„More Ohr Less“ die Zehnte: Hans-Joachim Roedelius lädt nach Lunz am See

Christopher James Chaplin Chaplin und Hans-Joachim Roedelius. © Michael Martinek

Es ist kein gängiges Festival – eher ein Symposion zu einem anspruchsvollen und viel assoziierten Jahresthema, bei dem Musik und Philosophie gleichberechtigt nebeneinander stehen: „More Ohr Less“, das der Badener Kulturpreisträger Hans-Joachim Roedelius ins Leben gerufen hat, feiert von 1. bis 4. August sein 10. Jubiläum in Lunz am See.

„Lunz“. So hieß jenes Album, mit dem Hans-Joachim Roedelius, Pionier der Experimental-, Ambient- und Elektronikmusik und Krautrock-Mitbegründer, gemeinsam mit Tim Story jener Gegend ein musikalisches Denkmal setzte, die er vor mehr als 30 Jahren als Sommerfrischler kennen- und liebengelernt hatte. Als er die Platte – deren „Geburtshelfer“ kein Geringerer als Herbert Grönemeyer war – beim damals schon in Lunz etablierten Festival „Wellenklänge“ präsentieren wollte, meinte der Bürgermeister, es würde dort nicht hinpassen. „Er meinte, wir sollen doch stattdessen ein eigenes Festival ins Leben rufen“, erinnert sich Roedelius lächelnd. „Und heuer feiert „More Ohr Less“ sein zehnjähriges Bestehen. Mittlerweile sind auch wir in Lunz eingemeindet.“
Es ist die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte eines ebenso ungewöhnlichen Festivals. Denn nicht nur Komponisten und Musiker des experimentellen, elektronischen Fachs, sondern auch Schuhplattler und indische Musiker, Biologen und Zen-Meister, Karikaturisten und Journalisten finden am Lunzer See ihre Bühne. Sie alle werden ihre Klänge, ihre Worte und ihre Werke rund um das heurige Jahresthema „Ziele“ streifen lassen.
Doch damit nicht genug: Im „More Ohr Less“-Jubiläumsjahr wird es auch einen Rückblick auf das Festival und seine eigene Geschichte geben. Im Lunzer Pfarrsaal wird ein Info-Center eingerichtet, in dem auch Filme gezeigt werden – eine Retrospektive, die aber auch bisher Ungesehenes bieten will, so zum Beispiel ein Interview mit Herbert Grönemeyer und seine eigenen Gedanken zum Album „Lunz“, das ihn während einer tiefen privaten Krise begleitet hat.
„Wäre ich nicht nach Österreich übersiedelt, wäre wohl vieles anders gekommen. Dann wäre ich wahrscheinlich Masseur geblieben“, meint Roedelius mit einem Lächeln auf den Lippen. „Aber ich bin in diesem Land und auch in der Stadt Baden mit offenen Armen empfangen worden, wofür ich nach wie vor sehr dankbar bin.“ Zahlreiche Förderer haben Roedelius bisher auf seinem Weg begleitet: Michael Hutterstrasser, die Alban Berg Stiftung, das Land NÖ und die Republik Österreich, Altbürgermeister August Breininger, der Rotary Club Baden und zahlreiche Familien und Privatpersonen, um nur einige Sponsoren und Unterstützer zu nennen.
„Ihnen allen habe ich zu verdanken, dass wir unsere Besucher in Lunz auch heuer wieder mit einem besonderen Programm überraschen können“, freut sich Roedelius. So wird das MOL-Kammerorchester am Eröffnungstag, dem 1. August, das sinfonische Gedicht „von dort nach hier/from there to here“, komponiert von Christopher James Chaplin zur Aufführung bringen und dabei Zitate aus der Kantate „Wer wälzet den Stein“ von Johann-Christian Roedelius, einem Vorfahren des MOL-Gründers und eines Zeitgenossen Johann Sebastian Bachs, einbeziehen. Weitere Höhepunkte: Die Fusion traditioneller indischer und klassischer europäischer Saitenmusik, die Uraufführung von Roedelius‘ Auftragskomposition „Ode an Niederösterreich“ uvm. – die Verbindung von Avantgarde und Tradition, ein Festival, das nicht nur zum Zuhören, sondern auch zum Nachdenken anregen will, eben. Das detaillierte Programm gibt es unter www.more-ohr-less.at.

N. Kranzl

„More Ohr Less“ die Zehnte: Hans-Joachim Roedelius lädt nach Lunz am See
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