Kein Ausbau am Goldeck

Die Vertreter der „Initiative Goldeck“ und die Grünen stießen noch am Montag, als die Pläne Schlumbergers öffentlich wurden, auf die Nachricht an - mit einem Gläschen Schlumberger-Sekt.

BAD VÖSLAU. – Die Firma Schlumberger nimmt jetzt doch Abstand von ihren umstrittenen Ausbauplänen am Goldeck. In einem Brief an den Bürgermeister stellt der Vorstand klar, dass eine Zusammenlegung der Produktionsstandorte derzeit nicht in Frage kommt. Der Grund sind aber nicht die heftigen Anrainerproteste, sondern vor allem die Schaumweinsteuer.

Lange wurde darüber hitzig diskutiert, jetzt ist das Thema vom Tisch: Die Firma Schlumberger wird ihren Standort am Vöslauer Goldeck nicht ausbauen.
Vor allem durch die neue Sektsteuer hätten sich die Rahmenbedingungen geändert, lässt Schlumberger-Vorstand Herbert Jagersberger Bgm. Christoph Prinz in einem Schreiben wissen: „Durch die geplanten Maßnahmen der Regierung zur Erhöhung der Alkohol- und der Wiedereinführung einer wettbewerbsverzerrenden und diskriminierenden Schaumweinsteuer haben sich die Rahmenbedingungen für eine Erweiterung unseres Produktionsstandortes in Bad Vöslau mit Anfang des Jahres 2014 maßgeblich verändert.“
Damit ist nicht nur der Ausbau des Goldecks, sondern auch ein eventueller Standort im Vöslauer Betriebsgebiet kein Thema mehr. „Gerade in der letzten Zeit hatten sich die Gespräche zwischen Direktor Herbert Jagersberger und mir zur Ansiedlung im Betriebsgebiet wieder neu intensiviert“, so Bgm. Christoph Prinz. „Das war ja die von mir bereits von Beginn an favorisierte Variante, und auch das Interesse der Firma Schlumberger schien vorhanden. Es wäre eine große Chance für unsere Stadt gewesen, einerseits natürlich ein Zugewinn aufgrund der Übersiedlung von Arbeitsplätzen aus Wien und zugleich eine Entlastung für die Anrainer am jetzigen Vöslauer Standort Goldeck.“
Schlumberger schließt aufgrund der Sektsteuer – „dieser unternehmensfeindlichen Politik und Benachteiligung heimischer Erzeuger“ – auch eine Verlagerung der Produktion ins Ausland nicht aus.
Enorm ist die Freude dagegen bei den Kritikern der Ausbaupläne – allen voran bei den Anrainern und den Vöslauer Grünen, die gemeinsam mit den Anrainern in den Kampf gegen eine neue Produktionshalle gezogen waren. „Ich bin begeistert, das ist eine riesige Freude! Ein toller Erfolg für die Bürgerinitiative Goldeck und für uns Grüne und einer der wichtigsten Schritte zum Erhalt der Stadt als Kurstadt“, so Eva Mückstein, Nationalratsabgeordnete und Vorsitzende der Vöslauer Grünen. Sie zeigt sich erfreut darüber, dass der Bürgerprotest Wirkung gezeigt hat – auch, wenn der Rückzug Schlumbergers nicht in erster Linie darauf, sondern auf die Sektsteuer zurückgeht. „Der Widerstand war sehr wichtig, sonst hätten sie das Bauvorhaben vielleicht schon begonnen“, so Mückstein. „Neben den geänderten politischen Verhältnissen haben eine große Diskussionsveranstaltung, zahllose Aussendungen und letztlich ein Rechtsgutachten, das aufgezeigt hat, dass eine Umwidmung in Bauland-Agrar für einen Industriebetrieb dieser Art nicht rechtmäßig wäre, offenbar zum Umdenken bei der Liste Flammer und zur aktuellen Entscheidung bei der Firma Schlumberger geführt.“
Überglücklich zeigt sich auch Karin Schmid von der „Initiative Goldeck“. „Es war ein langer, harter und zermürbender Kampf. Nächtelange Recherchen und Gespräche, unzählige Bemühungen, die komplizierten Verflechtungen in Politik und Wirtschaft zu durchschauen“, so Schmid. „Eigentlich kein Thema für die Menschen, die hier ganz normal, zufrieden und in Ruhe leben wollen… Die Diffamierungen, denen man sich ausgeliefert sieht, wenn man den Schritt aus der Anonymität wagt und öffentlich seine Überzeugung verteidigt.“

N. Kranzl

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