„Es war ein hartes Jahr“

TRAISKIRCHEN. – Es war nicht nur, aber vor allem auch in Traiskirchen, vorrangig ein Thema, das die Schlagzeilen 2015 beherrschte: Die Flüchtlingssituation. Bgm. Andreas Babler blickt auf ein Jahr zurück, das er selbst als „teilweise sehr hart“ bezeichnet – aber er zieht auch Bilanz über ein Jahr, in dem die Traiskirchner Bevölkerung seiner Meinung nach gezeigt hat, „dass sie in in vielerlei Hinsicht einzigartig ist“.

Es war erst vor wenigen Tagen, dass Bürgermeister Andreas Babler sich erneut an die an Innenministerin gewandt hat. In seinem Schreiben forderte der Traiskirchner Stadtchef einen verbindlichen Stufenplan zur Reduktion im Flüchtlingslager. „Noch immer sind ca. 1700 Menschen in Traiskirchen untergebracht. Mehr als das Dreifache der politischen Höchstgrenze! In den letzten Wochen ist die Reduktion, die seit Herbst begonnen hatte, ins Stocken geraten. Nach wie vor befinden sich auch ca. 1.200 Kinder- und Jugendflüchtlinge im Areal, das für diese Gruppe völlig ungeeignet ist“, so Babler in seinem Schreiben am 9. Dezember. „Die Zielsetzung der Innenministerin in der Größenordnung von maximal 500 Flüchtlingen muss nun endlich auch umgesetzt werden. In der letzten Zeit hat man ja gesehen, dass dies auch machbar ist, wenn ein tatsächlicher politischer Wille da ist. Auch die Traiskirchner Bevölkerung hat nach diesem „Chaosjahr“ Anspruch auf ein Stück Normalität in ihrem Alltagsleben.“
Auch für Babler selbst war 2015 ein „hartes Jahr“, wie er selbst meint. „Man muss oft in Bereichen agieren, für die man selbst eigentlich keine Verantwortung hat“, so Babler, der als Beispiel die öffentliche Grünflächenreinigung durch Flüchtlinge anführt – ein Projekt, das über sechs Wochen gelaufen ist. „Das reicht vom Beschwerdemanagement bis hin zur Quartiersuche für Flüchtlinge – eine weitere Aufgabe, die eigentlich nicht in die Zuständigkeit eines Bürgermeisters fällt. Fest steht: Wir haben es im Sommer mit einer Ausnahmesituation zu tun gehabt, und es gibt viele Entscheidungen und Weisungen, die man nicht nur nicht nachvollziehen kann, sondern die einen sogar wütend machen. Obdachlosigkeit ist zum Beispiel nicht nachvollziehbar.“
Doch trotz allem zieht der Stadtchef auch positive Bilanz. „Es gab sehr viele Projekte von Privatpersonen oder auch von diversen Glaubensgemeinschaften“, so Babler. „Eines steht fest: So eine Bevölkerung wie in Traiskirchen ist einzigartig und außergewöhnlich. Ihr gebührt besonderer Dank für die Besonnenheit, mit der sie diese Ausnahmezustände des heurigen Jahres gemeistert hat. Und es freut mich, dass es mit der größten Kulturveranstaltung, die es in der Geschichte der Stadt je gegeben hat, auch ein symbolisches Dankeschön gegeben hat. Man ist allerdings als Stadt am Limit, was die Aufgabenstellung außerhalb des Flüchtlingsareals mit einer solch großen Zahl speziell von unbegleiteten Jugendlichen anbelangt.“
Als notwendigen Lösungsansatz fordert Babler abermals ein echtes Aufteilungs- und Betreuungsgesetz für eine qualitätsvolle Flüchtlingsunterbringung, sowie die Schaffung von weiteren echten Erstaufnahmestellen in den Ländern.

„Es war ein hartes Jahr“
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