„Betreutes Wohnen“: Die nächste Phase beginnt

BAD VÖSLAU. – Im Juni hatte die Standortfrage für das Projekt „Betreutes Wohnen“ für grobe Zerwürfnisse im Bad Vöslauer Gemeinderat gesorgt. Im Oktober wollen Vertreter aller Fraktionen andere Projekte besichigten und darauf basierend die Standortfrage noch einmal überdenken. So lautet zumindest der Plan.

„Selbstbestimmtes Leben im Alter“: So lautet die Formulierung, die die Liste Flammer für leistbare und seniorengerechte Mietwohnungen über die politische Sommerpause ausgearbeitet hat. Im Juni hatte das Thema für gehörigen Wirbel im Gemeinderat gesorgt: Während die Liste Flammer ein Grundstück in der Franz Prendingerstraße als geeignetstes ansah, plädierte die Opposition geschlossen dafür, das Projekt „Betreutes Wohnen“ zentrumsnaher zu planen und andere gemeindeeigene Grundstücke dafür ins Auge zu fassen. Der Streit um das geeignete Grundstück führte letzten Endes sogar zum Auszug der Oppositionsparteien aus dem Gemeinderat – dem drastischsten politischen Mittel überhaupt. Letzten Endes einigte man sich darauf, gemeinsam auch die anderen in Frage kommenden gemeindeeigenen Grundstücke im Hinblick auf ihre Eignung zu überprüfen und vor allem auch gemeinsam schon umgesetzte Projekte zu besichtigen. Wie dem auch sei: An den grundliegenden Haltungen zum Thema der Standortfrage hat sich auch in den Sommermonaten nicht viel geändert. „Wir begrüßen und unterstützen „Betreutes Wohnen“. Allerdings soll ein solches Projekt älteren Menschen möglichst lang ihre Selbstständigkeit und ein selbstbestimmtes Leben erhalten“, stellen Freiheitliche und Unabhängige, SPÖ, ÖVP und Grüne in einer gemeinsamen Aussendung klar. „Deshalb muss es, wie das auch in den NÖ-Förderrichtlinien festgeschrieben ist, in solchen Wohnprojekten Gemeinschaftsräume, Räume für Gesundheitsdienste und Betreuungsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe geben. Besonders wichtig ist, dass das Objekt im gut erschlossenen Ortsgebiet liegt. Die Anbindung an die Öffis und an eine gute Infrastruktur, also Nahversorgung, Apotheken und Ärzte muss auf jeden Fall gegeben sein. Der von der Liste Flammer favorisierte Standort in der Franz Prendingerstraße liegt aber weit entfernt vom Ortszentrum und erfüllt all diese vom Förderungsgeber aufgestellten Kriterien nicht.“ Anders sieht das wenig überraschend die Mehrheitsfraktion. „Für leistbare Senioren-Mietwohnungen sind die Gebäudegröße und die Grundstücksgröße entscheidende Faktoren, da beides unmittelbare Auswirkungen auf die Höhe des Mietpreises hat – und den wollen wir so niedrig wie möglich halten“, stellt Baustadtrat Martin Koisser klar. „Zur Diskussion stehen die Grundstücke Franz Prendingerstraße Nr. 10, die Heilquellenstraße und die Geymüllerstraße Nr. 4-6. Rechnet man aber alle Faktoren wie Verfügbarkeit der Liegenschaft, Größe, Konfiguration oder Erweiterungsmöglichkeit inklusive den möglichst geringen Mietpreis zusammen, bleibt die Franz Prendingerstraße die beste Wahl.“
Auch im Stadtrat der Vorwoche war „Betreutes Wohnen“ wieder Thema. „Wir haben diese Idee ja nicht in Bad Vöslau erfunden“, stellt Bgm. Christoph Prinz klar. „Es gibt in anderen Gemeinden bereits funktionierende Beispiele, die bei den Überlegungen als Vorbild für unsere Stadt gelten können. Deshalb habe ich alle Fraktionen gebeten, Vorschläge einzubringen, welche Projekte wir gemeinsam besuchen sollen.“ Die Frage des Standortes soll in der derzeitigen Phase nich der Hauptdiskussionspunkt sein, stellt der Stadtchef klar: „Erst, wenn wir uns entschieden haben, welches Projekt wir genau umsetzen wollen, macht es auch Sinn, die Standortfrage erneut zu analysieren.“

N. Kranzl

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