„Moderne Forstwirtschaft sieht anders aus!”

Forstexperte Herbert Kohlross findet deutliche Worte für die Schlägerungen am Harzberg. © Kranzl

BAD VÖSLAU. – Herbert Kohlross, jener Forstexperte, den die Grünen mit der Erstellung einer Einschätzung über die Schlägerungen am Harzberg beauftragt hatten, erörterte im Zuge einer Führung die Vorteile der so genannten „einzelstammweisen Waldwirtschaft“ – dem Gegenteil der in Bad Vöslau scharf in Kritik geratenen großflächigen Schlägerungen.

„Das ist keine moderne Art der Forstwirtschaft!“ Dieser Satz fällt Forstwissenschafter Herbert Kohlross spontan ein, wenn es um die strittige Frage der Abholzungen am Harzberg geht. Der Forstexperte ist ein strikter Gegner von Kahlschlägen, wo immer es geht und setzt stattdessen auf die so genannte „einzelstammweise Bewirtschaftung“: Wertholz, also speziell definierte Bäume, bleiben stehen, dazwischen wird abgeholzt. So entstehen keine Schneisen, sondern nur aufgehellte Waldstücke.
Angeblich eine Vorgehensweise, die auch am Harzberg seit Jahren gemacht wird. So zumindest lautete die Reaktion von Bgm. Christoph Prinz, als die Grünen eine Einschätzung der Vöslauer Situation von Kohlross vorlegten. Sie hatten Kohlross im Zuge der anhaltenden Diskussion mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. Sein Resümee: Durch eine modernere, naturnahe Art der Bewirtschaftung wäre es möglich, trotz notwendiger Abholzungen ein attraktiveres Erscheinungsbild des Waldes zu bewahren – und das bei sogar größerem finanziellem Gewinn. Kritisch beurteilte der Bürgermeister diese Einschätzung: Rudolf Konrad, der forstwirtschaftliche Berater der Stadt, sei seit Jahrzehnten mit dem Vöslauer Wald vertraut, ein kurzer Besuch eines externen Beobachters könne zu keiner seriösen Einschätzung führen.
Letzte Woche veranstaltete Kohlross eine Führung durch einen von ihm bewirtschafteten Wald zwischen Enzesfeld und Hernstein, bei der er die Details und vor allem die Vorzüge der naturnahmen Waldwirtschaft erörterte. „Ein Wald muss durchforstet werden, damit die Bäume gut und gesund wachsen können“, stellte er gleich zu Beginn klar. „Wichtig ist, dass man die natürliche Wuchsleis-tung des Waldes nützt. Bäume wachsen von ganz allein nach, es geht nur darum, zu entscheiden, welche man weiter wachsen lassen will. Und darauf kann man mit der einzelstammweisen Bewirtschaftung gezielt Einfluss nehmen. Flächen abholzen und Bäume nachsetzen – das war in den 50-er Jahren modern. Mittlerweile weiß man, dass das nicht nur sinnlose Geldverschwendung ist, sondern auch mit einem funktionierenden Ökosystem Wald nichts zu tun hat.“ In modern und naturnah bewirtschafteten Wäldern würde man kaum bemerken, dass überhaupt abgeholzt wurde, so Kohlross: „Es wirkt eben nur ein bisschen aufgeräumter, ein bisschen heller.“ Es sei natürlich jedem im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten frei gestellt, ob er sich für konventionelle oder naturnahe Waldwirtschaft entscheide, so Kohlross. „Aber die Artenvielfalt erhält man mit der naturnahen Methode wesentlich besser. Großflächigen Abholzungen fallen auch Sträucher und kleinere Bäume zum Opfer, die nicht mehr nachgesetzt werden. Aber gerade diese Vielfalt macht das Ökosystem Wald zu dem, was es ist. Durch Abholzen und Nachsetzen erhält man Plantagenwälder, die mit einem funktionierenden Ökosystem nichts mehr zu tun haben.“ Was Kohlross in Bad Vöslau fehlt, ist eine klare Zielsetzung: „Gerade bei einem Erholungswald spielt auch das Erscheinungsbild eine wichtige Rolle. Aber weite Teile des Harzbergs haben mit einem Erholungswald jetzt nichts mehr zu tun.“
Fest steht: Das Thema der Abholzungen am Harzberg wird Bad Vöslau noch einige Zeit beschäftigen: Am Freitag, 26. April, steht die nächste Führung an. Diesmal lädt die Stadtgemeinde zu einer Begehung des Harzbergs. Treffpunkt ist um 16 Uhr am Parkplatz am Ende der Langegasse.

N. Kranzl

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