Tragische Diva, gebrochener Held – Franz Lehárs “Giuditta” in der Sommerarena

Bibiana Nwobilo und Sebastian Reinthaller als tragisches Liebespaar. © R. Eipeldauer

Sebastian Reinthaller als stimmgewaltiger Hauptmann Octavio, eine in jeder Hinsicht bezaubernde Bibiana Nwobilo als Giuditta und eine Inszenierung, die teils auf klassische, teils auf moderne Elemente setzt: Vorigen Freitag ging in der Sommerarena die Premiere von Franz Lehárs „Giuditta“ über die Bühne. 

Wohl die größte Partitur, die ich je geschrieben habe“, nannte Franz Lehár seine Operette „Giuditta“, „mein reifstes Werk, an dem ich mit einer Liebe gearbeitet habe, wie vielleicht noch nie.“ Vergangenen Freitag feierte Lehárs von ihm selbst so tituliertes Meisterwerk Premiere in der Sommerarena.
Und es ist nicht nur die erste Aufführung unter der Intendanz von Sebastian Reinthaller, sondern auch eine, in der er mit der Rolle des Hauptmannes Octavio selbst als Protagonist auf der Bühne steht. Reinthaller gelingt es, glaubhaft sämtliche Facetten des zunächst Hals über Kopf verliebten, dann pflichtgetreuen und zuletzt gebrochenen Mannes zu skizzieren; und obwohl er sich stimmlich zu Beginn ziemlich verausgabt, zeichnet er insgesamt nicht nur in schauspielerischer, sondern auch in musikalischer Hinsicht ein vielschichtiges und vor allem überzeugendes Bild Octavios.
Ihm zur Seite steht mit Bibiana Nwobilo eine Giuditta, die nicht nur zu Beginn als durch die hoffnungslose und gerade dadurch umso einengendere Liebe ihres Mannes bedrückte Ehefrau überzeugt, sondern auch als Frau, die später aus impulsiver Verliebtheit aus ihrem Alltag auszubrechen und dafür auch Risiken einzugehen bereit ist. Doch Nwobilo brilliert wenig später genauso als Diva, die aus bitterer Enttäuschung der Liebe, aber nicht den Männern abgeschworen hat. Auch stimmlich gelingt es der Sopranistin ohne Mühe, an Reinthallers Seite zu bestehen; für die wohl berühmteste Arie „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ erntet sie frenetischen Applaus. Mit wohltuender Leichtigkeit weiß Nwobilo den Spagat zwischen ehrlicher, hingebungsvoller Liebe und schmerzhaftem Verlust zu meistern, auf den Giuditta mit dem Entschluss zu einem neuen Leben voll Glamour reagiert, in dem aber das einzige fehlt, wonach sie sich tatsächlich sehnt.
Relativ modern und reduziert zu Beginn präsentiert sich das Bühnenbild Johannes Leitgebs, deutlich opulenter nach der Pause, bis hin zum Kitsch im Nachtclub, in dem Giuditta nach der Abreise Octavios eine Anstellung als Tänzerin gefunden hat. Die Inszenierung von Dominik Wilgenbus setzt teilweise auf zeitgenössische Elemente wie moderne Balletteinlagen, die die leidenschaftliche und dennoch überschattete Beziehung Octavios und Giudittas versinnbildlichen, ist aber an anderen Stellen wieder sehr klassisch ausgerichtet – genau wie die Kostüme Friederike Friedrichs. Ungewöhnlich, doch nicht befremdend muten die Szenenwechsel samt Bühnenbild bei offenem Vorhang an. Und owohl die Inszenierung an einigen Stellen – besonders in der zweiten Hälfte – an unerwarteten Längen leidet, so ist es insgesamt dennoch eine schlüssige, in sich runde Aufführung. Einzelne Elemente wie das junge mittellose Pärchen Anita (Laura Scherwitzl) und Pierrino (Alexander Voigt), das trotz schauspielerisch und gesanglich guter Performance allzu komödiantisch verzerrt wirkt und Helmut Wallners drei Rollen, die auf den ersten Blick nur schwer unterscheidbar sind, kann man als Schwächen der Inszenierung werten; großartig sticht dagegen die Wandlungsfähigkeit Sebastian Huppmanns hervor, der in jeder einzelnen seiner drei Rollen kaum wiederzuerkennen ist.
Alles in allem ein würdiger Auftakt für die neue Saison – mit zwei Protagonisten, denen völlig zurecht der Jubel des Premierenpublikums zuteil wurde. Gespielt wird noch bis 4. September.

N. Kranzl

Tragische Diva, gebrochener Held – Franz Lehárs “Giuditta” in der Sommerarena
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