Eine Aussendung und ihre Folgen: Tiefe Gräben in der SPÖ

Gerhard Tschakert hat die Plakate aus seiner eigenen Tasche bezahlt. © Kranzl

LEOBERSDORF. – „Das Parteiprogramm bestimmt die Parteibasis!“ Dieser Satz fällt Gerhard Tschakert zur derzeitigen Diskussion in der Leobersdorfer SPÖ ein. Er reagiert damit auf die Vorwürfe seines Parteikollegen Kurt Ludikovsky, der gemeint hatte, Tschakert würde seine Privatmeinung als die der Fraktion verkaufen.

Ihr Parteikollege Kurt Ludikovsky wirft Ihnen vor, Ihre Privatmeinung zum Thema Krematorium als offizielle Haltung der SPÖ verkauft zu haben.
Ich habe in einer Aussendung sämtliche offenen Fragen in der Causa Krematorium dargelegt und die Bürger dazu aufgerufen, bei der Volksbefragung am 23. Juni gegen das Krematorium zu stimmen. Dieses Schreiben ist mit SPÖ Leobersdorf unterzeichnet. Fakt ist: Das ist die Meinung der Parteibasis, nicht nur meine eigene.

Sie haben aber auch nie einen Hehl daraus gemacht, das Krematorium mit allen Mitteln verhindern zu wollen.
Das Stimmt. Jeder weiß, dass ich auch als Privatperson zu den Krematoriumsgegnern gehöre. Aber ich stehe in dieser Sache nicht als Einzelperson gegen den Krematoriumbau, sondern hinter der Meinung der Parteibasis. Denn auch die will in der überwiegenden Mehrheit kein Krematorium. Allein in Wittmannsdorf gibt es auch aus den Reihen der SPÖ fast ausschließlich Stimmen gegen das Krematorium.

Nur in Wittmannsdorf?
Nicht nur dort. Aber natürlich hat Wittmannsdorf in dieser Sache eine ganz besonderes Gewicht, immerhin ist das der Ortsteil, der an das geplante Krematorium angrenzt. Dort leben rund zwei Drittel der SP-Parteimitglieder, das sind allein in Wittmannsdorf rund 150 Personen.

Laut Ludikovsky wurde die Aussendung weder vom Parteivorstand noch von der Fraktion beschlossen.
Ludikovsky ist Fraktionsvorsitzender, er vertritt damit vier Personen, die auch im Gemeinderat vertreten sind. Ich vertrete als Parteiobmann die gesamte Parteibasis. Und die Linie der Leobersdorfer SPÖ ist klar: Die Leute wollen kein Krematorium. Was da von einigen wenigen im Gemeindevorstand besprochen wird, ist nicht repräsentativ für die Mehrheit der SPÖ. Ich nehme meine Verantwortung als Parteiobmann sehr ernst. Und ich kann mich nicht gegen die Partei und die Meinung an der Basis stellen.

Gab es innerpateiliche Gespräche über diese geteilte Auffassung?
Wir haben das Thema bei einer Sitzung in der Vorwoche besprochen. Dabei habe ich die Parteilinie der SPÖ klar und deutlich dargelegt.

Die Sache erinnert an das Zerwürfnis innerhalb der ÖVP.
Es ist sogar genau dasselbe: Gerhard Zlabinger saß vor seinem Rücktritt im Gemeindevorstand und hat das Krematorium befürwortet, während die restliche ÖVP fast zur Gänze gegen das Projekt war. Bei der SPÖ haben wir jetzt dasselbe Bild. Das ist natürlich nicht tragbar.

Und wie geht es jetzt weiter?
Wir werden jetzt einmal die Volksbefragung abwarten und danach analysieren. Aber es muss natürlich weitere innerparteiliche Gespräche geben. Und auch eine Aufarbeitung innerhalb der Fraktion.

Eine Aussendung und ihre Folgen: Tiefe Gräben in der SPÖ
0 votes, 0.00 avg (0% score)

Auf Mobile-Version umschalten