Gleich zwei Krematorien im Bezirk Baden?

Die Krematorium Bad Vöslau GmbH hat das Grundstück zwischen Wiener Straße und Flugfeldstraße von der Gemeinde gekauft - derzeit unter Vorbehalt auf ein Jahr. © Kranzl

BAD VÖSLAU. – Seit Wochen werden in Leobersdorf teils heftige Diskussionen um die Pläne für ein Krematorium geführt. Doch damit nicht genug: Seit vergangener Woche ist bekannt, dass es auch in Bad Vöslau Bestrebungen gibt, eine Feuerhalle zu eröffnen. Eine Betreibergesellschaft wurde schon gegründet, und auch ein Grundstück für das Vorhaben gibt es schon. Ob und wo nun tatsächlich ein Krematorium gebaut werden wird, ist aber noch völlig unklar.

„Wenn es nicht hier gebaut wird, dann steht es eben woanders“, meinte der Leobersdorfer Bürgermeister Andreas Ramharter noch vor zwei Wochen zum Thema Krematorium. Wie sich jetzt herausstellt, hat er mit seiner phlegmatischen Aussage unwissentlich genau ins Schwarze getroffen: Seit letzter Woche ist bekannt, dass es auch in Bad Vöslau Bestrebungen zur Errichtung einer Feuerhalle gibt. Doch während in Leobersdorf zwei auswärtige Privatunternehmer hinter dem viel diskutierten Projekt stehen, haben sich im Vöslauer Fall die Bestatter selbst zusammengeschlossen. Geschäftsführer der neu gegründeten Krematorium Bad Vöslau GmbH ist Gerfried Redlich, stellvertretender Landesinnungsmeister der Bestatter. Redlich betreibt selbst drei Bestattungsunternehmen in Gänserndorf, Matzen und Obersiebenbrunn. An der Betreibergesellschaft ist auch der Bad Vöslauer Bestatter Ronald Lagrange beteiligt, der schon länger an der Idee eines Krematoriums im Bezirk Baden gefeilt hat. „Die Pläne gibt es schon seit mehreren Jahren, es hat auch schon etliche Gespräche mit dem Bürgermeister gegeben. Was gefehlt hat, waren die entsprechenden Partner“, erklärt Lagrange. Sein Weinviertler Kollege Gerfried Redlich hat ebenfalls schon seit längerem mit dem Gedanken an ein Krematorium gespielt. Jetzt haben sich die beiden Bestatter zusammengeschlossen und nach einem passenden Grundstück für ihr Vorhaben gesucht. Und sie sind fündig geworden: In der Gemeinderatssitzung der Vorwoche wurde der Verkauf eines in der Nähe der Autobahn gelegenen Grundstücks an die Krematorium Bad Vöslau GmbH beschlossen – und das sang- und klanglos. Im Gegensatz zu Leobersdorf, wo sich die Gemeinde über die eigene Immobiliengesellschaft zu 26% am Krematorium beteiligt, hält sich die Stadtgemeinde Bad Vöslau aber völlig aus der Betreibergesellschaft heraus. „Ich kann auch die Argumente des Leobersdorfer Bürgermeisters für eine Gemeindebeteiligung nicht nachvollziehen“, meint Ronald Lagrange. Fest steht aber: Laut NÖ Bestattungsgesetz dürfen Krematorien nur mit kommunaler oder kirchlicher Beteiligung betrieben werden. Wer außer den beiden Bestattern sonst noch an der neu gegründeten Vöslauer Betreibergesellschaft beteiligt ist, wurde bisher aber noch nicht bekanntgegeben.
In Leobersdorf hatte nicht nur das Vorhaben an sich, sondern vor allem auch die Vorgehensweise für teils heftige Kritik bis hin zu einer groß angelegten Unterschriftenaktion geführt. Denn das Projekt wurde nur im Ausschuss und später im Gemeindevorstand besprochen. Dort fiel der Beschluss, dass sich die ausgelagerte Leobersdorfer Kommunal Immobilien GmbH am Projekt beteiligen soll, nicht die Gemeinde selbst. So wurde die 26%-ige Beteiligung Leobersdorfs am Krematorium ausschließlich in nicht-öffentlichen Gremien besprochen – ein Punkt, der einigen Oppositionspolitikern besonders sauer aufstößt.
Gerfried Redlich und Ronald Lagrange wollen bewusst einen anderen Weg gehen. „Wir wollen nichts übers Knie brechen. Es hat überhaupt keinen Sinn, etwas so Sensibles wie ein Kreamtorium trotz Widerstand zu bauen“, meint der Vöslauer Bestatter. „Es gibt eine Idee, jetzt wollen wir erst einmal klären, ob wir überhaupt bauen dürfen. Seitens der Gemeinde sind uns bisher keine Steine in den Weg gelegt worden. Das zeigt sich auch am unproblematischen Gemeinderatsbeschluss, uns das Grundstück zu verkaufen.“ Sein Geschäftspartner beurteilt die Sache ähnlich. „Wir brauchen nicht hinter verschlossenen Türen reden“, so Redlich. „Wir werden den Dialog nicht scheuen, weder mit der Gemeinde, noch mit den Bürgern, und natürlich auch nicht mit den Bestattern.“
Doch ist es wirklich realistisch, dass zwei Krematorien nebenein-ander gebaut werden dürfen? Fest steht: Für die sanitätsbehördliche Errichtungs- und Betriebsbewilligung eines Krematoriums ist das Land NÖ zuständig, die baurechtliche Bewilligung muss dann die Gemeinde erteilen. Beim Land wurde aber bisher noch kein einziges Ansuchen gestellt, weder aus Leobersdorf noch aus Bad Vöslau. Rein rechtlich gesehen wäre es aber kein Problem, zwei Krematorien nebeinander zu bewilligen – sofern alle Auflagen erfüllt sind, versteht sich. „Wir haben nicht darüber zu entscheiden, ob es tatsächlich auch Bedarf für zwei Betriebe gibt“, erklärt die Juristin Karin Brunner, zuständig für das Bestattungswesen beim Amt der NÖ Landesregierung. „Wenn man so will, wäre das dann ein reines unternehmerisches Risiko.“
Landesinnungsmeister Herbert Cepko ist sich sicher, dass es neben St. Pölten Bedarf für ein zweites niederösterreichisches Krematorium gibt. Genauso sicher ist er sich aber, dass es keinen Bedarf für drei Feuerhallen gibt. Die neue Konkurrenzsituation beurteilt er momentan noch abwartend: „Als Bestatter werde ich dorthin fahren, wo die Voraussetzungen am besten sind“, so Cepko. „Jetzt muss sowieso einmal der Gesetzgeber entscheiden. Erst dann macht es Sinn, Prognosen und Analysen abzugeben.“

N. Kranzl

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