Widerlegen – oft auch scheinbar: Das Werk von Kurt Welther

Kurt Welther lebt und arbeitet in Berndorf.

Er ist gelernter Textildesigner, hat etliche Auslandsaufenthalte in Italien, Spanien, Rumänien und Mexiko absolviert und im Lauf der Jahre eine tiefe Beziehung zu Lateinamerika aufgebaut, wurde mit zahlreichen Preisen überhäuft und hat in Peking genauso ausgestellt wie in Mexico City: Kurt Welther lebt als freischaffender Künstler in Berndorf. Für die Badener Zeitung hat Welther nun exklusiv ein sammelnswertes Notizbuch gestaltet. 

Nichts ist langweiliger als Kunst, die keine Fragen mehr offenlässt“, sinniert Kurt Welther, wenn es um die Frage nach der Rolle des Betrachters geht. „Wenn ein Werk alles erklärt, nimmt mir das förmlich die Luft zum Atmen, schnürt mir den Hals zu. Es ist ganz schlecht, wenn alles gesagt ist.“ Kurt Welthers Werke erklären nicht – keine Sachverhalte, keine großen philosophischen Fragen und schon gar nicht sich selbst. Sie werfen Fragen auf, erzeugen Widersprüche, lassen Fragen offen. Immer wieder arbeitet der in Bad Vöslau geborene Künstler mit Strukturen und Texten, Schriftmustern und Ornamenten, die er in seine Bilder einfügt. Dabei ist der Inhalt der Texte nicht vorrangig. „Es geht viel mehr um die Struktur der Schriftzeichen, die Ornamente, die sich formieren“, meint Welther. Keineswegs zufällig arbeitet Welther vor allem mit Öl – seine besondere Textur verhilft der den Bildern innewohnenden Struktur ungleich besser zur vollen Entfaltung als andere Techniken. Oft wiederholen sich die Schriftzüge in Welthers Bildern, oft auch nur scheinbar, oft stehen sie in direktem Bezug zu seinen Motiven, oft auch in offenem Widerspruch dazu. Und doch dominiert die Schrift die Bilder nicht, ist nicht das vorherrschende Element, lässt das Bild immer noch für sich stehen. Die Worte und fragmentierten Sätze, die unmissverständlich zu Kurt Welthers Bildsprache gehören, transportieren in den meisten Fällen für sich allein betrachtet keine direkte Botschaft; sie sollen den Betrachter viel mehr anregen, sich mit ihnen und in weiterer Folge auch mit dem Gesamtkunstwerk auseinanderzusetzen; eine Aufgabe, die ungleich besser gelingt, wenn man Kurt Welthers Bilder im Original sieht. „Sie offenbaren sich im Original ganz anders als in der Replikation oder der Abbildung“, resümiert Welther – im übrigen nicht nur seine eigene Beobachtung, sondern auch die vieler Menschen, die den fundamentalen Unterschied beim Betrachten seiner Bilder bemerkt haben.
Immer wieder interpretiert Kurt Welther auch seine eigene Lebensrealität neu, hinterfragt bekannte Positionen, setzt sich mit äußeren Einflüssen auseinander. So auch bei seinen Bildern über Mexiko – „das Land, das mich gefesselt hat wie kein anderes und nie wieder losgelassen hat“, so Welther. Mehr als 10 Mal hat er das Land besucht und seine tiefen Eindrücke von der Sprache, der Landschaft, der schier endlosen Vielfalt dieses Landes auch in seinen Bildern festgehalten. Mit zwei großen Museumssausstellungen in Mexiko und Puebla hat er seiner Begeisterung für dieses Land ein Denkmal gesetzt, dazu kommen zahlreiche weitere Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen auf der ganzen Welt. Derzeit verbringt der in Berndorf lebende Künstler viel Zeit in seinem Atelier. „In der Vergangenheit gab es relativ viele Ausstellungen von mir, momentan wird mehr gearbeitet“, meint Welther lächelnd. „Man kann auch sagen, ich bin gerade wieder dabei, eine Ausstellung erwachsen zu lassen.“

N. Kranzl

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