„Everything‘s Alright“: Eindrucksvolle Premiere von „Jesus Christ Superstar“

Darius Merstein-MacLeod als Jesus von Nazareth und Karin Seyfried als Maria Magdalena mit Chris Murray als Judas Ischariot. © R. Eipeldauer

Nach dem Erfolg im Vorjahr wurde „Jesus Christ Superstar“ in der Inszenierung von Robert Herzl wieder in das Programm aufgenommen. Eine, wie sich zeigte, richtige Entscheidung. Unter der Leitung von Christa Ertl war am Samstag im sehr gut besuchten Stadttheater Premiere. Ein großartige Aufführung, die noch bis zum 3. September zu sehen ist. 

Die letzten sieben Tage im Leben des Jesus von Nazareth wurden von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice in Anlehnung an die Bibel geschrieben und vor 43 Jahren in New York uraufgeführt. Es war ihr erfolgreichstes Musical. Richtiger eigentlich: Rockoper, mit viel Rhythmik, bekannten Melodien zum Mitsingen und gefühlvollen Duetten.
Dass „Jesus Christ“ nichts Alltägliches im Stadttheater ist, wird rasch offenbar. Nicht nur an den rockigen Tönen des erweiterten und die Dramatik der Handlung genial unterstützenden Orchesters unter der Leitung von Franz Josef Breznik. Schon an der Bühne ist das Besondere zu sehen: Kein Vorhang, die Musiker sind nicht im Orchestergraben versteckt, sondern seitlich der Bühne auf Galerien plaziert, ohne vom Geschehen auf der eigentlichen Bühne abzulenken.
Die Schauspieler kommen in Jeans und T-Shirt und ziehen die Kostüme (Friederike Friedrich) auf offener Bühne an und am Ende verlassen sie diese wieder in ihrer privaten Kleidung. Darius Merstein-MacLeod erklärt es in einem Gespräch: „Wir treffen uns auf der Bühne und ziehen uns erst dort um, wie in einem Passionsspiel. Wir als Schauspieler, zeigen die Geschichte, wie wir sie empfinden. Ich will zeigen, dieser Jesus ist nicht Jesus, sondern jemand, der Jesus spielt.“ Ein biblisches Spiel ohne jede Blasphemie.
In einem auf das Notwendige reduzierten, aber passenden Bühnenbild von Pantelis Dessyllas folgt ein spektakuläres, rasantes Spiel um Liebe, Treue, Zweifel und Verrat: Jesus von seinem Volk – als Sohn Gottes – verehrt, Judas dem das nicht gefällt, vielleicht aus Eifersucht auf Maria Magdalena(?) verrät ihn gegen eine ansehnliche Summe. Pontius Pilatus lässt Jesus aus Angst, er könnte seine Position als Stadthalter verlieren, kreuzigen, obwohl er selbst Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung hat. Und alle seine Jünger stehen Jesus in seinen Ängsten und Unsicherheiten nicht bei.
Es fällt schwer, einzelne Darstellerinnen und Darsteller hervorzuheben, waren doch alle hervorragend und stimmlich großartig: Ein berührender Darius Merstein-MacLeod als zweifelnder Jesus, Karin Seyfried eindrucksvoll als ihn liebende Maria Magdalena, Chris Murray als stimmgewaltiger und ausdrucksstarker Judas, Erwin Windegger als Pontius Pilatus, Artur Ortens als Kaiphas, Beppo Binder als Annas, Stefan Bleiberschnig als Petrus, Reinwald Kranner als Herodes im blauen Glitzersakko, Markus Neugebauer als Simon Zelotes und, und, und. Nicht zu vergessen, der häufig geforderte Chor und das atemberaubend über die Bühne fegende Ballett nach der Choreografie von Michael Kropf.
Auffallend, manche Szenen betonend, sind auch die Lichteffekte im Zusammenspiel mit dem überdimensionalen Tor der „Himmelspforte“ im Hintergrund der Bühne.
Zum Abschluss treten alle Darstellerinnen und Darsteller gemeinsam auf die Bühne und singen noch einmal „Jesus Christ Superstar“.
Frenetischer Applaus und Standing Ovations – minutenlang. Die vom Ensemble ausgehende Energie springt förmlich auf die Besucher über. Ein hinreißender Abend!

R. Eipeldauer

„Everything‘s Alright“: Eindrucksvolle Premiere von „Jesus Christ Superstar“
0 votes, 0.00 avg (0% score)

Auf Mobile-Version umschalten