Seniorin zittert um Wohnung

Iris Kummer hält den Bescheid des Gerichtes in Händen. Spätes-tens am 6. November muss sie die Wohnung räumen. Foto: RaDi

Iris Kummer lebt seit 1992 im sogenannten „Nicoladoni-Haus“ in der Schimmergasse. Jetzt hat sie den Räumungsbescheid zugestellt erhalten. Ihr Vermieter, das Chorherrenstift Kosterneuburg, beruft sich auf nicht artgerechte Haltung von Tieren und extreme Geruchsbelästigung.

Das „Nicoladoni“- Haus in der Schimmergasse hat nach Ende des zweiten Weltkrieges unter russischer Besatzung traurige Berühmtheit erlangt, da dort der Geheimdienst untergebracht war und viele Badener nach einem befohlenen „Besuch“ für immer verschwanden.
Vor 23 Jahren hat Iris Kummer die Wohnung in der Schimmergasse bezogen. Sie lebt dort zusammen mit zwei Katzen und einem Hund, der allerdings vor kurzem verstorben ist. Warum sie nun die Kündigung von ihrem Hausherren, dem Chorherrenstift Klosterneuburg, erhalten hat, ist der 72-Jährigen nicht ganz klar.
„Es stimmt, dass mein Hund, der nicht mehr ganz gesund war, sich des Öfteren mit seinem Pelzchen im Stiegenhaus angelehnt hat, dadurch sind einige Flecken entstanden. Für die Beseitigung habe ich aber bereits einen Malerbetrieb beauftragt“, schildert die Seniorin, die mutmaßt, dass es wie so oft, nur um‘s liebe Geld gehen könnte. „Ich habe noch einen alten Mietvertrag und bezahle 350 Euro im Monat. Für die anderen Wohnungen dieser Größe im Haus werden 950 Euro verrechnet. Mir geht es auch ums Prinzip und wie die gute Kirche mit den Leuten umspringt“, so Iris Kummer.
Den Vorwurf, wonach man nur die Mieteinnahmen erhöhen wolle, weist man von Seiten des Chorherrenstiftes entschieden zurück. „In unseren Immobilien haben wir sehr viele Mieter mit alten Verträgen, die noch viel weniger bezahlen als Frau Kummer“, so ein Sprecher, der betont, dass es alleine um die nicht ordnungsgemäße Haltung der Tiere ginge. Diese würden regelmäßig ihre Notdurft in der Wohnung verrichten.
„Wir wurden im Sommer von Nachbarn, die sehr unter dem unerträglichen Gestank zu leiden haben, zu Hilfe gerufen. Bei einer Begehung der Wohnung mussten wir auch feststellen, dass die Bausubstanz schon erheblich in Mitleidenschaft gezogen ist und die Wohnung dringend saniert werden muss. Mit Rücksicht auf die übrigen Bewohner der Hauses, blieb uns letztlich nichts anderes übrig, als Frau Kummer zu kündigen“, so der Sprecher des Stiftes. Iris Kummer selbst scheint von Geruchsbelästigung nichts zu wissen. Sie gibt auch an, stets bestes Einvernehmen mit den Nachbarn gehabt zu haben.

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