, das Orches-ter, das diesmal nicht verborgen im Graben agiert, sondern die Bühne zu beiden Seiten einsäumt. Franz Josef Breznik und sein blendend disponiertes Team wirken allerdings ob ihrer „Uniformierung“ optisch ein wenig deplaziert. Jeans und buntes T-Shirt würden bei diesem Stück auch den Musikern gut stehen. Unbestritten her-ausragend auch die Leistung der Tänzer nach der Choreografie von Michael Kropf.  Ähnlich einem Kleinkraftwerk fegen sie energiegeladen über die Bühne. Chris Murray überzeugt als Judas, der hin- und her gerissen ist zwischen der Liebe zu Jesus und dem ihm angebotenen Geld für den Verrat. Erwin Windeg-ger ist stimmlich fesselnder Pontius Pilatus, der einem fast leid tut, als er letztlich die Kreuzigung anordnet. Karin Seyfried als entzückende Maria Magdalena und Artur Ortens, der den Kaiphas spielt, begeistern ebenso wie Darius Merstein MacLeod als gutgenährter Jesus, der sich trotz seiner langen Bühnenerfahrung sichtlich gerührt zeigt, ob der Reaktion des Publikums, welches das Ensemble erst nach zahlreichen Zugaben und Vorhängen in die Freizeit entlässt. Bleibt Jesus nur zu wünschen, dass die Schneiderei Erbarmen mit ihm hat und die Ärmel seines Kostümes etwas kürzt, um ihm das tausendfache Zurechtzupfen bei den folgenden Vorstellungen zu ersparen. Zum Glück wurde in der Originalsprache gesungen, peinliche Übersetzungen blieben aus. Aber keine Angst, selbst wer nicht Englisch spricht, wird jedes Wort verstehen. RaDi

Aber sterben musste er doch
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