Der Ton gegen die Schlumberger-Pläne wird rauer

ahlreiche Bürger protestierten am Samstag gegen die Ausbaupläne der Firma Schlumberger - und die dafür notwendigen Umwidmungen seitens der Gemeinde. © Kranzl

BAD VÖSLAU. – Das zweite Anrainergespräch zwischen Vertretern der Firma Schlumberger, dem Bad Vöslauer Stadtrat und einigen Anwohnern des „Goldecks“ ist vorbei – doch die Diskussion darüber noch lange nicht. Kritiker des Projekts sehen sich mit ihren Bedenken aber mehr im Stich gelassen als zuvor.

Es war ein ungewohntes Bild am vergangenen Samstag: Etliche Bürgerinnen und Bürger aller Altersklassen waren zusammengekommen, um mit Transparenten gegen die Ausbaupläne der Firma Schlumberger zu protestieren. Es war nicht die erste Protestaktion – immerhin haben bereits knapp 400 Personen auch schon mit ihrer Unterschrift ein deutliches Zeichen gesetzt.
Grund für die relativ kurzfristig einberufene Versammlung war das zweite Anrainergespräch zwischen Vertretern der „Initiative Goldeck“, der Initiative „Lebensraum Bad Vöslau“, der Firma Schlumberger und dem Stadtrat am 10. Oktober. Es war vor allem das Thema „Raumordnung und Widmung“, das die Wogen erneut hochgehen ließ.
Zum Hintergrund: Derzeit ist das Areal, auf dem Schlumberger eine mehr als 4.000 m2 große Produktionshalle errichten will, als Grünland gewidmet – und damit jede Bautätigkeit ausgeschlossen. „Wir haben uns schon bei der Einladung über dieses Thema gewundert, vor allem, weil der Bürgermeister bisher in mehreren Pressemeldungen und bei Nachfragen auch öffentlich ausgesprochen hat, dass es keine Umwidmungen geben wird“, zeigen sich jene Vertreter der „Initiative Goldeck“ verärgert, die beim Anrainergespräch anwesend waren. „Beim letzten Termin hat er dann aber plötzlich umgeschwenkt und gemeint, dass es keine Umwidmung in Bauland-Betriebsgebiet geben wird und dass mit der Widmung Agrarbauland ein Auslangen gefunden werden muss. Aber auch das wäre schon eine Umwidmung, die er zuvor immer ausgeschlossen hat.“
Die Anrainer befürchten nun, dass der Weg zur Errichtung der Produktionshalle schleichend geebnet wird – eben zuerst über eine Agrarbauland-Widmung, später vielleicht in einer stückchenweisen Ausweitung auf Bauland Betriebsgebiet.
Eine Befürchtung, die Bgm. Christoph Prinz deutlich von sich weist. „Was Viele offenbar noch immer nicht verstanden haben, ist, dass es immer noch kein konkretes Projekt gibt. Erst dann kann und wird es auch eine Entscheidung geben, wie wir mit dem Areal verfahren werden“, so Prinz. „Wenn das Projekt, das uns Schlumberger präsentieren wird, ein Projekt ist, das man auf Agrarbauland verwirklichen kann, dann kann ich mir eine Umwidmung vorstellen. Eine Umwidmung auf Bauland-Betriebsgebiet kommt aber nicht in Frage.“ Außerdem, so betont Prinz, würde es garantiert keine Umwidmung ohne vorherige Auskunft bei den jeweils zuständigen Aufsichtsbehörden geben.
Rückenwind erhalten die Anrainer, die sich nach dem letzten Anrainergespräch beunruhigter zeigen denn je, von den Vöslauer Grünen. „Es ist sehr wichtig, dass die Vöslauer gegen diesen neuen Zerstörungsakt und gegen widmungsfremde Bebauung oder neue Umwidmungen protestieren und sich für eine gute Lebensqualität in Bad Vöslau einsetzen“, stellt Eva Mückstein von den Grünen klar. „Wir werden auf jeden Fall unser Möglichstes dazu beitragen. Die Produktion soll in Bad Vöslau bleiben – aber im dafür gewidmeten Betriebsgebiet, keinesfalls mitten im Wohngebiet oder in den Weingärten.“
Ein Statement von Landeskonservator Patrick Schicht vom Bundesdenkmalamt scheint den Befürchtungen der Kritiker rechtzugeben. Als die Ausbaupläne bekannt wurden, haben die Vöslauer Grünen um eine Stellungnahme Schichts gebeten. Und die fiel alles andere als positiv aus. Er meinte „…dass der in den Medien avisierte Standort eines großvolumigen Bauvorhabens am Rand der historischen Bebauung bzw. direkt neben dem historisch sehr bedeutsamen Schlumberger-Ensemble und am Übergang in die Weinberge aus Sicht der Denkmalpflege sowie der Schutzzone denkbar ungeeignet scheint, da das lokale Ortsbild naturgemäß stark verändert würde.“
Die Grünen wollen die Kritiker des Projekts voll unterstützen. „Wenn nötig, auch mit rechtlichem Beistand“, stellt Mückstein klar. Rechtlichen Beistand, das befürchten auch die Vertreter der „Initiative Goldeck“, könnte man schon bald dringend brauchen – deshalb wurde bei der Volksbank Baden auch schon ein Spendenkonto eingerichtet.

N. Kranzl

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