„Der Zirkus wird weiterziehen…“

Gertraud Klemm © Paul Landl

Der Ingeborg-Bachmann-Preis gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Heuer ist mit Gertraud Klemm auch eine Badener Autorin für diesen bedeutenden Preis nominiert. 

„Ich freue und fürchte mich gleichzeitig“,meint die in Baden aufgewachsene und in Pfaffstätten lebende Autorin Gertraud Klemm lachend, wenn sie über ihre Nominierung für den Ingeborg-Bachmann-Preis spricht. Es war der Verlag Droschl, in dem auch ihr Debütroman „Herzmilch“ erschienen ist, der sie zu einer Bewerbung animiert hat. Damit, dass sie gleich beim ersten Mal auch wirklich für den bedeutenden Preis nominiert wird, hat sie aber nicht gerechnet. „Ich habe den Anruf vom deutschen Juror und Literaturkritiker Hubert Winkels schon im März erhalten und mich natürlich sehr darüber gefreut.“
Klemm hat in der Vergangenheit an vielen Literaturwettbewerben teilgenommen. „30 bis 40 pro Jahr waren es, und da kommt natürlich auch einiges an Erzählungen zusammen, die bisher noch nicht publiziert worden sind“, so die Autorin, die nicht zu jenen Schriftstellern gehört, die alle paar Jahre einen Roman veröffentlichen.
Seit 2012 arbeitet Gertraud Klemm an ihrem zweiten Roman, und mit einem Auszug daraus hat sie sich auch auf Anregung ihres Verlages für den Ingeborg-Bachmann-Preis beworben. „Der Text darf ja noch nie publiziert oder gelesen worden sein, nicht einmal auszugsweise“, so die Autorin. An eine Publikation ihrer über die letzten Jahre geschriebenen Erzählungen denkt sie deshalb derzeit auch nicht.
Umso größer ist ihre Freude aber darüber, dass vor wenigen Tagen der Entschluss zu einer zweiten Auflage ihres Debütromans „Herzmilch“ gefallen ist. „Das ist natürlich eine großartige Sache, wenn man bedenkt, dass jeder zweite Debütroman stecken bleibt.“
Zu übermütig will Klemm aber wegen der Nominierung, die sie sich so früh nie erträumt hätte, trotzdem nicht werden. „Ich versuche, nicht hysterisch zu werden“, meint sie lächelnd. „Natürlich ist eine Nominierung zum Bachmann-Preis eine gute Chance, gesehen und wahrgenommen zu werden – aber sie ist noch lange kein Garant dafür, dass dieser Zustand auch nach dem Wettbewerb anhält. Der Bachmann-Preis ist leider nicht die Realität. Für ein paar Tage dreht sich dann zwar alles um Literatur – aber es ist quasi ein literarischer Zirkus, der wieder weiterzieht.“
Die 14 Nominierten werden von 3. bis 5. Juli im ORF-Theater des ORF-Landesstudio Kärnten bisher noch unveröffentlichte Prosatexte live lesen. Am 6. Juli findet die Schlussdiskussion und Preisvergabe statt.

N. Kranzl

„Der Zirkus wird weiterziehen…“
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