Februar 7, 2013

Keine Gainfarn-Umfahrung in absehbarer Zukunft

BAD VÖSLAU. – Maximal 3.600 Fahrzeuge pro Tag könnten auf eine eventuelle Gainfarn-Umfahrung verlagert werden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Verkehrsuntersuchung, die vom Zivilingenieurbüro Retter durchgeführt und vom Land NÖ finanziert und koordiniert wurde. Damit scheint die Realisierung der von etlichen Bürgern und Initiativen geforderten Umfahrung ferner denn je.

Nun liegen sie vor, die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung, die nach der Eröffnung der AST Bad Vöslau durchgeführt wurde. „Für die neue Analyse zur Gainfarn-Umfahrung wurden umfassenede Verkehrsdaten verwendet, unter anderem die Zahlen vor und nach der Eröffnung des Autobahnanschlusses sowie jene vor, aber auch die nach der Einführung der 30 km/h-Zone im Zentrum“, erklärt Bgm. Christoph Prinz. „Außerdem wurden 2012 noch zusätzliche Zählungen in einzelnen Straßenzügen durchgeführt. Aus der Untersuchung geht eindeutig hervor, dass eine Gainfarn-Umfahrung nur eine geringe Wirksamkeit hätte. Eine Realisierbarkeit ist damit in absehbarer Zeit nicht gegeben.“
Die Ergebnisse im Detail: Laut der Untersuchung beträgt die Verkehrsbelastung auf der B212 unmittelbar westlich von Gainfarn ca. 6.500 KFZ in 24 Stunden, davon sind etwa 3.250 auf Durchzugsverkehr zurückzuführen. Von jenen 3.250 KFZ könnten laut der aktuellen Analyse nur maximal 1.625 von einer Umfahrung allein abgezogen werden. „Wenn es zusätzlich zur Umfahrung noch einen Anschluss im Bereich der Lindengasse gäbe, könnte man durch innerörtliche Verkehrsverlagerungen weitere rund 2.000 KFZ pro Tag auf die Gainfarn-Umfahrung bringen“, erklärt Prinz. „Dadurch würden aber bisher kaum belastete Siedlungsgebiete über Gebühr belastet.“ Insgesamt könnten so etwa 3.600 Fahrzeuge über eine Umfahrung abgezogen werden – wenn sie samt Begleitmaßnahmen realisiert wird. „Aber: Eine spürbare Entlastungswirkung in den Bereichen Wiener Neustädterstraße, Hauptplatz und Hochstraße würde all das laut aktueller Untersuchung dennoch nicht bringen“, gibt der Bürgermeister zu bedenken. „Eine Realisierung der Gainfarn-Umfahrung ist damit in absehbarer Zeit nicht gegeben.“
Weniger begeistert zeigen sich Vertreter der Bürgerinitiativen über diese Äußerungen: „Vor der Errichtung des Autobahnanschlusses Bad Vöslau wurde uns ein verkehrsberuhigtes Wohngebiet versprochen, und kein Leben an einem De-facto-Autobahnzubringer wie heute“, meint Franz Witasek, Sprecher der Bad Vöslauer Bürgerinitiativen „Wr. Neustädterstraße“, „Lebensraum Gainfarn“ und „Tattendorferstraße/Friesstraße“. Das Argument der zu geringen Wirksamkeit einer Gainfarn-Umfahrung lässt Witasek nicht gelten. „Würde man zusätzlich zur Umfahrung weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen ergreifen und zum Beispiel die Wr. Neustädterstraße, die Hochstraße, die Hauptstraße und die Großauerstraße in Gemeindestraßen umwidmen, dann könnte man mindestens 5.000 KFZ pro Tag auf die Entlastungsstraße bringen“, so Witasek. „Das ist immerhin ein Drittel des gesamten Verkehrsaufkommens in diesem Abschnitt. Normalerweise wäre man in jeder Gemeinde glücklich, wenn man 5.000 KFZ weniger im Stadtgebiet hat, aber offensichtlich nicht in Bad Vöslau.“ Außerdem, so der Sprecher der Bürgerinitiativen, müsse man in dieser Entscheidung nicht nur die aktuellen Verkehrszahlen, sondern auch die zu erwartende Bevölkerungs- bzw. Verkehrsentwicklung im Auge behalten. „Bis zum Jahr 2020 wird sich das Verkehrsaufkommen um 15 bis 20 Prozent erhöhen“, so Witasek. „Gleichzeitig wird es durch zunehmende Verbauung immer schwieriger, Verkehrslösungen zu finden. Wir sind auf jeden Fall davon überzeugt, dass eine Hochleistungsstraße wie die B212 mitten im Gemeindegebiet eines Kurorts nichts verloren hat. Und es gibt positive Beispiele aus anderen Gemeinden in der Nähe: In Leobersdorf wurde eine Umfahrung gebaut, und die anschließenden verkehrsberuhigenden Maßnahmen im Zentrum haben dazu geführt, dass sich ein großer Teil des Verkehrs aus dem Zentrum auf die Umfahrung verlagert hat.“

N. Kranzl

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