“Der Geist von Traiskirchen”

Klaus Eckel  und Thomas Stipsits sind zwei der zahlreichen Künstler, die am Samstag nach Traiskirchen gekommen waren. © Markus Wache

TRAISKIRCHEN. – Seit vielen Jahren ist die Traiskirchner Bevölkerung eine der ersten, die die Probleme der Österreichischen Asylpolitik hautnah miterlebt. Vergangenen Samstag wurden die Menschen, die trotz eines Massenlagers, trotz einer Flut an Negativschlagzeilen und trotz politischer Stimmungsmache nie vergessen haben, dass es sich bei Flüchtlingen um Menschen handelt, mit einem besonderen „Danke“ bedacht – und zwar von einigen der namhaftesten Künstler des Landes.

„Und i frog mi, woher kummt der Zorn, glaubst du wirklich, dass dir der was nehmen wü? Waßt du, was der alles mitg’mocht hat? Wüst di blamiern jetzt oder bist ganz anfoch stü?“ So lautet eine Passage aus Thomas Stipsits‘ Protestsong, der innerhalb kürzester Zeit zu einem Facebook-Hit wurde. Vergangenen Samstag sang der Kabarettist und Schauspieler sein Lied, in dem zahlreiche Vorurteile gegen Asylwerber zur Sprache kommen, auch am Traiskirchner Hauptplatz.
Es waren viele namhafte Künstler, die am Samstag nach Traiskirchen gekommen waren, um „Danke“ zu sagen: Im Rahmen der Solidaritätsveranstaltung „Danke Traiskirchen“ richteten die Mitwirkenden vor rund 5.000 Menschen ihren Dank an die lokale Bevölkerung, aber auch die unzähligen Helferinnen und Helfer in der Flüchtlingsbetreuung österreichweit: „Allen Menschen, die sich für Verfolgte und Notleidende einsetzen, in Traiskirchen oder anderswo: Dankbarkeit, Achtung und Respekt!“
Mit dabei waren unter anderen Musiker und Kabarettisten wie 5/8erl in Ehr‘n, Thomas Stipsits, Dawa, die Tonkünstler, Michael Niavarani, Johann Sebastian Bass, Josef Hader, Marianne Mendt, Gregor Seberg, die Wiener Sängerknaben und Yasmo. Barbara Stöckl und Katharina Stemberger führten durch das Programm, und die Staatsoper ermöglichte mittels Live-Streaming ganz Österreich, bei der Solidaritätsveranstaltung dabeizusein. Auf der Seite der Staatsoper ist mittlerweile auch ein Best Of von „Danke Traiskirchen“ zu sehen.
Viele Geschichten wurden zwischen den einzelnen Darbietungen erzählt: Zum Beispiel die von einer Frau aus Bosnien, die vor vielen Jahren selbst im Lager ankam, und deren Erinnerung an ein erstes Eis in Österreich ihr so viel Kraft gegeben hat, dass sie jetzt selbst einen ganzen LKW Eis für die Kinder im Erstaufnahmezentrum gespendet hat. Oder die von einem jungen Mann, der selbst als Flüchtling nach Traiskirchen kam und jetzt jede Woche mit jungen Asylwerbern Fußball trainiert.
„Es ist eine große Aufgabe, die wir in Traiskirchen zu lösen haben: Zum einen die Verantwortlichen dazu zu bewegen, solche Massenlager abzuschaffen und Flüchtlinge menschlich zu behandeln. Zum anderen als Stadt die Begleiterscheinung zu bewältigen und auch für die Wohnbevölkerung wieder ein Stück Normalität in ihr Alltagsleben kommen zu lassen“, meinte Bgm. Andreas Babler bei seiner Rede vor versammeltem Publikum. „Selbst in dieser angespannten Situation haben die Traiskirchner gezeigt, dass sie ihre Enttäuschung, ihren Zorn und ihre Wut nicht gegen Flüchtlinge richten, sondern gegen die Politiker, die diese Zustände zu verantworten haben. Und wir haben in Traiskirchen niemals vergessen, dass es hier um Menschen geht, die Schlimmes erlebt haben und die hoffen, dass sie zukünftig in Frieden weiterleben können. Dafür meinen allergrößten Dank und tiefsten Respekt. Ebenso ein großes Dankeschön an alle mitwirkenden KünstlerInnen, die hier mit ihrem Gratis-Auftritt für Traiskirchen eine große Geste setzen.“
Und kluge Worte waren es auch, die die Künstler an das Publikum richteten. „Diejenigen, die mit Flüchtlingen Zeit verbringen, sehen Menschen, und kein Problem. Je näher man an einem Thema dran ist, desto weniger Angst hat man“, meinte der Kabarettist Klaus Eckel. „Und das Leben ist viel zu kurz, um ständig Angst zu haben.“ Ein schöner Gedanke.

N. Kranzl

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