Anti-Vorbild in Person: Die Kultserie „Horvathslos“ stammt aus Bad Vöslau

Hauptdarsteller Christopher Seiler und Regisseur und Produzent Bernhard Speer. Nähere Informationen zu „Horvathslos“ und weiteren Projekten sowie Tourterminen gibt es unter christopherseiler.com.

 BAD VÖSLAU. – Viele kennen die Serie, aber nur wenige wissen, dass sie aus der Kurstadt kommt: Die Persiflage „Horvathslos“, deren Protagonist Anton Horvath mittlerweile zur Kultfigur avanciert ist, wird in Bad Vöslau produziert. Mit der BZ sprachen Produzent und Regisseur Bernhard Speer und Hauptdarsteller Christopher Seiler über den außergewöhnlichen Erfolg der bitteren Satire – und nicht zuletzt auch über deren Hintergründe.

Wie ist die Idee zur „Horvathlos“ zustandegekommen?
Ch. Seiler: Ich hab schon früher Internetvideos gedreht, damals noch mit der Kunstfigur „da Koda“, und Bernhard Speer hatte schon länger eine Produktionsfirma. Also haben wir überlegt, gemeinsam etwas Neues zu machen. So sind dann „Schichtwechsel“ und seit Ende 2013 „Horvathslos“ entstanden.
B. Speer: Am Anfang standen wir noch beide vor der Kamera, mittlerweile stehe ich eher dahinter.

„Horvathslos“ ist auf Youtube mehr als erfolgreich, eine Folge hat mehr als 650.000 Klicks. Haben Sie mit dem Erfolg gerechnet?
B. Speer: Nein, der hat uns selbst überrascht. Mittlerweile hat die Kunstfigur „Anton Horvath“ schon fast Kultstatus.

Wie würden Sie Anton Horvath beschreiben?
Ch. Seiler: Ein langzeitsarbeitsloser Alkoholiker, der viele typisch österreichische Eigenschaften in sich vereint. Er ist ein Anti-Held und Anti-Vorbild. Wir wollten nicht, dass er sympathisch ist; höchstens, dass die Leute Mitleid mit ihm haben.
B. Speer: „Horvathslos“ ist eine bewusste Persiflage auf andere Sendungen wie „Saturday Night Fever“ oder „Das Geschäft mit der Liebe“, die oft genau solche Leute wie Anton Horvath vor die Kamera holen.

Also eine Persiflage auf die mittlerweile gar nicht mehr so neue Art des billig produzierten Fernsehens?
Ch. Seiler: Genau. Denn dort wird ja nicht mit Schauspielern gearbeitet, sondern mit ganz normalen Menschen aus oft prekären Verhältnissen. Die kriegen keine Gage, höchstens eine kleine Aufwandsentschädigung; was für Leute, die sonst nichts haben, oft schon viel ist. Und natürlich gibts dort oft noch die Auffassung, dass „mans geschafft hat, wenn man erst mal im Fernsehen ist“.
B. Speer: Die Leute schauen gern Menschen im Fernsehen zu, die als „asozial“ gelten. Wir wollten das mit „Horvathslos“ bewusst persiflieren.

Und wird die Persiflage auch immer verstanden?
Ch. Seiler: Am Anfang haben die Leute gedacht, die Figur Anton Horvath ist echt. Da kamen oft Fragen wie „Was ist mit dem Typen? Hat er keine Freunde?“ Mittlerweile wissen die meisten, dass es eine Kunstfigur ist.
B. Speer: Es ist nicht immer ganz klar, ob das die Leute auch verstehen. Die Grenzen zum tatsächlichen Fernsehen sind fließend – obwohl wir absichtlich und bewusst übertreiben. Gerade bei den 15-, 16-Jährigen wird die Persiflage nicht immer verstanden. Deshalb wollen wir auch in den neuen Sendungen vorher dezidiert darauf hinweisen, dass „Horvathslos“ eine Satiresendung ist.

Würden Sie „Horvathslos“ gern ins Fernsehen bringen?
Ch. Seiler: Das war eigentlich die ursprüngliche Idee dahinter. Und es gab auch schon sehr konkrete Gespräche mit dem ORF – die sich jetzt leider wieder zerschlagen haben, weil die budgetäre Lage wegen dem Song Contest ziemlich beschränkt ist. Manche fanden eine solche Satiresendung gut, aber es gab auch Stimmen, die meinten, dass „Horvathslos“ zu extrem für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist. Aber die Zukunft des Fernsehens liegt sowieso im Internet, also machen wir einfach so weiter.
B. Speer: Und die Privatsender waren für uns nie ein Thema – immerhin gehen wir ja genau auf die mit unserer Sendung los. Wir setzen uns doch nicht selbst in das Boot, das wir abschießen wollen.

Gab es Interesse seitens der Privaten?
B. Speer: Ja, und zwar schon zu Beginn. Der Produzent von „Das Geschäft mit der Liebe“ hat Interesse bekundet.
Ch. Seiler: ATV wollte die Figur Anton Horvath sogar in die Sendung „Wir leben im Gemeindebau“ einbauen; die dachten, dass Horvath ein in dieser Form real existierender Mensch ist. Offenbar sind die Redakteure dort so klug wie ihr Programm. Da sieht man die Perversität hinter manchen Sendern.

N. Kranzl

Anti-Vorbild in Person: Die Kultserie „Horvathslos“ stammt aus Bad Vöslau
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