Endlich grünes Licht für die Staudruckmaschine

Statt einer bekommt Pfaffstätten jetzt gleich drei Staudruckmaschinen - und damit eine gesicherte Zukunft in Sachen Stromversorgung.

PFAFFSTÄTTEN. – Die Hoffnung war groß, als 2005 ganz Österreich nach Pfaffstätten blickte: Damals präsentierte der Wiener Erfinder Adolf Brinnich seine Staudruckmaschine, mit der er am Wiener Neustädter Kanal die Kleinkraftwerkstechnologie revolutionieren wollte. Doch dem Projekt war keine Zukunft beschieden – nicht zuletzt, weil der Erfinder verstarb. Aber es gibt gute Nachrichten: Jetzt wird die Staudruckmaschine nämlich doch gebaut.

Sie hätte mehr als eine innovative Maschine zur Stromgewinnung werden und sogar die komplette Kleinkraftwerkstechnologie revolutionieren sollen: Die Staudruckanlage, die im Dezember 2005 an der Schleuse 9 des Wiener Neustädter Kanals in Pfaffstätten präsentiert wurde. Die Idee hinter der „Staudruckmaschine“ (SDM): Im Gegensatz zu herkömmlichen Turbinen, die ihre Leistungsfähigkeit vor allem der Fallhöhe der aufgestauten Wassermenge verdanken, dreht sich das SDM-Wasserrad entsprechend der Wassermenge und der Fließgeschwindigkeit. Der angeschlossene Generator liefert zwar wenig, dafür aber stets konstanten Strom. Wenn sich der Leistungsbedarf erhöht, bremst die Maschine automatisch den Wasserdurchfluss, wodurch sich der Wassserdruck auf das Schaufelrad erhöht. Das bedeutet: Im Gegensatz zu herkömmlichen Wasserkraftwerken sollte bei dieser Technologie nicht mehr die kynetische Energie des Wassers genutzt, sondern ein permanenter Druck auf die jeweils untere Schaufel des Laufrads mit einer Breite von 1,5 Meter und einem Durchmesser von 3 Meter erzeugt werden.
Rund 150.000 kWh Strom hätte das Wasserrad pro Jahr erzeugen und damit den Jahresbedarf von etwa 60 Haushalten decken sollen.
Die Idee stieß auch international auf Interesse, und die Gemeinde Pfaffstätten stellte sich damals als Kooperationspartner zur Verfügung und wollte beim Projekt und dessen Umsetzung helfen – ohne den denkmalgeschützten Standort baulich zu beeinflussen.
Aber die innovative Technologie bereitete leider von Anfang an Probleme: Denn schon im Probebetrieb 2006 scheiterte die Idee an Materialfehlern bzw. Herstellerschäden. Zusätzliche Probleme wie unregelmäßige Wasserdotierung, notwendige Einhausung nach Vandalenakten oder Fischaufstiegshilfen wurden gelöst, doch die Materialfehler blieben. Nachdem einige Schweißstellen aufgeplatzt waren, führte Brinnich nicht nur einen Prozess mit den Zulieferern, sondern begann auch damit, die Technologie der Anlage zu verbessern. Brinnichs unerwarteter Tod im März 2009 setzte der innovativen Idee aber ein jähes Ende, das Wasserrad rostete ungenutzt vor sich hin.
Das Hauptproblem: Brinnich hatte seine neuen Ideen niemandem mitgeteilt, unter seinen Erben entbrannte aber trotzdem ein Streit darüber, wem die ursprüngliche Technologie nun eigentlich gehört. Der Gemeinde Pfaffstätten war damals das Vorkaufsrecht auf die Anlage, nicht aber auf die Technologie eingeräumt worden – doch man wollte nur dann kaufen, wenn sich der Betrieb auch tatsächlich bewährt hätte.
Doch nun gibt es positive Neuigkeiten im Hinblick auf die Staudruckmaschine: Die Mödlinger Maschinenfabrik KBA-Mödling AG hat in Zusammenarbeit mit den Erben die Technologie weiterentwickelt, und mit „First Energy – Water Power Plants“ aus Pressbaum wird nun ein privater Inves-tor den Einbau der neu entwickelten Wasserräder finanzieren. Nicht nur eine, sondern gleich drei Staudruckmaschinen wird es dann geben: Eine bei der Schleuse 9, bei der das alte Rad entfernt werden soll, eine bei der Schleuse 10 und eine bei der Schleuse 11 im Bereich der ehemaligen „Matador“.
Die wasserrechtliche Bewilligung und die Zustimmung der Fischereiverbände sind bereits erfolgt, schon im Frühling sollen die drei Kleinkraftwerke in Betrieb gehen und 450.000 kWh Strom pro Jahr liefern.

Endlich grünes Licht für die Staudruckmaschine
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