Stift Melk attestiert Fabians Unterstützern „Blindes Fan-Verhalten“

TRAISKIRCHEN. – Eigentlich, so meint Pater Jeremia Eisenbauer, der Pressesprecher des Stifts Melk, hatte er geplant, bis zur Gerichtsverhandlung Pater Fabians keine Stellungnahmen mehr zum Zerwürfnis zwischen dem abberufenen Pfarrer und dem Stift abzugeben. Durch das vor zwei Wochen in der Badener Zeitung erschienene Interview hat er aber seine Meinung geändert.

„Die im Interview von Pater Fabian geäußerten Ungenauigkeiten, Halbwahrheiten, Lügen und Unterstellungen haben mich nun doch zu einer ausführlichen Stellungnahme motiviert“, resümiert Pater Jeremia Eisenbauer, der Pressesprecher des Stifts Melk. Auslöser für diese Reaktion des Stiftes war ein großes Interview mit Pater Fabian Vordermayer, dem einstigen Pfarrer von Traiskirchen, das vor genau zwei Wochen in der Badener Zeitung erschienen ist.
Erstens, so stellt Eisenbauer klar, sei es nicht richtig, dass das Stift – wie von Vordermayer behauptet – Pater Fabian „hartnäckigen Ungehorsam“ unterstellen würde, weil er sich entgegen der äbtlichen Weisung einen Anwalt genommen habe. „Im Stift herrschte seit dem Auftauchen der Vorwürfe im Oktober Einigkeit, dass für Pater Fabian ein Anwalt gefunden und bezahlt werden soll. Wir hätten uns aber erwartet, dass Pater Fabian gemeinsam mit dem Stift nach einem Anwalt sucht. Er ist aber eigenmächtig vorgegangen und hat uns nicht einmal informiert, dass er bereits einen Anwalt beauftragt hat. Erst durch einen Brief mit einer Zahlungsaufforderung erfuhren wir davon“, so Eisenbauer. „Wir haben Michael Dohr trotzdem als Anwalt akzeptiert.“ Und: Das Stift würde nach Prüfung auch die Anwaltskosten übernehmen. Nur, wenn es zu einzelnen Posten der Honorarnoten keine genaueren Informationen gäbe, würden die ausgelegten Beträge nicht refundiert, stellt Eisenbauer klar.
„Hartnäckigen Ungehorsam“ unterstellt Eisenbauer Pater Fabian indes, wenn es um die Dienstwohnung geht. „Trotz mehrmaliger Aufforderung weigerte er sich, seine ehemalige Dienstwohnung im Pfarrhof Traiskirchen zu räumen. Der neue Pfarrer sollte ab Juli die Möglichkeit haben, sich in seiner künftigen Wohnumgebung vertraut zu machen. Das war ein ausdrücklicher Wunsch von Bischofsvikar Rupert Stadler und keine Schikane von Abt Georg, wie Pater Fabian behauptet“, so Eisenbauer.
Auch die Aussage Pater Fabians, das Stift habe über seinen Aufenthaltsort gegenüber der Polizei falsche Aussagen gemacht, will Eisenbauer nicht so im Raum stehen lassen: „Nach dem Auftauchen der Vorwürfe mussten wir für Pater Fabian einen neuen Aufenthaltsort finden. Viele Mitbrüder fühlten sich hintergangen, weil Pater Fabian uns über seine nicht zum Klosterleben passende Lebensweise hinweggetäuscht hatte – bei seiner Anwesenheit in Melk wäre es zu einer unerträglichen Konflikteskalation gekommen“, so Eisenbauer. „Das Kloster Münsterschwarzach hätte ihn sofort als Gast aufgenommen und ab Jänner hätte er an einem qualifiziert begleiteten dreimonatigen Kurs für Priester in Krisensituation teilnehmen können. Im Interview behauptet Pater Fabian, dass das Stift in der Öffentlichkeit behauptet hatte, nicht zu wissen, wohin er untergetaucht sei, was von der Polizei als Flucht ausgelegt worden wäre. Das ist eine glatte Lüge, denn Pater Fabian wusste, dass der geplante Aufenthalt in Münsterschwarzach mit dem Leiter der polizeilichen Ermittlungen besprochen war und dieser keinerlei Bedenken dagegen hatte. Unsere Feststellung, wir wüssten nicht, wo Pater Fabian sich derzeit aufhalte, haben wir erst zwei Wochen später bei der Pfarrversammlung in Traiskirchen geäußert. Damals hatte Pater Fabian Münsterschwarzach bereits verlassen, ohne uns seinen neuen Aufenthaltsort bekannt zu geben.“
Auch die strittige Presseaussendung vom Oktober 2012 lässt Eisenbauer in seiner Stellungnahme nicht unkommentiert. „Die Presseaussendung, in der von Missbrauchsvorwürfen der Eltern eines Jugendlichen die Rede war, ist vom Pressedienst der Erzdiözese Wien und nicht von uns, also dem Stift Melk, ausgeschickt worden. Wir haben bei der Textentwicklung mitgewirkt, aber die endgültige Version, die ausgeschickt wurde, konnte von uns nicht mehr korrigiert werden“, so Eisenbauer. „Die Formulierung „Eltern eines Jugendlichen“ entspricht nicht ganz den Tatsachen, weil der Hauptbetroffene kein Jugendlicher mehr war. Bei allen Presseanfragen habe ich das auch klar gestellt und darauf hingewiesen, dass es sich um einen jungen Mann handelt. In der Anzeige gegen Pater Fabian waren aber auch Verdachtsdetails enthalten, bei denen es um kriminelle Handlungen am jüngeren Bruder des Hauptbetroffenen ging, der zum Tatzeitpunkt 15 Jahre alt war. Diese Verdachtsdetails kommen zwar in der Anklage nicht mehr vor, die Aussendung ist aber trotzdem nicht als „dreiste Lüge“ zu bezeichnen, wie es Pater Fabian im Interview getan hat.“
Pater Jeremia verweist des weiteren auf das Stalkingverhalten Pater Fabians, das er selbst im Interview „fast völlig ausblendet“. „Tatsache ist, dass Pater Fabian nach Beendigung der Freundschaft dem jungen Mann E-Mails von mehreren erfundenen oder auch real existierenden Absendern geschickt hat. Ich habe eine Mappe voll mit den Ausdrucken dieser betrügerischen E-Mails. Pater Fabian hat das alles sogar zerknirscht zugegeben – und zwar noch, bevor von KO-Tropfen und Nötigung die Rede war“, so Eisenbauer.
Auch den „persönlichen Hass“, den Pater Fabian Abt Georg Wilfinger unterstellt, lässt Eisenbauer in seiner Stellungnahme nicht unkommentiert. „Es gab tatsächlich seit dem Jahr 2009 einen 2010 eskalierenden schwerwiegenden Konflikt zwischen Pater Fabian und anderen Mitbrüdern, und ich habe mich sehr dafür eingesetzt, dass sich die Verantwortlichen unserer Klostergemeinschaft ihm gegenüber fair und gerecht verhalten. Damals hat mich Pater Fabian auch ersucht, bei Gesprächen mit Abt Georg, als Vertrauensperson dabei zu sein“, zeigt sich Eisenbauer verwundert. „Aber wenn Pater Fabian ausgehend vom gestörten Kommunikationsklima im Jahr 2010 und den Zerwürfnissen mit einzelnen Mitbrüdern argumentiert, seine Behauptung von der persönlichen Fehde des Abtes im Jahr 2013 sei damit bewiesen, dann ist das unhaltbar. Tatsache ist – und das weiß Pater Fabian sehr genau, und das ist auch in Briefen belegt: Ich habe mich von seinem Klostereintritt 2007 an bis zum September 2012 immer wieder sehr für ihn engagiert, mich bemüht, ihn mehr in die Gemeinschaft zu integrieren, ihn immer wieder gegen Angriffe von Seiten anderer Mitbrüder verteidigt. Man muss nicht jemandes Freund sein, um sich ihm gegenüber anständig zu verhalten.“ Auch das Verhalten von Abt Georg Wilfinger gegenüber Pater Fabian sei völlig anders, als dieser es im Interview dargestellt habe, so Eisenbauer. „Abt Georg hat sich seit dem Jahr 2010, nachdem durch viele Gespräche der damalige Konflikt zumindest zur Ruhe gekommen war, immer wieder sehr um Pater Fabian bemüht. Er hat für ihn den Weg zur Bestellung als Pfarrer in Traiskirchen geebnet und sich sehr dafür eingesetzt, dass der Pfarrhof in Traiskirchen im Zuge des Amtsantritts von Pater Fabian möglichst rasch und seinen Wünschen gemäß renoviert wird. Kein anderer Mitbruder wurde bei seinem Amtsantritt als Pfarrer mit einem so großzügigen Budget unterstützt wie Pater Fabian“, so Eisenbauer. „Und bei den Vorgesprächen für den Exklaustrationsvertrag im Dezember 2012 hat sich gerade Abt Georg für großzügige Unterhaltszahlungen eingesetzt und Summen vorgeschlagen, die auch über meine Erwartungen hinausgingen und auch die anwesenden Vertrauenspersonen von Pater Fabian in Staunen versetzten.“ Überhaupt nicht nachvollziehen kann Pater Jeremia die Aussage Pater Fabians, Abt Georg würde aus „persönlichem Hass“ auf ihn agieren. „Ich kann das nur als einen einen sich wiederholenden Versuch Pater Fabians werten, in unserer Gemeinschaft Zwietracht und Polarisierung zu schüren“, so Eisenbauer. „Tatsache ist: Er hat durch sein Verhalten der Stiftsgemeinschaft gegenüber und durch seine ständige Präsenz und das fortgesetzte polarisierende Verhalten in Traiskirchen das Vertrauen des Stiftes verloren. Dieses Vertrauen ist aber die Basis, um zu einem Amt auf einer Dienststelle des Stiftes bestellt zu werden.“ Insgesamt ortet Pater Jeremia Eisenbauer bei Pater Fabians Befürwortern eine gewisse Art der Anfälligkeit für dessen manipulatives Verhalten: „Ich habe den Eindruck, dass dieselbe manipulative Einnistung mit den Symptomen von Abhängigkeit und fast Hörigkeit einzelner Familienmitglieder, wie sie Pater Fabian von 2008 bis 2012 bei der Familie des jungen Mannes gelungen ist, derzeit bei einigen seiner Befürworter festzustellen ist: Sie sind gegen jedes Argument resistent und sind gefangen, teils in einer fragwürdigen Form von Mitleid, teils in einer Art naiver Form von Heroisierung, wie es bei blindem Fan-Verhalten zu beobachten ist.“

N. Kranzl

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