Mädchenträume, Tagträume im Kontext der Zeit

„Hausherr“ Bezirkshauptmann Dr. Heinz Zimper, Martina Mara Braun, Dr. Ernst Schebesta,Christine Todt und Egbert Zedtwitz, Obmann von „kunstaspekt“. (c) WM

Eine ironische Reflexion und Aufarbeitung ihrer gemeinsamen Schulzeit zeigen Martina Braun und Christine Todt in der Galerie im Turm der Bezirkshauptmannschaft Baden, Schwartzstraße 50.  Noch zu sehen bis Sonntag, 28. April.

Die gemeinsame Schulzeit im Gymnasium Frauengasse in Baden war Anregung für die Künstlerinnen Martina Braun und Christine Todt zur Gestaltung einer Ausstellung.                          Auslöser war ein Klassenfot aus dem jahr 1971, das Zufall oder nicht – ausgerechnet im Zeichensaal aufgenommen wurde. Dieses Klassenfoto führte zu regen Diskussionen, die zu dem Schluss kamen, dass der damalige Unterricht doch sehr geschlechtsspezifisch  war und der damaligen Bezeichnung des Gymnasiums als „Frauenoberschule“ nur gerecht wurde. Dass die zu dieser Zeit erwachende Weiblichkeit auch nicht gerade Thema war, erschloss sich aus dem damaligen Umgang mit der Sexualität, die naturgemäß gelebt, aber „geheim“ sein sollte. Was sich damals unter den Pullovern der jungen Mädchen schön langsam abzuzeichnen begann, war Intimsphäre, die schamhaft verborgen wurde und höchstens in der Garderobe des Turnsaals sichtbar wurde. Selbst- und kunstvoll gefertigte Büstenformer sind daher auch Teile der großräumigen Installation im oberen Raum der Galerie und feiern so ihre fröhliche Wiederkehr.Christine Todt thematisierte dann folgerichtig die damals als wichtig erachteten handwerklichen Techniken wie Nähen und Sticken und verarbeitetet diese in ihren Bildern. Sie sind nicht gemalte Arbeiten, sondern gestickte Zeichnungen.
Die in Wien lebende Künstlerin Martina Mara Braun ging zwar ähnlich vor, wie ihre kunstvollen kleinen gestickten Porträts aus dem Schülerfoto zeigen, greift aber auch die Vergänglichkeit des Augenblicks, wie sie dies in ihren Bildern „Motten umschwirren das Licht“ ausdrückt , auf.  Sie kehrt aber auch die Sicht auf die eigene Weiblichkeit um und scheut nicht vor „Picassos Dreiteiler“ zurück. Prädikat Sehenswert!

    Wanda Mühlgassner

Mädchenträume, Tagträume im Kontext der Zeit
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