Schlumberger legt ein erstes Verkehrskonzept vor

BAD VÖSLAU. – Lange Zeit war es still um die Pläne der Firma Schlumberger, fast die gesamte Produktion am Standort Bad Vöslau zusammenzuführen, die im Sommer des Vorjahres zu erheblichen Anrainerprotesten geführt hatten – unter anderem wegen der Befürchtung einer Zunahme der Verkehrsbelastung. In der Vorwoche präsentierte der Schlumberger-Vorstand ein erstes Verkehrskonzept – und stieß dabei nicht nur auf Zustimmung.

4.500 m2 groß soll sie werden, die neue Produktionshalle – und sie sorgt schon lange, bevor überhaupt mit dem Bau begonnen wird, für heftige Diskussionen. Zum Hintergrund: Derzeit wird der Grundwein nach Bad Vöslau angeliefert und gelagert. Nach der 1. Gärung folgt die Abfüllung in Flaschen und die Zusetzung von Hefe. Dieser so entstehende „Rohsekt“ wird dann nach Wien geliefert, wo die 2. Gärung und der Rüttelprozess stattfindet. Nach der nötigen Lagerzeit und der finalen Verfeinerung wird der fertige Sekt etikettiert, verpackt und ins Zentrallager versandt. In Zukunft sollen all diese Arbeitsschritte in Bad Vöslau zusammengelegt werden. „Wir wollen dadurch Synergieeffekte nutzen und natürlich auch bei den Produktionskosten sparen“, erklärt Markus Graser, Pressesprecher der Firma Schlumberger. Auf wenig Gegenliebe stoßen diese Pläne allerdings bei einem großen Teil der Anrainer des „Goldecks“. Sie befürchten nicht nur eine Verbauung der Weingartenlandschaft, sondern vor allem auch eine deutliche Zunahme an LKW-Fahrten. „Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, dass ein Riesenkonzern mit Sitz in der Schweiz eine riesige Halle mitten in unsere Grünlandschaft bauen will“, meint Mario Schmid, der in der Heidegasse wohnt – und damit in einer jener Straßen, die am meisten vom Lieferverkehr betroffen ist. „Wenn ich wollen würde, dass mein Kind in einer Industriegegend aufwächst, wäre ich nach Wiener Neudorf gezogen.“ Die Argumentation, dass Schlumberger eine langjährige Tradition mit Bad Vöslau verbindet, stößt Schmid ebenfalls sauer auf: „Die Unterberg AG hat den Namen Schlumberger mitgekauft. Mit der kleinen Weinkellerei des Robert Schlumberger hat das überhaupt nichts mehr zu tun – aber die Geschichte verkauft sich natürlich gut.“
Am Mittwoch der Vorwoche trafen Vertreter der Firma Schlumberger und einige Anrainer gemeinsam mit dem Bürgermeister und einigen Gemeindemandataren zusammen, um über die Pläne zu sprechen und einen Konsens zu finden. Ein schwieriges Unterfangen, standen doch so heikle Punkte wie die Lösung des Verkehrsproblems an. Ein von Schlumberger beauftragter Verkehrsplaner hat mittlerweile ein Konzept erarbeitet, um die Belastungen des Zulieferverkehrs für die Anrainer so gering wie möglich zu halten. Die wichtigste Neuerung: Statt wie bisher über die Zieglerstraße, die Heidegasse und die Haderergasse sollen die LKW in Zukunft weiter über die Zieglerstraße und anschließend die Waldandachtsstraße fahren. Keine Lösung, sondern nur eine Verlagerung des Problems, wie die Anrainer meinen. Anders sehen das – wenig überraschend – Vertreter der Firma Schlumberger. „So würden der spitze Abbiegewinkel in die Heidegasse und auch die scharfe Linkskurve in die Haderergasse wegfallen, und damit auch das laute Reversieren und wieder Anfahren“, argumentiert Graser. Durchschnittlich 4 LKW liefern derzeit pro Tag zum Goldeck an. „Die Zahl kann man aber so nicht stehen lassen, denn LKW, die zufahren, müssen ja auch wieder wegfahren. Wir sprechen also von 8 Fahrten pro Tag, das sind übers Jahr gerechnet immerhin 1.720“, rechnet Schmid vor. „Und das mitten in einer Wohngegend.“ Laut Schlumberger wird sich das Verkehrsaufkommen auch dann nicht erhöhen, wenn die Produktionshalle gebaut wird. „Nach wie vor müssen der Wein angeliefert und die fertigen Flaschen abtransportiert werden“, erklärt Graser. „Welche Produktionsschritte dazwischen noch stattfinden, ändert ja nichts an der LKW-Frequenz.“ Dazukommen würde natürlich die Anlieferung von Verpackungsmaterial, das derzeit noch nach Wien gebracht wird. Doch auch in diesem Punkt beruhigt Graser: „Wir haben uns diesen Punkt genau durchgerechnet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir durch gezielte Wiederbeladung bisheriger Leerfahrten dafür sorgen können, dass keine zusätzlichen Fahrten nötig sind. Auch dann nicht, wenn die Produktion in Bad Vöslau zusammengelegt wird.“ Die Anrainer zeigen sich dennoch beunruhigt. „Immerhin ist in einem früheren Gespräch schon der Satz gefallen „Wien wird uns zu klein“ – und der hat doch eine gewisse Aussagekraft. Was passiert, wenn Schlumberger wirklich seinen Marktanteil weiter ausbauen will?“, gibt Schmid zu bedenken. Er plädiert, genau wie etliche andere Bewohner des „Goldecks“, dafür, dass die neue Produktionshalle im Vöslauer Betriebsgebiet statt in den Weingärten errichtet wird – oder sogar gleich die gesamte Produktion dorthin verlagert wird. Für Schlumberger ist das allerdings keine Option. „Wenn wir nur die neue Halle dorthinbauen, wäre das für die Anrainer keine Erleichterung in puncto Verkehr, eher im Gegenteil“, stellt Graser klar. „Und wir haben in den letzten Jahren enorm in den Standort Vöslau investiert, und dieses Potenzial wollen wir nun auch nutzen. Und: Die neue Produktionshalle wird sich in die Weingartenlandschaft einfügen. Alles andere entspräche auch gar nicht unserer Unternehmensphilosophie.“

N. Kranzl

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