Offener Brief zum Thema Schlumberger

Aus dem Blickwinkel eines Bürgers oder die unendliche Geschichte

Sehr geehrter Herr Bürgermeister DI Christoph Prinz,

vorweg – ich bin überzeugt, dass Sie das Beste für Ihre Gemeinde wollen und auch entsprechend agieren und somit sowohl für Bürger als auch für angesiedelte Betriebe entsprechende Voraussetzungen schaffen. Aber wie ist die Moral aus der Geschichte von J.P. Hebel: „allen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“. Doch die betriebliche Erweiterung von Underberg vgl. Schlumberger, just im Grenzgebiet bzw. auch überlappend zu Landschaftschutzgebiet nach EU-Richtlinien (Natura 2000 FFH Schutzgebiet, Natura 2000 Vogelschutz/Grenze, Biosphärenpark Wienerwald, Landschaftschutzgebiet/Grenze) sowie mit Werksverkehr durch Siedlungsgebiete, ist eine bedenkliche Entwicklung. Das Argument, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, kommt nicht zu tragen, da eine Betriebszusammenlegung immer (österreichisch gesehen) eine Arbeitsplatzreduzierung mit sich bringt. Außerdem ist es ein Unternehmerziel, von jeder Firma, den Verkauf zu steigern. Das bringt sicherlich in Zukunft, auf Grund einer damit verbundenen Produktionssteigerung, noch mehr Werksverkehr sowie weitere Ausbauwünsche von Underberg; – wo ist ein Ende? Weitere Bürgerproteste sind somit vorprogrammiert. Den Medien entnahm ich, dass Sie zum „Botschafter des Biosphärenpark“ ernannt wurden, zu welchem ich Ihnen herzlichst gratuliere. Dies gibt mir Hoffnung, dass Sie Ihre Entscheidungen auch in Zukunft umweltfreundlich treffen werden.

Hochachtungsvoll

Heinrich Schilcher
Bad Vöslau

 

Antwortschreiben des Bürgermeisters

Sehr geehrter Hr. Schilcher,

zunächst danke für Ihr offenes Email. Ich hätte lieber mit Ihnen persönlich gesprochen, als „via Internet und offenem Brief“ zu kommunizieren. Ich hoffe aber dennoch, den Kern der Frage auch auf diese Weise beantworten zu können. Ganz generell ist in der Sache Schlumberger sicher noch länger nicht das letzte Wort gesprochen. Man spricht seitens der Fa. Schlumberger von einem möglichen Umsetzungsszenario von 4 bis 5 Jahren! Dabei gibt es – wie Sie auch in Ihrem Brief anführen – viele unterschiedliche Aspekte näher zu beleuchten und in Folge zu bedenken. Wir sind derzeit dabei, genau diese Fakten und Rahmenbedingungen zu erarbeiten (Verkehr, Gebäudeschutz, Natur, Landschaftsbild, Widmung etc.). In diese Gespräche mit einem der beiden Direktoren und dem verantw. Planer habe ich eine Gruppe von Anrainervertretern eingebunden, damit nicht die Gemeinde „Stille Post“ spielen muss, bzw. immer von der einen oder anderen Seite – leider sehr oft auch falsch – interpretiert wird. Darüber hinaus gibt es Anregungen und Themen der Anrainer, die nun mit der Firma Schlumberger offen besprochen werden können und sich in Zukunft vielleicht sogar zum Vorteil der dort Wohnenden entwickeln lassen. Ich sehe meine Aufgabe zum derzeitigen Zeitpunkt darin, alle relevanten Themen auf den Tisch zu bringen. In Folge wird man versuchen, möglichst rasch eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen sein, ob es sinnvoll und möglich ist, das Projekt weiter zu verfolgen. Es gibt ja derzeit noch keine konkreten Pläne oder Einreichunterlagen, welche die Gemeinde und die hinzukommenden Fachbehörden detailliert beurteilen können. Ich kann Ihnen versichern, dass eine Entscheidung wohl überlegt und durch die Gemeinde als auch alle relevanten Behörden genau geprüft wird. Keinem ist gedient, wenn fachliche Entscheidungen mit langfristigen Auswirkungen „aus dem Bauch heraus“ getroffen werden – selbst wenn der Weg zum Entschluss länger dauert! Meinem Grundsatz: Zuerst zu überlegen, dann zu entscheiden und danach zu handeln, werde ich auch in dieser Sache bestimmt treu bleiben. Nochmals danke für Ihr Email – ich hoffe, ich konnte auf Ihre Frage antworten. Über ein persönliches Gespräch würde ich mich dennoch freuen.

Mit besten Grüßen
Bgm. DI Christoph Prinz

 

Offener Brief zum Thema Schlumberger
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