„Die Rolle ist gar nicht das Wichtigste“

Roman Martin © Wilke

Viele, viele Male ist er in Baden aufgetreten, der Buffo-Tenor Roman Martin. Und obwohl ihn seine Engagements rund um den Globus geführt haben und er seit 2011 Ensemblemitglied der Wiener Volksoper ist, kehrt er für das Eröffnungskonzert der Bühne Baden am 3. Oktober gern in die Kurstadt zurück, in der er selbst viele Jahre gelebt hat. Mit der BZ sprach er über die Eigenheiten des asiatischen Publikums, den Reiz der Regie und darüber, dass die Rolle nicht immer ausschlaggebend dafür ist, ob man bei einer Produktion gern dabei ist.

Sie haben den Josef in „Wiener Blut“, Graf Boni in der „Csardasfürstin“ Pappacoda in „Eine Nacht in Venedig“, den Toni in der „Zirkusprinzessin“ und vieles mehr gespielt. Gibt es da eine Rolle, von der Sie sagen könnten, dass es Ihre liebste war?
Es ist nicht nur die Rolle, sondern das Gesamtkonzept des Stücks, die Zusammenarbeit mit dem Regisseur und den Kollegen, die Tatsache, dass alles rundherum passt. Etwas Besonderes war für mich zum Beispiel „Der Fremdenführer“ von Ziehrer in Baden, noch unter der Regie von Robert Herzl oder auch viele Stücke in der Ära Frankmann. Und sehr gern denke ich auch an die erste Probe für das Eröffnungskonzert in Baden mit Sebastian Reinthaller. Da bin am Ende richtig glücklich aus dem Theater rausgegangen. Und da geht es ja um gar keine Rolle, sondern ausschließlich um die Musik.

Verraten Sie uns Details zum Eröffnungskonzert, das ja ganz dem Werk von Leo Fall gewidmet ist?
Das wird auf jeden Fall etwas Besonderes, denn bis auf eine einzige habe ich noch keine Nummer jemals zuvor gesungen. Ich habe im Sommer zwischen meinen Auftritten in Mörbisch viel Zeit damit verbracht, das alles neu zu lernen. Es wird also ein Abend voller Premieren für mich. Und ich komme immer wieder gerne nach Baden zurück. Je länger ich weggewesen bin, desto mehr fällt mir das auf. In den letzten Jahren musste ich auch einige Angebote aus Baden ablehnen, weil es die Zeit als Volksopernmitglied einfach nicht zulässt.

Dirigieren, Singen, Schauspielen im Fernsehen und auf der Bühne: Können Sie sagen, was Sie am liebsten machen?
In den letzten Jahren habe ich eine wachsende Freude daran, etwas selbst zu gestalten. Das kann eine Rolle bei einer guten Zusammenarbeit mit einem Regisseur sein, aber auch als musikalischer Leiter eines Konzerts. Und ich denke gerade gern an meine frühere Regiearbeit zurück. Die habe ich zugunsten anderer Dinge komplett vernachlässigt. Aber ich kann mir gut vorstellen, mich damit wieder zu beschäftigen.

Sie sind auf der ganzen Welt aufgetreten. Reagiert das Publikum an anderen Orten anders?
Das schon. In Österreich zum Beispiel ist das Publikum sehr extrovertiert, geht sehr schnell aus sich heraus, man spürt die Emotionen und Reaktionen unmittelbar in der Vorstellung. Das Publikum in Japan ist dagegen wärend der Vorstellung sehr zurückhaltend, danach aber dafür regelrecht enthusiasisch. Wichtig ist, dass jedes Publikum etwas mitnehmen will. Und dann verlässt man auch als Sänger oder Musiker das Haus mit einem bestärkten Gefühl – egal, wo auf der Welt.

Was ist das Faszinierende an Buffo-Rollen?
Es sind volksnahe Rollen, oft können sich die Menschen gerade mit ihnen identifizieren. Es gibt mir die Möglichkeit, meinen Humor ausleben zu können, und ich habe das Gefühl, dem Publikum damit Freude bereiten zu können; zumindest hat man damit ein wichtiges Werkzeug in der Hand. Und Menschen auch in der heutigen Situation zum Lachen zu bringen, das halte ich für sehr wichtig und auch erfüllend.

„Operette – voll im Trend“ lautet der neue Solagan der Bühne Baden. Würden Sie das unterschreiben?
Wenn die Operette mit Herz und Liebe zum Genre und ohne Überinterpretation gemacht ist, dann unterschreibe ich das. Ich sehe oft die Gefahr, dass die Regie das Publikum benützt, um das eigene Ego auszuleben. Eigentlich sollte es aber umgekehrt sein, das Publikum darf man nie benützen.

 

„…und der Himmel hängt voller Geigen…“ lautet der Titel des Eröffnungskonzerts der Bühne Baden am Samstag, 3. Oktober um 19.30 Uhr im Stadttheater. Ein Abend mit Werken von Leo Fall, mit dem Orchester der Bühne Baden unter Franz Josef Breznik, Oliver Ostermann und Michael Zehetner, mit Monika Rebholz, Laura Scherwitzl, Roman Martin und Sebastian Reinthaller sowie dem Chor und dem Ballett der Bühne Baden. Karten gibt es unter 02252/22522.

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