„Baden wäre viele Berichte wert“

Promoviert hat Dr. Helmut Drescher an der Hochschule für Welthandel. Dennoch ist er seit Jahrzehnten weltweit bei touristischen Projekten im Einsatz. Foto: RaDi

Ein wenig könnte man den gebürtigen Badener Helmut Drescher als Propheten bezeichnen, der im eigenen Land nichts zählt. Seit langem versucht er, die verantwortlichen Badener Touristiker von der Notwendigkeit von Pressereisen für Journalisten zu überzeugen. Das wäre leistbare Werbung. 

Helmut Drescher ist ein echtes Schwefelkind. Dennoch absolvierte er seine Volksschulzeit in Reith bei Kitzbühel. Auch während seiner Studienzeit war der Badener viel unterwegs. Als Skilehrer in Kitzbühel und in St. Moritz verdiente er nicht nur sein Studiengeld, er entdeckte auch seine Liebe zum Tourismus. Nichtsdestotrotz schlug Drescher nach Abschluss seines Studiums in Deutschland die Karriere eines Bankers ein. Das wenig später der Kaufhauskonzern die Kaufhofreisen ins Leben rief, kam ihm gerade recht. Er entschied sich für einen Wechsel in die Tourismusbranche. Durch Zufall erhielt er von einem Stahlkonzern den Auftrag, eine Studie für Investitionsmöglichkeiten in touristische Objekte zu erstellen. Er recherchierte in den wichtigsten Ferienzentren- und Anlagen Europas und schrieb eine Projektarbeit, die prompt vom Bundesministerium als „neue Ferienidee“ ausgezeichnet wurde. In Folge arbeitete er für die Mailänder Touristikagentur, machte die Pressearbeit für das Aostatal oder entwickelte ein Überwinterungsprogramm an der ligurischen Riviera für deutsche Senioren.
Der Schritt in die Selbstständigkeit war dann für Helmut Drescher nur mehr ein sehr kleiner. 1975 organisierte er im Auftrag der Schnalser Gletscherbahn die erste Pressereise, die sofort ein Riesenerfolg wurde. Er bot den Journalisten ein Programm, das sie bis dahin noch nicht erlebt hatten. Von der Wanderung zu Bergbauern über Riesentorlauftraining mit den Profis bis zu Hubschrauberflügen auf die Berggipfel reichte das Angebot. Seitenlange Berichte in den größten deutschen und italienischen Medien waren Lohn dieser Arbeit. Schnell erlangte der Badener so etwas wie Legendenstatus. Wenn er einlud, dann waren die freien Plätze schnell weg, die Reisejournalisten wussten, dass ihnen Drescher reichlich interessanten Schreibstoff liefern würde.
„Insgesamt habe ich schon über 250 Pressereisen organisiert. Weit mehr als 3.000 Journalisten waren mit mir unterwegs. Aus diesen Pressereisen und meinen Aussendungen entstand Berichterstattung mit einer Auflage von über einer Millarde“, schildert Helmut Drescher nicht ohne Stolz.
Auch Baden hätte nach Meinung des Promotors für Journalisten viel zu bieten. „Was wir brauchen, sind keine kleinen Erwähnungen, sondern richtig große Geschichten in den Zeitungen. Nur für „Baden in Weiß“ wird sich in Frankfurt niemand ins Auto setzen und nach Baden fahren. Man muss beschreiben, warum Baden einen Urlaub wert- und Wien nur ein Vorort von uns ist“, so Drescher, der nicht viel davon hält, dem russischen Markt zu viel Bedeutung zuzumessen. „Wenn zu viele Russen kommen, bleiben die anderen aus. Das zeigt sich deutlich am Beispiel von Rimini, wo auf 10 Russen nur mehr ein Deutscher kommt.“
Wenig hält der Touristiker auch vom laufenden Markenbildungsprozess in Baden. „Was will eine Hamburger Agentur über uns herausfinden, was wir nicht längst schon wissen?“, so Drescher, der meint, dass man mit den Kosten in der Höhe von 90.000 Euro mehrere große Pressereisen organisieren könnte. „Immerhin lesen in Deutschland täglich über 46 Millionen Menschen Zeitung.“

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