Tausche Tafel mit Mandoline

Fast auf die Minute pünktlich zum 60. Geburtstag verabschiedet sich der beliebte Professor für Geschichte und Englisch, John Morrissey, in die Pension als Lehrer. Von Ruhestand kann aber noch lange keine Rede sein. Als Profimusiker feiert der sympathische Pädagoge große Erfolge.

John Morrissey gehört zu jener Sorte Menschen, in deren Leben schlechte Laune nichts verloren hat. Geboren wurde das quirlige Multitalent in Massachusetts. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er im sonnigen Kalifornien, bevor er schließlich mit 10 Jahren bei uns sesshaft wurde. Zu dieser Zeit begann sich Morrissey auch oberflächlich mit Musik zu beschäftigen. Mit 17 galt es dann, bei den Mädels Eindruck zu schinden, Grund genug für John, in Eigenregie Gitarre zu lernen. „Von Anfang an habe ich mich für ethnische Musik aus verschiedenen Weltregionen und Folk interessiert“, erinnert er sich. Musik und Studium ergänzten sich gut und zeitgleich begann Morrissey 1978 am Gymnasium Biondekgasse zu unterrichten und in einer Band zu spielen.
Mit Ende Juni dieses Jahres hängt er zwar den Lehrerberuf, nicht aber seine Instrumente an den Nagel. Lehrer war er leidenschaftlich gerne, nicht nur in der Schule, sondern auch an der Universität, wo er Lehramtskandidaten ausbildete. Sein Spezialgebiet als Historiker war die Geschichte des Mittelmeerraums und des Orients im Mittelalter. „Dazu habe ich, gemeinsam mit anderen Autoren, mehrere Bücher und Zeitschriften herausgegeben b.z.w. auch verfasst. Unter anderem „Venedig – Die Serenissima als Weltmacht“, „Pisa – Seemacht und Kulturmetropole“ oder „Die Mongolen – Feinde oder Partner?“, erzählt der Pädagoge, der auch die Arbeit mit Jugendlichen in den Klassen sehr schätzte. „Für mich war das die richtige Berufswahl, ein grandioser Job. Ich hatte tolle Kinder und Jugendliche mit Sprachwitz und unglaublicher Fantasie, gepaart mit Rotzigkeit und zärtlichem Schmäh. Natürlich ist es nicht immer ganz einfach. Wenn es aber wirklich schwierig wird, dann ist das eben unser Job“, so Morrissey, der kein Verständnis für Kollegen hat, die pausenlos jammern. „Ich fühle mich nicht ausgebrannt, aber man sollte gehen, wenn es am schönsten ist“, meint der Neo-Pensionist, der es in Zukunft genießen wird, endlich länger schlafen zu können.
Wirklich viel Zeit zum Schlafen wird er aber nicht haben, zu dicht ist das Programm für ihn und seine Band „Hotel Palindrone“, mit der er diesen Sommer wieder in ganz Europa von Festival zu Festival eilt. Mittlerweile spielt John Morrissey mehrere Instrumente, manche haben Namen, die man kaum aussprechen kann.
Die Musik der Badener Band kommt bei ihrem Publikum jedenfalls seit 15 Jahren großartig an. Zahlreiche Auszeichnungen, wie „Preis der Weltmusik“, „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ oder der französiche „Bravo“ für die beste CD kurbeln nicht nur den Plattenverkauf an, sondern sind auch Motivation für die Rockband, die mit Dudelsäcken, Mandoline oder Bouzouki leichte, schwungvolle Musik, angesiedelt zwischen Jazz und Klassik macht, der man sich nur schwer entziehen kann.
„Wir haben extrem gemischtes Publikum aus allen Schichten. Was auf der Bühne passiert, wissen wir meistens auch nicht. Wir plaudern gerne mit unseren Zuhörern und bauen regionale Bezüge in das Programm ein. Es ist eingroßartiges Gefühl vor 10.000 Menschen zu spielen“, sagt Morrissey, für den es wenig Unterschied macht, ob er Schüler, oder in Zukunft vermehrt sein Publikum begeistert. RaDi

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