Spektakulärer Auftritt des „Allicance Quartetts“

Otto Brusatti (Mitte) umringt von den Mitgliedern des Alliance Quartetts.  Foto: H.Fragner

Wer fürchtet sich vor Streichquartetten?  Der oder die eine oder andere MusikliebhaberIn hatte vielleicht schon mal ein ermüdendes Erlebnis damit gehabt. Doch Otto Brusatti hatte am 22.11.2012 einen besonderen Leckerbissen bereitet. Das Programm und die Musiker – das „Alliance Quartett“ -  brachten alles, um zum Streichquartett- Liebhaber zu werden.

Das marmorverkleidete Ambiente des ehemaligen Frauenbades und heutigen Arnulf Rainer-Museums und die unter dem Motto „New, Unfigured and Interesting“ ausgestellten Bilder von Arnulf Rainer geben den Räumlichkeiten eine besondere Note.
Und die wusste Otto Brusatti zu nutzen. Man machte sich vielleicht Gedanken um die Akustik, als Brusattis Einführungsworte, bekannt temperamentvoll durch die Hallen donnerten. Doch der unauffällige Nebeneffekt verstärkte das Hörerlebnis auf angenehme Weise. Ein handverlesenes Publikum von etwa 25 Hörern wurde von Brusatti auf den Ablauf vorbereitet. Kurzes Quartett von Philip Glass (US-Amerikaner, Streichquartett Nr. 5), zur Einstimmung: dynamisch, mit motivischen Wiederholungen.
Danach räumten Musiker und Publikum die Plätze und zogen in den Kabanenraum West um. Quartett Nr. 4 von Johanna Doderer, der Großnichte von Heimito v. Doderer. Expressionistisch am Beginn, die 2. Hälfte klassischer. Durch die räumlichen Gegebenheiten konnte man das Klangerlebnis von unterschiedlichen Standorten wahrnehmen. Ein, zwei Räume weiter, oder von der Galerie, klang alles fast noch eindrucksvoller. „Sie werden jetzt was Schreckliches erleben“ kündigt Brusatti Dmitrij Schostakowitsch – den Höhepunkt des Abends – vor dem „Stundenbad“ an. Es sei „ideologisch verwerflich“ schreibt Schostakowitsch über sein Streichquartett Nr. 8 in c-moll 1960 unter dem Druck der Sowjet-Machthaber. Welche Eindrücke haben den Meis-ter beeinflusst, nachdem er das zerbombte Dresden sah? Das autobiografische Werk beginnt schwermütig, geradezu deprimierend, worauf ein musikalisches Bombardement einsetzt. Die Akus-tik des gesamten Gebäudes macht es noch dramatischer. Spielerisch-heiteres Intermezzo, dann geht es schwer und getragen, an Beethoven erinnernd, weiter. Schließlich ein „Largo“, das von massiven „Paukenschlägen“ (ja, man kann das auch mit Streichern ausdrücken!) markiert ist.
Wieder zurück im Hauptsaal findet das Konzert mit mitreißenden Tönen (Assoziation: antikes Wagenrennen) seinen Abschluss.
Das Ensemble ist wahrhaft international: Erster Geiger Marco Radonic stammt aus Serbien, Cellistin Johanna Kotschy ist Österreicherin, Bratsche führte Natalia Binkovska aus Polen und „die zweite Geige“ Armando Toledo, aus Cuba. Ein perfekt eingestimmtes Team!
Wenn man das musikalische Interesse der Hörer zu deren Anzahl ins Verhältnis setzt, hätte der begeisterte Applaus das ehrwürdige Gebäude erschüttert.

    Heinrich Fragner

Spektakulärer Auftritt des „Allicance Quartetts“
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