Martinek Kaserne steht ab 2014 endgültig leer

Seit der Vorwoche ist die Katze aus dem Sack. Die Mitarbeiter der Martinek Kaserne wurden im Rahmen einer Betriebsversammlung von der Räumung bis Jahresende in Kenntnis gesetzt. Kündigungen wird es keine geben. Nun rauchen die Köpfe über Nachnutzungsmöglichkeiten des Areals.

Gleich nach Ende des 2. Weltkrieges hätte die Martinek Kaserne, die zwischen 1938 und 41 errichtet wurde, gesprengt werden sollen. Nur dem Einsatz eines Freiheitskämpfers, der die Zündschnüre kappte, ist es zu verdanken, dass dieses Unterfangen fehl schlug.
Ab 1945 wurde der Komplex zehn Jahre lang als Stützpunkt durch russische Besatzer genutzt. Nach deren Abzug gab es Überlegungen, die Kaserne in eine Schulstadt oder ein Krankenhaus umzuwandeln. Man entschied sich jedoch zugunsten der angestammten Widmung. Seit Verwendung durch das Österreichische Bundesheer bildet die Kaserne eine eigene Garnison.
Erstmals gab es 2007 Gerüchte, wonach die Kaserne geschlossen werden sollte. Ein Jahr später folgte dann die offizielle Bestätigung. Unzählige Interventionen beim Ministerium folgten. Sämtliche politische Fraktionen und Mandatare, die im Badener Gemeinderat vertreten sind, machten sich für einen Erhalt stark. Immerhin waren zu den stärksten Zeiten neben den Grundwehrdienern 400 Mitarbeiter hier beschäftigt. Mit dem Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums keimte erneut Hoffnung auf. Ein Schreiben des Bürgermeisters blieb jedoch unbeantwortet. Seit der Vorwoche steht fest, dass man das Areal noch heuer räumen wird. Wie geplant werden die verbliebenen Einheiten nach Zwölfaxing verlegt. Das wird nun auch von seiten des Ministeriums offiziell bestätigt.
„Dass dieser Standort geschlossen und verkauft wird, wurde bereits 2008 im Ministerrat beschlossen. Auch in der Heeresreform 2010 ist das festgehalten. Jetzt läuft die Räumung planmäßig. Das ist die gleiche Vorgangsweise wie in ganz Österreich. Mit Jahresende wird der letzte Soldat Baden verlassen. Etwas anderes stand nie zur Diskussion, auch der Ministerwechsel ändert daran nichts“, heißt es aus dem Büro von BM Gerald Klug.
Nicht überrascht, aber doch wenig erfreut, zeigt man sich bei den jahrelangen Unterstützern der Kaserne. Besonders enttäuscht zeigt sich Heidi Steinmeyer.
„Es ist ein Skandal, wie hier mit Menschen und Steuergeldern umgegangen wird“, sagt StR. Steinmeyer, die zugleich auch Vorsitzende des Dienststellenausschusses der Martinekkaserne ist. „Anstatt diese Kaserne zu erhalten, wird anderswo um teures Geld gebaut bzw. umgebaut, um Menschen und Gerätschaft dort unterzubringen“, ärgert sich Steinmeyer.
Hart ins Gericht mit seinem Gesinnungsgenossen, dem neuen Verteidigungsminister, geht auch SP-Vorsitzender Markus Riedmayer. So wie Klug hier vorgegangen ist, so geht man mit der eigenen Basis nicht um. Auf meine wiederholte schriftliche Bitte hin, doch einmal persönlich mit uns zu sprechen und unsere Argumente für den Erhalt der Kaserne anzuhören, bekam ich nicht einmal ein „Rutsch mir den Buckel runter-Email“ zurück. Eine derartige Abgehobenheit hätte ich mir von den Spitzen der SPÖ nicht erwartet.
Die Vorgehensweise, nicht offiziell informiert worden zu sein, wird auch von Vzbgm. Helga Krismer kritisiert. „Ein offizielles Schreiben ins Rathaus wäre wohl das Mindeste gewesen. Aber offensichtlich haben das militärische Kommando und der neue Minister keine gute Kinderstube“, so Krismer, die fordert, die Chance zu nutzen, um bei der Nachnutzung mitzubestimmen. „Ein Gesamtkonzept muss bei der Verwertung der minderwertigen Flächen beginnen. Das Faustpfand der Flächenwidmung ermöglicht der Stadt volle Gestaltungsmacht“, ist die Vizebürgermeisterin überzeugt.
Auch Stadtrat Jowi Trenner von „wir badener“ geht es vor allem um eine vernünftige Nachnutzung. „Obwohl die Stadtgemeinde Baden über die notwendige Umwidmung entscheidet, sollte sie aus eigenem Interesse vorsorglich über Projekte nachdenken, die zu Baden passen und für unsere Stadt vorteilhaft sind“, so Trenner, der die Schaffung eines Sonderauschusses, dem auch Beamte und Fachleute angehören sollten, fordert.
Für wenig klug im Sinne des Bundesheeres hält Bürgermeister Kurt Staska die Vorgehensweise. „Die Kaserne, der Standort und die Infrastruktur Badens sind ideal. Fakt ist, dass das Areal mit der derzeitigen Widmung nichts wert ist. Hinzu kommen Denkmalschutz, Einflugschneise für den Flugplatz und kontaminiertes Erdreich. Wir erwarten uns ein Gesamtkonzept und werden die Widmung sicher nicht vorauseilend ändern. Eine Filetierung kommt für uns jedenfalls nicht in Frage“, so Staska, der betont, dass sämtliche Entscheidungen in Abstimmung mit Sooß, wo ein Teil des Areals liegt, erfolgen werden. RaDi

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