Musiktalente müssen warten

TRAISKIRCHEN. – Wenn ein Traiskirchner Kind in eine Musikmittelschule gehen möchte, hat es Pech gehabt. Der Grund: In Niederösterreich gilt für Musikmittelschulen die Sprengelpflicht. Seit Jahren wird der Ruf betroffener Eltern, diese Regelung aufzuheben, immer lauter. Doch der Landtag lehnt ab.

Musiktalentierte Kinder stehen in Niederösterreich deutlich schlechter da als sportbegeisterte: Es gibt generell um ein Drittel mehr Sportmittelschulen als Musikmittelschulen. Besonders südlich der Donau sieht es mit geeigneten Schulen für musisch begabte Kinder düster aus: Nur fünf der 15 bzw. ab Herbst 18 Musikhauptschulen befinden sich im südlichen Niederösterreich: Gramatneusiedl, Gumpoldskirchen, Weißenbach, Wr. Neustadt und Neunkirchen. Aber damit nicht genug: Die Sprengelpflicht erschwert Kindern und Eltern zusätzlich den Besuch einer Musikhauptschule. Denn: Wenn die Ausbildungsstätte nicht im Schulsprengel liegt, muss die Heimatgemeinde den Schulerhaltungsbeitrag bezahlen. Pro Kind und Schuljahr liegt dieser Betrag bei rund 2.500 Euro. Etliche Gemeinden übernehmen diese Kosten, andere nicht. Eine, die sich weigert, diesen Betrag zu bezahlen, ist die Stadtgemeinde Traiskirchen. Das Argument: Ers-tens gibt es mit der Sport- und Informatikhauptschule sowieso eine Hauptschule im Ort. Und: Man sei nicht bereit, die Weigerung des Landtags zu unterstützen, die Sprengelpflicht endlich auch für Musikmittelschulen aufzuheben. Denn: Für Sportmittelschulen wurde die Sprengelpflicht schon vor einigen Jahren aufgehoben, so dass jedes Kind auch ohne Gemeinderatsbeschluss über die Kostenübernahme eine geeignete Schule besuchen kann. „Mit diesem Argument hat der Bürgermeister natürlich recht“, räumt Michaela Arnhold ein, die sich seit längerem für eine Sprengelfreigabe einsetzt und auch den Unterricht an der Tribuswinkler Musikschule koordiniert. „Denn wenn alle Gemeinden ohne aufzumucken bezahlen, wird sich an dieser absurden Regelung nie etwas ändern. Aber was tut ein musikbegabtes Kind in einer Sportmittelschule? So werden doch keine Talente gefördert – und das in einem Bundesland, das sich als Kulturland rühmt!“ Seit August 2012 setzt sich Arnhold in dieser Sache ein – bisher allerdings vergeblich. Erst in der Vorwoche setzte es einen neuen Rückschlag: Denn im Gegensatz zum Burgenland, wo der Landtag demnächst eine Freigabe beschließen wird, hat der NÖ Landtag einen Antrag zur Spengelfreigabe für Musikmittelschulen erneut abgelehnt. Zwar stimmten Grüne, FPÖ und FRANK für die Freigabe, die beiden stärkeren Parteien ÖVP und SPÖ aber dagegen. Für Arnhold völlig unverständlich, die bisher noch kein plausibles Argument für diese ablehnende Haltung gehört hat. Und auch auf einen Termin bei der zuständigen Landesrätin Barbara Schwarz wartet sie seit zehn Wochen vergeblich. „Jeder Politiker will eine Musikkapelle haben, wenn er ein Verkehrszeichen enthüllt, aber um die Ausbildung der Nachwuchsmusiker will sich niemand kümmern“, meint Arnhold kopfschüttelnd.In Zukunft werden also Traiskirchner Kinder, die die Musikmittelschule in Gumpoldskirchen besuchen möchten, weiter warten müssen. Denn die Gemeinde weigert sich, die Kosten zu übernehmen, und die Eltern selbst dürfen den Schul-erhaltungsbeitrag nicht bezahlen. Denn: Öffentliche Pflichtschulen dürfen den Eltern in Österreich nichts kosten – ein paradoxer Streit, der auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird.

N. Kranzl

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