Meisterin muss Meister suchen

Elisabeth Flechl als Margarete und Reinhard Alessandri  als Christian. © R. Eipeldauer

Sie ist eine selten gespielte Operette, „Die gold‘ne Meisterin“ von Edmund Eysler, die vergangenen Samstag unter der Regie von Karina Fibich und der musikalischen Leitung von Michael Zehetner Premiere am Stadttheater feierte: Klassisch inszeniert, musikalisch beschwingt, dafür aber auch mit einigen reaktionären Anklängen.

Eine schöne, reiche Witwe führt nach dem Tod ihres Mannes den Goldschmiedebetrieb weiter und versucht sich im Spagat zwischen den Verpflichtungen einer Geschäftsfrau und gesellschaftlichen Pflichten. Wobei ihr letztere deutlich mehr Spaß machen, denn die „gold‘ne Meisterin“ Margarete wäre allzugern Gräfin oder sonst irgendjemand von adeligem Stand – und es gelingt Elisabeth Flechl hervorragend, diesen fast schon mädchenhaft kindlichen Wunsch Margaretes auf die Bühne zu bringen. Sie lässt ihre Figur angreifbar, unmittelbar und glaubhaft wirken, wenn sie sich in ihren Träumereien verirrt oder mit ihrer Haushälterin Portschunkula (schauspielerisch und gesanglich überzeugend: Renée Schüttengruber) plaudert, manchmal auch streitet.
Klar, dass dann das Schicksal an die Tür klopft, zu Margaretes anfänglichem Unheil allerdings nicht in Gestalt eines Blaublütigen, sondern in der des neuen Goldschmiedegesellen Christian (solide: Reinhard Alessandri). Und der verfällt seiner neuen Chefin sofort und tut alles in seiner Macht Stehende, um Margarete den verlogenen Graf Jaromir von Greifenstein vom Leib zu halten, der sie nur ihres Geldes wegen heiraten will und sich ihr Faible für alles Gräfliche schamlos zunutze macht.
So weit, so gut – und alles eine typische Basis für eine nette Operettengeschichte. Regisseurin Karina Fibich und Regieassistentin Christa Ertl haben die Geschichte allerdings bewusst nicht in der Renaissancezeit angesiedelt, in der „Die gold‘ne Meisterin“ eigentlich spielt, sondern im Wien des 19. Jahrhunderts, im Wien der Handwerker und Bürger. Denn, so meinen die beiden: „Was wäre Wien ohne Musik, ohne Intrige, ohne Liebe, ohne kleine Gauner?“
Und Gauner gibt es durchaus in Margaretes kleiner Welt: Neben dem geldgierigen und dabei nicht einmal sehr geschickten Lügner Jaromir, hervorragend parodiert gespielt von Andreas Sauerzapf, tritt auch Ritter Fridolin von Gumpendorf auf den Plan: Eine humoristische Rolle, die Beppo Binder wie auf den Leib geschrieben ist und die er mit viel typisch wienerischem Einschlag aus dem Ärmel seiner bunten Ritterkleidung schüttelt. Ein wenig gar clownesk wirken die beiden gar nicht so edlen Herren, doch das passt in die Operette, passt zur Handlung, in der eine Frau, die eigentlich mitten im Leben steht, vom Prinzessinsein träumt, passt auch gut in diese sehr klassische Inszenierung. Eine feine Ironie ist es, dass ausgerechnet Margaretes Freundin, die Contessa Giulietta (überzeugend: Sylvia Rieser) ist, die als gute Fee die Fäden zieht, um die „gold‘ne Meisterin“ mit ihrer wahren Liebe Christian zu verkuppeln.
Harmonisch, beschwingt und all das vereinend, was man sich als Publikum von einem typisch wienerischen Operettenabend erwartet: So kommt der erste Akt daher, mit klassischem Bühnenbild, opulenten Kostümen und eingängigen Melodien. Chor und Ballett der Bühne Baden (Choreographie: Michael Kropf) überzeugen wie gewohnt und verleihen dieser Operette den Schwung, den sie verdient – ähnlich im zweiten Akt, der allerdings unter einigen Längen zu leiden hat. Wirklich dramatisch wird es dann im dritten Akt, wenn ein „Bonifatius-Stuhl“ notwendig ist, um die Handlung irgendwie zu beschließen: Denn jeder, der sich auf diesen setzt, sagt unweigerlich die Wahrheit. Ein Plot Point, der so wirkt, als wäre den Verfassern nichts Vernünftiges eingefallen, um die Handlungsstränge zusammenzuführen und alle Beteiligten in einem erzwungenen Happy End zu vereinen. Dafür können nun freilich weder die Regie noch die Schauspieler etwas.
Die Texte von Julius Brammer und Alfred Grünwald wurden für die Inszenierung etwas verkürzt und gestrafft, und so dürfen Beppo Binder und Andreas Sauerzapf auch ein Couplet zum Besten geben, in dem die tagesaktuellen Geschehnisse rund um die Bundespräsidentenwahl ihren Niederschlag finden.
Warum allerdings die Sprache dem Verständnis von heute angepasst wurde, andererseits aber mehr als reaktionäre und heutzutage schon fast wieder grotesk absurde Zwischentöne nicht verändert wurden, erschließt sich dem Zuschauer nicht ganz. So ist Ritter Fridolin von Gumpendorf erst willens, sein gegebenes Eheversprechen einzulösen, als er erfährt, dass er im Gegenzug viel Geselchtes und einen ganzen Berg an Gebratenem erhält, und die Gesellen und Lehrbuben drohen ihrer Chefin mit der Kündigung, wenn sie nicht bald wieder einen Mann als Meister ins Haus kriegen. Das alles mag im Jahr 1927, als Eyslers Operette ihre Uraufführung im Theater an der Wien feierte, durchaus plausibel erschienen sein, wirkt aber heutzutage beinahe wie eine Groteske. Nicht nur, weil eine als Beigabe zum Schweinsbraten in Kauf genommene Ehe noch nie eine gute Idee gewesen sein kann, sondern vor allem auch, weil Elisabeth Flechl Margarete nicht als hilflose, arme Witwe darstellt, die dringend errettet werden muss. Und warum sollte sie auch?

N. Kranzl

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