Unendlich – einmal mehr

Es war erneut ein außergewöhnlicher Abend, als Doris und Karin Adam am Samstag zum 2. Konzert ihres Kammermusikzyklus in Kottingbrunn luden. 

Zugegeben, man neigt ja dazu, Großartiges zu erwarten wenn Doris und Karin Adam zu ihren Konzerten laden. Und trotzdem gelingt es den beiden immer wieder, die Erwartungen noch ein Stückchen mehr zu übertreffen. „Unendliche Melodien“ lautete das Motto vergangenen Samstag in der Kulturszene Kottingbrunn.
Eröffnet wurde der Abend mit Karl Goldmarks Klaviertrio Nr. 2 – und damit dem Werk eines österreichisch-ungarischen Komponisten, der heute noch hauptsächlich für seine Oper „Die Königin von Saba“ bekannt ist. Doch das war nicht immer so: In seinen späten Jahren am Ende des 19. Jahrhunderts galt Goldmark als populärer Komponist; Karl Kraus soll Goldmark sogar bescheinigt haben, seit Richard Wagners Tod der größte lebende Musikdramatiker zu sein. Doris Adam (Klavier), Karin Adam (Violine) und Othmar Müller, der Cellist des Artis-Quartetts Wien, brachten die schweren, oft bedrückend, teils gar klagend wirkenden Passagen aus Goldmarks Klaviertrio genauso virtuos zu Gehör wie die sanft optimistischeren Klänge. Noch weiter verstärkte sich die Harmonie der drei Musiker bei Felix Mendelssohns berühmtem 1. Klaviertrio, das am Ende des Abends stand – und das auch maßgebend für den Titel ist. Denn es war niemand Geringerer als Robert Schumann, der Mendelssohns Klaviertrio als „Meistertrio der Gegenwart“ bezeichnete – so, wie es einst die von Beethoven oder Schubert waren. Beeindruckend, mit welcher Präzision Karin und Doris Adam und Othmar Müller Mendelssohns durch und durch jugendlich klingendes Klaviertrio zur Aufführung bringen. Leidenschaftlich, intensiv und doch mit jener sanften Leichtigkeit gespielt, die dieses Trio schon damals rasch zu den populären Werken Mendelssohns werden ließ.
Eine weitere Überraschung des Abends: Der Auftritt des Nachwuchskünstlers Julian Walder, der mit sage und schreibe 14 Jahren gleich zwei virtuose Werke von Eugène Ysaye und Peter I. Tschaikowsky präsentierte: „Caprice d‘après l‘Etude de valse de Saint-Saens“ und Meditation aus „Souvenir d‘un lieu cher“. Konzerte verzaubern selten allein durch technische Perfektion, sondern vor allem auch durch spürbare Freude an der Musik – und der junge Violonist beherrscht beides: Beeindruckend ist die Virtuosität, mit der er derart anspruchsvolle Stücke spielt, ansteckend seine Freude an der Musik.
Das Publikum dankte es nach der Zugabe, dem langsamen Satz aus Beethovens „Gassenhauer-Trio“, mit tosendem Applaus. Auch, wenn man sich immer wieder fragt: „Wie setzt man solche Erfolgsabende fort?“ darf man sich wohl auch in Zukunft darauf verlassen: Doris und Karin Adam, die machen das schon…

N. Kranzl

Unendlich – einmal mehr
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