FPÖ als lachender Dritter

KOTTINGBRUNN. – Während die ÖVP bei der GR-Wahl leichte Zuwächse verzeichnete und die SPÖ ihre Ergebnis halten konnte, gab es für die FPÖ mit einem Plus von 3,89 Prozent die höchsten Zuwächse. Und da die Freiheitlichen eine weitere Zusammenarbeit mit der SPÖ ausschließen, stehen in Kottingbrunn wohl die Weichen auf einen Wechsel im Bürgermeistersessel.

Für Bgm. Andreas Kieslich (SP) hatte die Gemeinderatswahl am Sonntag ein lachendes und ein weinendes Auge. „Einerseits haben wir unser Ergebnis halten können, andererseits ist keine deutliche Wählerentscheidung zu erkennen. Wir haben im Prinzip die selbe Situation wie zuvor“, erklärt Kieslich gegenüber der Badener Zeitung. Mit 39,20 Prozent landeten die Sozialdemokraten nur knapp hinter dem Ergebnis von 2010. Da in Kottingbrunn heuer um vier GR-Sitze mehr vergeben werden, bedeutet dies aber 14 statt bisher 12 Mandate. „Die Zukunft Kottingbrunns hat jetzt oberste Priorität. Wir wollen versuchen, für Kottingbrunn das Beste zu machen und werden mit allen Fraktionen Gespräche führen“, so Kieslich, der die ersten Gespräche mit der ÖVP noch diese Woche führen möchte. Auch bei dieser ist man mit dem Ergebnis (ein Plus von 1,57 Prozent) höchst zufrieden. „Wenn wir das Ergebnis nur gehalten hätten, hätten wir aufgrund der Wahlarithmetik nur ein Plus von einem Mandat, so konnten wir um zwei zulegen“, zeigt sich VP-Spitzenkandidat Christian Macho zufrieden. Für ihn gilt auch nach der Wahl noch: „Ich bin überzeugt, dass es nur gemeinsam gehen kann. Ich werde auf jeden Fall mit allen reden“, so Macho, der aber auch nach der Wahl keinen Hehl daraus macht, dass er Bürgermeister werden möchte und sich auch durch die Vorzugsstimmen bestätigt sieht. Während Kieslich auf 243 kam, liegt Macho bei 455. „Das ist ein klares Zeichen des Wählerwillens“.

Zünglein an der Waage
Und dabei könnte die FPÖ das Zünglein an der Waage sein, die mit 3,89 Prozent die stärksten Zuwächse verzeichnete und die Mandatszahl verdoppeln konnte. Obwohl SP-Klubobmann Ernst Nemec vor der Wahl eine weitere Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Koalitionspartner FPÖ kategorisch ausgeschlossen hatte, möchte sich Kieslich auch mit dieser zusammensetzen. „Wenn es um den Ort geht, wird man sprechen können“. Bei der FPÖ hat man sich jedoch scheinbar bereits entschieden. „Nein, das ist kein Thema mehr für uns“, gibt FP-Vizebgm. Klaus Windbüchler gegebenüber der BZ zu. „Warum sollten wir es nochmals versuchen? Wenn wir jetzt keinen Wechsel herbeiführen, haben wir in fünf Jahren die selbe Situation. Andere Mehrheiten sind jetzt leichter möglich“. Mit dem Ergebnis der Wahl ist Windbüchler zudem „sehr zufrieden“, wenngleich es nicht unerwartet kam. „Bis auf ein Mandat hab ich das gesamte Ergebnis so erwartet.“ Ebenfalls wieder im GR: Die Grünen mit zwei Mandaten sowie Pro Kottingbrunn mit einem Sitz. Wolfgang Muhsger (Neues Kottingbrunn) und Horst Enenkel (Bürgerliste für Kottingbrunn) verpassten den Einzug.

Rote Mehrheitssuche
Stimmt die FP nicht für einen SP-Bürgermeister, wird es für die SP schwer, eine Mehrheit zu finden, zumal die VP selbst den Bürgermeister stellen möchte und in den vergangenen Sitzungen schon mehrmals gemeinsam mit Grünen, Pro Kottingbrunn und FPÖ die SPÖ im GR überstimmt hatte. Mit den Stimmen der FP, Grünen und Bürgerliste hätte Macho eine Mehrheit von 19 von 33 Mandaten. Spätestens bis 10. März muss eine Entscheidung her. Auffallend: die extrem niedrige Wahlbeteiligung in Kottingbrunn.

Mandatsverteilung:
SPÖ: 14 (+2)
ÖVP: 12 (+2)
FPÖ: 4 (+2)
Grüne: 2 (+0)
Pro Kottingbrunn: 1 (+0)
Wahlbeteiligung: 57,60 & (2010: 65,77%)

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