Otmar Rychlik entsetzt über die Schlumberger-Pläne

Der Blick durch die Weingärten zum "Lausturm" - eine der Blickachsen, die Rychlik durch die Ausbaupläne gefährdet sieht. © Kranzl

BAD VÖSLAU. – Es ist ruhig geworden um die Pläne der Firma Schlumberger, die noch vor einigen Monaten für großes Aufsehen in Bad Vöslau gesorgt haben. Wie berichtet plant das Unternehmen, einen größeren Teil seiner Produktion nach Bad Vöslau zu verlagern. Der Vöslauer Kulturhistoriker Otmar Rychlik warnt im Gespräch mit der BZ eindringlich vor der damit einhergehenden Zerstörung der für Vöslau so charakteristischen Weinlandschaft.

Sie haben sich bisher kaum zu den Ausbauplänen der Firma Schlumberger geäußert. Warum Ihr plötzlicher Einsatz für das Goldeck?
Weil das Landschafts- und Kulturensemble Schlumberger bzw. Goldeck nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden darf, sondern als großes Ganzes gesehen werden muss. Seine Bedeutung für Bad Vöslau ist enorm, auch aus architektonischer Sicht. August Schwendenwein und Julius Romano vom Ringe waren für die Firma Schlumberger tätig. Sie zählten zu den bedeutendsten Architekten der Ringstraßenzeit und haben unter anderem das Schlösschen Merkenstein für Joachim Graf von Münch-Bellinghausen erbaut. Außerdem Metternichs Palais am Rennweg und mehr als 50 andere Palais an der Ringstraße – wofür Julius Romano auch mit dem Prädikat „vom Ringe“ geadelt wurde. Und Robert Schlumberger hat anlässlich seiner Silberhochzeit die damaligen Stararchitekten Fellner und Helmer damit beauftragt, das Schlösschen Kaiserstein zu errichten, das jeder Vöslauer als „Lausturm“ kennt. Man muss sich der Bedeutung dieser Bauwerke und dieses historischen Erbes bewusst sein.

Man muss aber dazu sagen, dass nie ein Abriss dieser Gebäude geplant war…
Die Besonderheit dieses Ensembles liegt aber eben genau im Gesamten. Man kann die Weingärten nicht aus der Gleichung herausnehmen. Immerhin wurde das gesamte Areal terrassiert, die Schlumbergerischen Weingärten wurden mit großem Aufwand in die Landschaft hineinkomponiert. Es gibt zum Beispiel eine Terrasse am Waldrand, von der aus man die ganze Anlage inklusive Weingärten und Gebäuden überblicken kann. Die Blickachsen sind bewusst so angelegt worden, und dieses Ensemble ist von größter kunst- und kulturhistorischer Bedeutung für die Stadt.

Und Sie befürchten, dieses Ensemble könnte durch die Ausbaupläne gefährdet werden?
Natürlich. Durch jede Art der Verbauung würde dieses Ensemble aus Kunst und Natur völlig zerstört werden. Die Grundidee des Zusammenhangs muss unter allen Umständen bewahrt werden. Ganz abgesehen davon, dass in eine Gegend mit kleinteiliger Besiedelung sowieso keine Produktionshalle passt. Wir können uns nicht alle Kulturlandschaften durch Industrie zerstören lassen. Und das Umfeld von Vöslau ist sowieso schon durch Straßen, die nahe Autobahn, das unmögliche Dutzend von Supermärkten zubetoniert und ein für alle Mal zerstört – hässlich wie in Las Vegas. Der einzige Bereich von Vöslau, wo die ehemals gerühmte Lage „eingebettet in die Landschaft“ überhaupt noch spürbar wird, ist eben genau dieser kleine Abschnitt zwischen Florastraße und dem Weingut Schlumberger/Goldeck bis hin zur Waldandacht. Wenn dieser Gegend auch noch zugesetzt wird, ist auch der letzte Rest des fließenden Übergangs der Kulturlandschaft in die Natur ausgemerzt.

Was wäre Ihr Appell an die Vöslauer Politik?
Das Problem von Vöslau ist, dass Identität und Selbstbewusstsein, die in der Kurstadt des 19. Jahrhunderts im höchsten Maß vorhanden waren, vollkommen verlorengegangen sind und offenbar kein Interesse daran besteht, diese Qualitäten zurückzugewinnen. Ich arbeite derzeit an einer Broschüre mit dem Titel „Das Zerstörungswerk der Vöslauer Bürgermeister und ihrer Handlanger“, für das auch schon die Finanzierung steht. Alfred Flammer kommt darin nicht vor; der hat noch etwas von der spezifischen Kultur und der Geschichte Bad Vöslaus gespürt und auch etwas dafür getan.

Das heißt: Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern – vor allem auch im Hinblick auf Schlumberger?
Es ist nicht die Schönheit des überbordenden Straßenverkehrs und der Reiz der zahllosen Bausünden, die den Charme unserer Gegend ausmachen, sondern die über Jahrhunderte gewachsene Weinlandschaft. Man könnte von einem Weltkulturerbe der Weinlandschaften sprechen. Allein auf die Idee zu kommen, das nicht schützen zu müssen, ist barbarisch, aus der Sicht gebildeter Menschen natürlich sonderschulreif. Wenn sich Vöslau stadtbildmäßig ruiniert, ist das Sache des Bürgermeisters und seiner in jeder Hinsicht in kulturellen Fragen inkompetenten Berater. Andere lässt er auch gar nicht zu. Aber wo es um die Weinlandschaft, um die Identität unseres eigentlichen, kulturellen Lebensraumes geht, muss weiträumiger gedacht werden. Ich fordere den Bürgermeister auf, sich mit anderen Bürgermeistern der Thermenregion zu einer Initiative zusammenzuschließen, die eine großzügige Unterschutzstellung unserer Weinlandschaft bezweckt.

N. Kranzl

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