Alter Streit, neu entfacht

Diese von einem Architekten erarbeitete Zukunftsvision der Grünen erntet Kopfschütteln von der Liste Flammer. © Die Grünen Bad Vöslau

BAD VÖSLAU. – Verkehrsberuhigung im Zentrum, attraktivere Gestaltung des Schlossplatzes, langfristige Entwicklung hin zu mehr Lebensqualität: Das sind zwar alles keine alten Themen, sie sorgen aber nach wie vor für lebendige Diskussionen in der Kurstadt.

Die „brennendsten Vöslauer Themen“ wollen die Grünen bei ihren neu ins Leben gerufenen Vöslauer Stadtgesprächen zur Diskussion stellen. Das dürfte ihnen auf jeden Fall gelungen sein, denn rund 60 Teilnehmer waren vergangenen Freitag gekommen, um den Ausführungen des Verkehrsexperten Harald Frey zur Innenstadtentwicklung zu folgen.
Frey, der auch maßgeblich für die Neuausrichtung der Wiener Mariahilferstraße verantwortlich war, sprach über Trends, wissenschaftliche Ergebnisse und erfolgreiche Beispiele im In- und Ausland, bei denen so genannte „Begegnungszonen“ umgesetzt wurden, wo Fußgänger, Radfahrer und PKW gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind.
„Alleine die Errichtung von Begegnungszonen führt dazu, dass der PKW-Verkehr zurückgeht. Noch bessere Ergebnisse lassen sich durch die gleichzeitige Stärkung des öffentlichen Verkehrs und intelligente Lösungen für Radfahrer erzielen“, meinte Frey. „Es kommt nur wesentlich darauf an, ob Infrastruktur in erster Linie für Fußgeher und Radfahrer oder für Autofahrer geschaffen wird. In vielen großen und kleinen Städten haben die Menschen die Straße wieder für sich zurückerobert. Und es funktioniert selbst dort, wo früher enorme Verkehrsstärken zu verzeichnen waren. Wichtig ist aber, dass die Gemeinde klare Prioritäten setzen muss. Und: Auch die Planer müssen sich mit neuen und funktionierenden Konzepten vertraut machen.“
Auch der Handel würde von solchen Begegnungszonen profitieren, meinte der Experte auf die Frage aus dem Publikum, ob fehlende Parkplätze und Zufahrtsmöglichkeiten nicht auf Kosten der Geschäftsleute im Zentrum gehen könnten. „Geschäfte florieren, wenn es eine gute Aufenthaltsqualität gibt. „Fußgänger kaufen gerne ein, wenn ihnen mehr öffentlicher Raum zugebilligt wird und wo das Ambiente einladend und attraktiv gestaltet wird. Sie kaufen vielleicht weniger, dafür kommen sie öfter.“
„Aus der Verkehrshölle zur kurstädtischen Identität“ nannte GR Ernst Tiefengraber das erklärte Ziel der Grünen: „Vöslau soll einen verkehrsberuhigten Stadtkern mit Begegnungszonen bekommen. Das ist unser erklärtes Ziel, darauf wollen wir hinarbeiten.“ Und auch GR Eva Mückstein meinte: „Gemeinsam und mit Unterstützung der Bürger ist eine Wende für Bad Vöslau zu schaffen. Vöslau muss nichts Neues erfinden, gute Konzepte und gute Beispiele sind bereits vorhanden.“
Als „unseriöse Verkehrsideen“ bezeichnet dagegen die Liste Flammer die Vorschläge. „Die handkolorierte Skizze ist ein unrealistisches Zukunftsbild. Gezeigt wird ein autofreier Schlossplatz, auf dem sich nur Fußgänger und einige Radfahrer aufhalten. Das wäre aber nur durch eine totale Auto-Belastung der Straßen durch nun ruhige Wohngebiete möglich“, so die Liste in einer Aussendung. „Würde man den Schlossplatz als Fußgängerzone verwirklichen, würden sich alle Autos, die nun den Schlossplatz durchqueren, auf die Jägermayerstraße bzw. Florastraße und den Gerichtsweg bzw. die Kottingbrunnerstraße und Brunngasse aufteilen. Und: Einem durchgehenden Radstreifen zwischen der Bahnstraße und dem Gerichtsweg würden rund 30 Parkplätze im Zentrum für Geschäfte zum Opfer fallen.“ Der Grund sei die Bundesstraße 212, die von der Hochstraße kommend genau über den Schlossplatz in die Wr. Neustädterstraße führt: „Auf deren Existenz hat die Stadtgemeinde keinen Einfluss. Würde man diese Straße sperren, ist Bad Vöslau verpflichtet, einen Ersatz dafür zu schaffen. Genau das wird verschwiegen. Wir erwarten von den Grünen eine klare Aussage, wohin sie die Bundesstraße 212 verlegen würden und wo die Autos statt über den Schlossplatz fahren sollen – denn eine Umfahrung außerhalb der Siedlungen wollen sie ja auch nicht.“
„Wir nehmen zur Kenntnis, dass sich die Liste Flammer weiterhin nicht für die Umsetzung von neuen und innovativen Verkehrsberuhigungskonzepten interessiert und stattdessen lieber erklärt, was alles „nicht geht“, als sich auf allen Ebenen, konsequent und zusammen mit uns Grünen für eine zukunftsweisende Lösung einzusetzen“, schießen die Grünen zurück.

Alter Streit, neu entfacht
3 votes, 3.67 avg (73% score)

Auf Mobile-Version umschalten