Nacht- und Traumlieder im ZIB

Christian Scholl, Cornelia Hübsch und Eduard Kutrowatz © R. Eipeldauer

Unter dem Titel „Dans le Soir“ haben in der Vorwoche die Sopranistin Cornelia Hübsch, der Pianist Eduard Kutrowatz und der Geiger Christian Scholl zum Abend mit „behutsam schwebenden französischen Liedern“ ins ZIB geladen. „Ein Programm der leisen Zwischentöne“, wie es Kutrowatz einmal nannte. Die Erwartungen wurden mehr als erfüllt.

Es war kein alltäglicher Liederabend, gibt es doch relativ wenig Literatur für dieses „Trio“. Das Zustandekommen ist auch Eduard Kutrowatz zu danken, der einige Stücke des Programms erst für diesen Anlass arrangierte. Zum Beispiel drei Lieder von Richard Strauss – „Die Nacht“, „Allerseelen“ und „Morgen“, sie gehören zu den bekanntesten Liedern von Strauss. Schon nach wenigen Takten war erkennbar, auf welch hohem Niveau und mit welcher Freude hier musiziert und gesungen wird. Bei Textstellen wie „… wie einst im Mai …“ oder „… und morgen wird die Sonner wieder scheinen …“ konnte Cornelia Hübsch mit der spürbaren Trauer um Vergangenes beziehungsweise der Zuversicht und Freude auf das Morgen wunderbar berühren. Violine und Klavier bildeten einen harmonischen Dialog und Rahmen um den Sopran.
Die folgenden Themen von John Williams aus dem Film „Schindlers Liste“ waren zum Ort, dem Zentrum für interkulturelle Begegnung (ZIB) und dem Gedenkjahr 70 Jahre Befreiung Auschwitz, passend. Christian Scholl konnte mit einer kurzen, aber fulminanten Violin-Solopassage begeistern.
Die weiche, warme Stimme von Cornelia Hübsch und das lange, dumpf nachklingende Klavier, ließen zur Nocturne des weniger bekannten französischen Komponisten Reynaldo Hahn die Musik im Raum tatsächlich schweben.
Lera Auerbach, eine junge russische Komponistin ist bekannt für ihre Verbindung von tonalen und atonalen Klängen. Eduard Kutrowatz und Christian Scholl präsentierten vier aus 24 Präludien für Violine und Klavier – ein Kontrast zu Hahn. Der Beginn stakkatoartig, das Klavier sehr kraftvoll gespielt. Erst im weiteren Verlauf folgen zwar rasante aber durchaus harmonische, später sogar zärtlich verspielte Töne.
Noch vor der Pause, ist „Violons dans le soire“ das Titellied des Abends von Camille Saint-Saens zu hören. Ein Werk mit einem Bogen von träumerisch bis dramatisch und einer interessanten Klavier-Violine Passage.
Bei romantischen Liedern darf Franz Schubert natürlich nicht fehlen. „Auf dem Wasser zu singen“ – hier harmoniert die Geige wie eine zweite Stimme mit dem Sopran -, „Du bist die Ruh“ und „Nachtstück“ sind die folgenden Werke. Cornelia Hübsch begeistert mit klarem, hingebungsvollem Vortrag und Eduard Kutrowatz mit souveränem Spiel.
Der französisch geprägte Abend klang mit sechs Liedern von Franz Liszt, dessen Umgangssprache ja französisch war, aus. Das bekannteste davon „Die drei Zigeuner“ gibt es in einer Fassung für Violine und Klavier und einer für Singstimme und Klavier. Was lag also näher, als beide Fassungen zu kombinieren. Entstanden ist ein melancholisches Lied, das die vom Klavier ausgehende Dramatik und die schwermütigen Zigeunerweisen der Violine gefühlvoll mit dem Sopran verbindet.
„Dans le soir“ – ein Abend mit großartigen Protagonisten, einem Programm „voll sinnlicher Schönheit“, interessanten Kontrasten und einem begeisterten Publikum.
R. Eipeldauer

Nacht- und Traumlieder im ZIB
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