Todesstoß für Eislaufplatz

Die Gemeinde möchte die Eislaufschuhe endgültig an den Nagel hängen. Dass diese Anlage im Stile ehemaliger Ostblockbauten, die Jugend nicht mehr anspricht scheint allerdings wenig verwunderlich. (c) RaDi

Noch vor zwei Jahren wurden Pläne präsentiert, wonach man Geld für eine moderne Kunsteisanlage ansparen wollte. Nun ist alles anders, der Eislaufplatz wird gänzlich gestrichen, die alte Anlage nicht mehr aufgesperrt. Stattdessen möchte man die Jugend mit einer Kunststoffrutschfläche begeistern.

Seit Jahren verzeichnet der Eislaufplatz einen Rückgang an zahlenden Besuchern. Einzig Schulklassen, die kostenlos fahren durften, hielten der Anlage bis zuletzt die Treue. Die Zahl der verkauften Karten schwankte zwischen einer einzigen und etwas mehr als 50 an Wochenenden. Angesichts des mehr als tristen Zustandes, vor allem der Haupthauses, scheint diese Entwicklung wenig überraschend. Ganz anders in der Nachbarstadt Traiskirchen, wo vor 11 Jahren eine moderne, überdachte Kunsteisanlage errichtet wurde. 40.000 zahlende Gäste wurden in der abgelaufenen Saison gezählt. Das entspricht einem Durchschnitt von über 300 pro Öffnungstag. Dass man selbst bei diesem Andrang kein Geld verdienen kann, ist den Verantwortlichen bewusst. „Rund die Hälfte der laufenden Kosten sind durch die Eintrittskarten gedeckt. Das entspricht auch der Rechnung für das Freibad“, bestätigt der zuständige Traiskirchner Gemeinderat Christian Bauer.
Alleine mit einem jährlichen Abgang von zuletzt 150.000 Euro ist es in Baden aber nicht getan. Große Investitionen wären notwendig. „Die Kunsteisbahn Baden ist einfach in die Jahre gekommen, Probleme mit der nicht mehr funktionstüchtigen Eisbearbeitungsmaschine sind bereits während der Saison empfindlich aufgefallen“, so die zuständige Stadträtin Brigitte Gumilar. Neben 110.000 Euro für eine neue Bearbeitungsmaschine müssten 170.000 Euro in die Sanierung des Rohrnetzes und nochmals rund 2 Mio Euro in das Gebäude investiert werden.
Im zuständigen Ausschuss waren sich die Vertreter aller anwesenden Fraktionen darüber einig, dass die Zahl der aktiven Eisläuferinnen und Eisläufer  das notwendige Investitionsvolumen keinesfalls rechtfertigt und die bestehende Anlage daher zu schließen ist.
„Selbstverständlich wollen wir auch in Zukunft dafür sorgen, dass allen Eislaufbegeisterten eine Eisfläche – möglichst im innerstädtischen Bereich – zur Verfügung steht“, erläutert Gumilar. Konkret denkt man dabei an eine Fläche aus Kunststoff, die mit Eislaufschuhen befahren werden kann.
Völlig überrascht von der Entscheidung der Gemeinde zeigt man sich bei den Eishockeyspielern, die man gar nicht verständigt hat.„Ich bin völlig entsetzt, dass man den Platz schließen will“, bestätigt der Obmann der „Thermenhaie“, Gerhard Koller.
14 Teams, davon zwei Kampfmannschaften, stellt der Verein zur Zeit. Alleine 55 Nachwuchsspieler ab vier Jahren haben bislang regelmäßig in Baden trainiert. „13 Jahre Aufbauarbeit werden mit einem Schlag in Frage gestellt. Gerade im Eishockeysport liegt großes Potential. Das zeigt ja auch das Interesse der vielen Hobbymannschaften, die gerne in Baden gespielt haben. Mit diesen könnte man auch viel mehr Einnahmen lukrieren“, meint Obmann Koller, der, wenn die Voraussetzungen stimmen, die Anlage mit dem Verein gerne weiterführen würde. „Eine Kommune, die sich ein Strandbad und schöne Künste leistet, kann sich auch eine Eisanlage leisten.“
Anders sieht das Bgm. Kurt Staska, der bereits einen neuen Verwendungszweck vorschlägt. So könnte die Fläche während der Umbauarbeiten der Park & Ride-Anlage beim Bahnhof als Parkplatz dienen. RaDi

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