In Traiskirchen fallen Bäume für mehr Wohnraum

Fassungslosigkeit über die Schlägerungen bei ÖVP-Mandataren und Anrainern. © Kranzl

TRAISKIRCHEN. – Traiskirchen wächst – und es wächst beständig. Erst vor wenigen Wochen wurde stolz verkündet, dass die Stadt den 19.000sten Einwohner feiert. Aber nicht alle sind mit der Art und Weise zufrieden, wie die Siedlungspolitik in Traiskirchen gehandhabt wird. Jetzt schlägt der Gemeindeführung erstmals eine Welle der Empörung gegen die zahlreichen Wohnbauvorhaben entgegen.

„Wachstum ist gut und schön. Aber nicht um jeden Preis, schon gar nicht um den der Lebensqualität“, meint GR Marcel Sima (ÖVP) kopfschüttelnd. Die Traiskirchner Volkspartei läuft erstmals Sturm gegen die Siedlungspolitik der SPÖ. „Offenbar geht es dem Bürgermeister darum, die Einwohnerzahlen immer weiter in die Höhe zu treiben – vielleicht mit dem Ziel, die 20.000er-Marke zu knacken und so den Status einer Statutarstadt zu erlangen. Die Bedürfnisse der Bürger bleiben da aber oft auf der Strecke. Es wird gebaut auf „Teufel komm raus“ – ohne die Auswirkungen zu bedenken.“
Stein des Anstoßes ist ein Grundstück zwischen der Traiskirchner Walther von der Vogelweide-Straße und dem Mühlbach. Der Baugrund wurde an einen privaten Wohnbauträger verkauft, vorige Woche rollten bereits schwere Maschinen an. Was Anrainern und den ÖVP-Mandataren besonders sauer aufstößt: Sämtliche Bäume, darunter auch Altbaumbestand und ein kleines Auwäldchen, wurden gefällt. „In diesem Wald gab es Wildenten, Hasen, Fasane und Eichhörnchen, aber die sind natürlich jetzt verschwunden“, machen Karen Müller und Hans Steiner, die direkt gegenüber leben, ihrem Ärger Luft. „Man kann Siedlungspolitik auch anders betreiben“, ist sich VP-Stadtrat Roland Rollett sicher. „Aber alles mit Wohnhausanlagen und Reihenhäusern zuzupflastern ist keine Lösung. Die Gemeinde hätte sich auch einen Streifen beim Mühlbach behalten können, um dort die Bäume zu erhalten. Das hätte dem geplanten Wohnbau nicht geschadet, wäre für die Lebensqualität der Anrainer aber ein wichtiger Schritt gewesen. Man kann auch Wohnraum schaffen und Parks bzw. kleine grüne Oasen erhalten.“
Trotz enormer Bautätigkeit fehle es in Traiskirchen an passenden Begleitmaßnahmen, so der Vorwurf der ÖVP. „Es gibt weder ein Verkehrskonzept noch ein Naturschutzkonzept. So hat man die B17, die die Stadt sowieso schon in zwei Hälten teilt, rückgebaut. Gleichzeitig holt man neue Betriebe in die ehemalige Semperit, was ja grundsätzlich begrüßenswert ist. Nur wird dadurch auch der Verkehr weiter zunehmen – und das ohne geeignetes Konzept“, zählt Sima einige der Bedenken auf. Ein weiterer Vorwurf: Die Opposition würde in grundlegende Entscheidungen der Bau- und Siedlungspolitik überhaupt nicht einbezogen. „Seit fast einem Jahr gibt es keine Bauausschusssitzung mehr – kein Wunder, wenn der Vorsitzende nicht nur Vizebürgermeister und Obmann des Wasserleitungsverbandes, sondern auch noch dritter Landtagspräsident ist. Da bleibt für die Arbeit in der Gemeinde nicht mehr viel Zeit“, fasst Rollett zusammen. „Auch, wenn in diesem Fall schon jeder Aufschrei zu spät kommt: Vielleicht hilft es zumindest für die nächsten großen geplanten Projekte. Wir werden uns auf jeden Fall dafür einsetzen, dass die Siedlungspolitik in Traiskirchen mehr auf die Bedürfnisse der Menschen eingeht; und zwar sowohl auf die all jener, die schon hier leben, als auch auf die, die sich in Traiskirchen ansiedeln wollen.“
Bgm. Fritz Knotzer kann die Vorwürfe der ÖVP im vorliegenden Fall nicht nachvollziehen. „Der Bauträger hat den Großteil des Grundstücks von einer Privatperson gekauft, nur ein kleiner Teil davon hat vorher der Gemeinde gehört. Es war ein schmales, gebogenes Grundstück, das kaum zu gebrauchen gewesen wäre“, fasst der Stadtchef zusammen. „Die ÖVP hat dem Verkauf im Gemeinderat geschlossen zugestimmt, und das, obwohl er vorher auch im Stadtrat besprochen wurde, wo ja auch ein Vertreter der ÖVP vertreten ist.“ Das Argument der aggressiven Siedlungspolitik lässt Knotzer ebenfalls nicht gelten. „Es ist absurd, zu behaupten, dass es unser Ziel ist, Einwohner zu sammeln. Und wir achten in Traiskirchen sehr auf den Schutz wichtiger Grünflächen, haben sogar viele Gründe als Naturdenkmal ausgewiesen oder unter Landschaftsschutz gestellt.“ Der ÖVP empfiehlt Knotzer, an einem Kurs des Gemeindevertreterverbandes teilzunehmen. „Die Forderung nach mehr Ausschusssitzungen ist seltsam. Denn die Raumordnung wird im Gemeinderat beschlossen. Ein Baugenehmigungsverfahren ist dagegen ein reiner Verwaltungsakt, der nicht in den Gemeinderat kommt“, reagiert Knotzer verständnislos auf die VP-Forderungen.

N. Kranzl

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