Fledermaus mit Schlagseite

Katherina Melnikova als Adele und Sebastian Reinthaller als  Gabriel. © Gerhard Maly

Vergangenen Freitag wurde die Sommersaison in der Arena mit der „Fledermaus“ offiziell eröffnet. Alexandra Liedtke bemühte sich vergebens, der bekannten Handlung einen Schuss „Neuzeit“ einzuhauchen.

Gleich zu Beginn macht das Publikum Bekanntschaft mit dem Ex (Glenn Desmedt) der Hausherrin Rosalinde (Barbara Payha). Warum dieser in der Inszenierung, die ansonsten in Baden spielt, ein Schotte mit Rock und viel Whiskey sein muss, bleibt allerdings unaufgeklärt. Rosalindes Ehemann, der es mit der Treue nicht allzu ernst nimmt, wird gespielt von Se-bastian Reinthaller.
Sehr minimalistisch das Bühnenbild, das eigentlich nur aus Blumentapete mit einigen „Holzsprisseln“ besteht und so die Akteure gut zur Geltung kommen lässt. Stimmlich wissen alle zu überzeugen, vor allem das Stubenmädchen Adele (Katharina Melnikova) verblüfft mit Höhen, die einem fast bang werden lassen um das Glasdach, das an diesem Abend leider geschlossen bleiben musste.
Als schrulliger Prinz Orlofsky versteht es Regina Schörg prächtig, die noble Abendgesellschaft zu beherrschen. In deren Verlauf fließt reichlich Alkohol, von dem Gefängnisdirektor Frank (Andreas Jankowitsch) besonders viel zu sich nimmt. In der Rolle des „Frosch“ ist Rudi Roubinek zu sehen.
Franz Josef Breznik und sein Orchester bringen die bekannten Melodien gekonnt auf den Punkt.
Während Handlung und Musik dem Vorbild seines Erschaffers Johann Strauß folgen, ist die Regisseurin immer wieder bemüht, dem Stück ein wenig Modernität einzuhauchen. Junge Männer mit Lichterketten, die damit nicht viel anzufangen wissen, Anspielungen auf den französischen Präsidenten, den gefallenen Chef der Weltbank oder geschwärzte Akten scheinen völlig aus dem Zusammenhang gerissen und verfehlen ihre Wirkung beim Publikum. Das Ganze wirkt ein wenig wie wollen, ohne sich zu trauen. Damit kann es weder gelingen, das Operetten- Stammpublikum zu überzeugen, noch jüngere Schichten für dieses Genre zu begeistern.
Längst an der Zeit wäre es auch, die Sessel mit neuen weicheren Pölstern zu belegen. Drei Stunden nahezu auf Brettern zu sitzen, passt zwar gut zu den Gefängnisszenen, aber sicher nicht zu gut gekleideten Theaterbesuchern.

RaDi

Fledermaus mit Schlagseite
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