Eine Ära geht zu Ende: Fritz Knotzer tritt als Bürgermeister zurück

Fritz Knotzer und sein Nachfolger Andreas Babler bei der rasch einberufenen Pressekonferenz vorigen Mittwoch. © Kranzl

TRAISKIRCHEN. – „Danke Fritz, du warst ein großartiger Bürgermeister für unsere Stadt“: Diese Plakate zieren seit voriger Woche sämtliche Stadteinfahrten von Traiskirchen. Nach fast 30 Jahren und knapp vor seinem 70. Geburtstag am 4. Mai hat Bgm. Fritz Knotzer sein Amt zurückgelegt.

Mit 10 Innenministern musste er sich im Lauf seiner Amtszeit in puncto Flüchtlingspolitik herumschlagen, 1.000 Wohnungen mit und ohne Partner aller politischen Couleurs hat er errichtet und das stückweise Sterben der Semperit miterlebt: Vor einer Woche legte Bürgermeister Fritz Knotzer nach fast 30 Jahren sein Amt zurück. Ihm folgt Andreas Babler nach.
Dass er zur nächsten Gemeinderatswahl nicht mehr antreten wird, war seit vergangenem Herbst bekannt, der Rücktritt kam dann aber dennoch etwas überraschend und ohne lange Vorankündigung. „Ich wollte schon zuerst meinen Parteikollegen und dann erst der Öffentlichkeit Bescheid sagen“, so der langjährige Stadtchef. Kaum ein Bürgermeister war so lang im Amt wie er, kaum einer hat die grundlegende Veränderung einer Stadt über so lange Zeit hinweg begleitet bzw. ein großes Stück weit gelenkt wie Knotzer.
Und die Stadt hat sich in den letzten drei Jahrzehnten enorm verändert: Als Knotzer im Jahr 1985 Bürgermeister wurde, war Traiskirchen eine Stadt der Industrie: Die Semperit war das unternehmerische Aushängeschild schlechthin, Arbeitsplätze galten als gesichert. Einige Jahre später begann der langsame Niedergang: Arbeiter wurden entlassen, die Produktion schrittweise ins Ausland verlagert. „Ich musste mitansehen und vor allem erkennen und akzeptieren, dass man als Lokalpolitiker gegen internationale Konzerne machtlos ist“, zieht Knotzer anlässlich seines Abschieds Resümee über eines der finstersten Kapitel seiner Amtszeit. „Aber man darf den Kopf nicht hängenlassen und resignieren, sondern muss versuchen, neue Wege zu gehen. Und es ist uns gelungen, die Stadt schrittweise von einer reinen Industrie- zu einer Handels- und Gewerbestadt zu machen.“
3.000 Arbeitsplätze wurden durch die Erschließung der beiden Betriebsgebiete Nord und Süd neu geschaffen, auf einen krisensichereren Branchenmix statt Großkonzerne gesetzt.
Ein weiterer schwieriger Punkt seiner Laufbahn waren die Entwicklungen rund um die Erstaufnahmestelle. „Wir haben uns immer bemüht, einen Konsens mit dem Innenministerium zu finden, wenn es um menschliche Flüchtlingspolitik geht. Mit der schwarz-blauen Wende war das dann vorbei“, erinnert sich Knotzer auch an wenige schöne Momente seiner aktiven Zeit. „Wir haben zwar keinen Sekt aufgemacht, als Ernst Strasser den Innenminis-terposten räumen musste – das haben sie eh im Ministerium gemacht – aber wir konnten dann unter Liese Prokopp zumindest wieder eine menschlichere Richtung einschlagen.“
Zu den Ereignissen, an die sich Knotzer dagegen gern zurückerinnert, zählt zum Beispiel der Wohnbau samt damit verbundenem bewusst behutsamen Wachstum der Stadt. 1.000 Wohnungen wurden gebaut, bei mehreren hundert davon war die Gemeinde auch selbst Bauträger. „Teilweise haben wir auch mit Wohnbauträgern aller Couleurs zusammengearbeitet“, so Knotzer. „Mir war wichtig, dass wir die Wohnbauförderung bekommen, und den Leuten ist es auch egal, welche Farbe die Genossenschaft hat, die das Gebäude errichtet hat, in dem sie leistbaren Wohnraum bekommen.“
Sanierte Schulen und Kindergärten, ein Einkaufszentrum im Stadtkern, Kulturheime und Feuerwehrhäuser in allen Stadtteilen, ein neues Bildungszentrum samt modernst ausgestatteter Stadtbibliothek, die Gründung einer eigenen Rettung, der Ankauf zahlreicher Grundstücke wie das Schloss Tribuswinkel oder die ehemalige Marmeladen- und Kammgarnfabrik und die Eröffnung von Niederösterreichs erstem Seniorenwohnheim: All das wurde unter Fritz Knotzer realisiert und hat dazu beigetragen, dass Traiskirchen heute der Ruf als Sozialstadt vorauseilt.
„Alle Generationen sollen sich in Traiskirchen wohlfühlen, vom Säugling bis zum Senior. Die Leute sollen nicht nur hier leben, weil sie hier günstige Wohnungen haben, sondern, weil sie auch gern hier sind“, so Knotzer. „Wir wissen, dass zu 75% die Frauen für die Familienplanung zuständig sind, und sie treffen ihre Entscheidung natürlich auch nach Gesichtspunkten der Kinderbetreuung. Von der Krabbelstube über Tagesmütter bis hin zu Ganztagsschulen, all das gibt es hier im Ort. Dass dieser Weg der richtige ist, zeigt sich an unserer positiven Geburtenbilanz, und das seit 22 Jahren. Davon können andere Gemeinden nur träumen.“
Wohnraum und Betreuungseinrichtungen sind das eine, Freizeitangebote das andere: Eine Sportanlage samt überdachtem Eislaufplatz, ein Erlebnisbad, eine überdachte Tennishalle mit Kegelbahn und Kulturzentren wurden errichtet – teilweise von der Stadtgemeinde selbst, teilweise in Kooperation mit diversen Partnern.
„Was noch gefehlt hat und ich mir immer gewünscht habe, ist ein Pflegeheim. Das habe ich auch bei vielen Besuchen bei Traiskirchnern immer wieder gehört, die in anderen Gemeinden untergebracht wurden: „Wenn ich in Traiskirchen wäre, könnten mich meine Familie und Bekannten öfter besuchen!“ Ich bin froh, dass wir auch das realisieren konnten und noch im Frühling mit dem Bau begonnen wird. Es ist praktisch mein Abschiedsgeschenk an die Stadt – und auch ein bisschen an mich selbst“, so Knotzer. Er freut sich jetzt vor allem auf mehr Zeit mit seiner Familie. „Vier Kinder und drei Enkel werden schon dafür sorgen, dass mir auch in der Pension nicht langweilig wird“, meint Knotzer lachend. „Und ohne meine Frau, die über so viele Jahre Verständnis dafür gezeigt hat, dass ich so gut wie an jedem Wochenende beruflich unterwegs war und die sogar mit mir gemeinsam die Rettung gegründet hat, wäre sowieso vieles nicht möglich gewesen. Jetzt bleibt mehr Zeit für Tennis, Wandern und Lesen. Bisher hab ich nicht einmal meinen Bibliotheksausweis wirklich ausgenützt.“
Sandra Akranidis-Knotzer wird das frei werdende Stadtratsmandat ihres Vaters übernehmen, Norbert Ciperle zieht dafür neu in den Gemeiderat ein.

N. Kranzl

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