Badens Wirtschaft im Aufwind

In der Vorwoche hat das in Baden angesiedelte Unternehmen „Standort & Markt“ die neuesten Zahlen im Bezug auf den Einzelhandel präsentiert. Während in den 17 größten österreichischen Städten die Zahl leer stehender Geschäfte rapide zunimmt, gibt es in Badens Innenstadt immer weniger davon. 

Ein ganzes Jahr lang war das sieben-köpfige Team von „Standort & Markt zwischen Marchfeld und Bodensee unterwegs, um den Einzelhandel in den 17 größten Städten und fünf Wiener Geschäftsstraßen unter die Lupe zu nehmen.
Insgesamt verfügen die 22 analysierten Destinationen über 8.800 Shops, die mit 1,5 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche 66 Geschäftsstraßenkilometer einnehmen. Der Anteil Badens daran beträgt einen knappen Kilometer (Fußgängerzone, ohne Untere Wassergasse), was vergleichsweise viel ist, kann man doch in Linz und Innsbruck ebenfalls nur auf einem Kilometer in A-Lage flanieren und shoppen.
Am letzten Platz im Ranking findet sich Baden, wenn es um die durchschnittliche Shopgröße geht. Während man beispielsweise in Eisenstadt auf 139 Quadratmeter kommt, sind es in Baden gerade einmal 85m2. Daraus resultiert auch der in Baden geringe Anteil an Filialflächen. Eine Tatsache, die für den Wirtschaftsforscher Roman Schwarzenecker aber nicht unbedingt ein Nachteil ist.
„Die kleinen Flächen entstehen meist in Städten mit viel historischer Bausubstanz. Um in Baden große Flächen zu generieren, bräuchte es sehr visionäres Denken“, so Schwarzenecker, der auf das Gymnasium Frauengasse, die großen Banken in der Innenstadt oder sogar auf das Rathaus anspielt.
„Auf boutiquenartige, ambientenbetonte Shoppingstrukturen zu setzen, ist bei dem „Flächenwahnsinn“, der mancherorts herrscht, gar nicht schlecht. Die Politik muss sich nur dessen bewusst sein und ihren Weg konsequent verfolgen. Kleinere Flächen sind außerdem viel schneller wieder zu vermieten, als große. Wenn beispielsweise ein C&A beschließt, in einer Stadt zuzusperren, stehen mehrere tausend Quadratmeter oft Monate leer. Vom Konzert der Großen hat sich Baden ohnehin schon vor Jahren verabschiedet und vermutlich entspricht das ohnehin dem Flair einer Kurstadt besser.“
Sehr erfreulich ist die Entwicklung bei den leerstehenden Flächen. Während diese im österreichischen Schnitt im Vorjahr um 25 Prozent zunahm, ist in der Badener A-Lage sogar ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Außer in Baden ist das nur in der Wiener City gelungen. Doppelt so groß wie im Durchschnitt ist laut Statistik in Baden auch das Verhältnis der Gastronomie zum Einzelhandel. „Wer lustbetont shoppen geht, der nutzt auch gerne die Gastronomie. So gesehen ist das eine gute Entwicklung“, so der Marktforscher, der aber auch überzeugt ist, dass man da bereits das Maximum ausgeschöpft hätte und Gastronomie nicht weiter forcieren sollte.
Potential sieht Roman Schwarzenecker im Problemkind Untere Wassergasse, wo sich aber einiges verändern müsste. „Man hat der Straße 20 Jahre Zeit gegeben, sich zu entwickeln. Sie hat es aber trotz einiger Bemühungen nicht getan. Warum macht man auch die Erreichbarkeit der Innenstadt so schwierig und richtet nicht eine Begegnungszone, auf der die Autos bis zum Gisch fahren und dann in die Neustiftgasse abbiegen, ein? Auch die Parkplatzsituation in Baden müsste noch um einiges vereinfacht werden. Es genügt nicht, eine Etage auf Parkdecks freizugeben, man bräuchte ein zusätzliches, völlig kostenloses Parkhaus, um den Einkaufszent-ren Paroli bieten zu können“, so Schwarzenecker, der Baden generell aber auf einem guten Weg sieht.

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