„Mit dem Motto Wein, Wald und Wasser ist es vorbei!“

Die „Remise“ ist ein Naherholungsgebiet zwischen Fasangasse, Paitzriegelgasse und Südautobahn.

BAD VÖSLAU. – Auf wenig Gegenliebe stößt die Idee eines neuen „Betriebsgebiets Nord“ bei Grünen und Freiheitlichen und Unabhängigen. Die beiden Fraktionen haben nun sogar auf eigene Kosten ein Naturschutzgutachten in Auftrag gegeben, das den Befürchtungen der Oppositionsparteien Recht gibt: Eine Versiegelung würde ökologisch wertvolle Flächen massiv bedrohen.

„Es wäre eine ökologische Katastrophe für die gesamte Thermenregion, wenn Flächen in dieser Größenordnung versiegelt würden“, zeigt sich Ernst Tiefengraber von den Grünen besorgt. „Eins ist klar: Wenn dieses Betriebsgebiet kommt, dann ist es mit unserem Kurstadtmotto „Wein, Wald und Wasser“ vorbei. Stattdessen wird es dann nur mehr Wellblechhütten geben.“
Bereits seit März 2011 steht fest, dass ein neues „Betriebsgebiet Nord“ zwischen Südbahntrasse, Sooßer Gemeindegrenze, Südautobahn und Flugfeldstraße geprüft werden soll. Schon damals forderte die Opposition die Einholung eines Naturschutzgutachtens – ein Antrag, der von der Mehrheitsfraktion abgelehnt wurde. „Damals hieß es, der Raumplaner Herbert Liske solle sich nur einmal grundsätzlich anschauen, ob ein Betriebsgebiet in diesem Bereich überhaupt sinnvoll ist“, resümiert Helmut Leicher von den Freiheitlichen und Unabhängigen. „Mittlerweile sind die Pläne schon um einiges konkreter geworden: In in der nächsten Gemeinderatssitzung soll ein Grundsatzbeschluss zur Erstellung eines Masterplans für das neue Betriebsgebiet gefasst werden. Diesen Plan soll Liske gemeinsam mit einem Projektentwickler ausarbeiten.“
70 Hektar soll das neue Betriebsgebiet umfassen – und das allein in der ersten Projektierungsphase. „Das ist zumindest die Zahl, die Ferdinand Hager, der Geschäftsführer der Betriebsgebietsbetreiberfirma SET, bei einer ersten Präsentation genannt hat“, erkläutert Eva Mückstein von den Vöslauer Grünen. Eine beachtliche Größe, wenn man bedenkt, dass sich das Industriezentrum Süd, Niederösterreichs größtes Betriebsgebiet, über 280 Hektar erstreckt. Das neue Areal wäre damit bedeutend größer als das schon bestehende „Betriebsgebiet Ost“ östlich der Flugfeldstraße. „Dort stehen von insgesamt rund 10 Hektarn noch etwa fünf leer“, so die Grünpolitikerin.
Eine Verbauung oder Versiegelung einer 70 Hektar großen Fläche hätte verheerende Auswirkungen auf das Ökosystem, da sind sich Grüne und Freiheitliche und Unabhängige einig. Bestätigt werden ihre Befürchtungen durch ein Gutachten, das die beiden Fraktionen privat in Auftrag gegeben haben. Der renommierte Ökologe und Botaniker Norbert Sauberer stellte in seinem Gutachten fest: „Bad Vöslau besitzt rund um die „Remise“ ein unersetzliches Ökosystem, das Schutzmaßnahmen braucht und Naturdenkmal werden sollte.“ Auch, wenn die „Remise“ nicht im neuen Betriebsgebiet liegt würde sie laut Gutachten durch eine großflächige Versiegelung in Mitleidenschaft gezogen. „Im gesamten Gebiet ist der Grundwasserspiegel sehr hoch, eine Drainagierung, die man für ein Betriebsgebiet bräuchte, würde alles völlig durcheinanderbringen“, fasst Franz Sommer von der FPÖ zusammen. „Die „Remise“ braucht die umliegenden Biotope, um zu überleben.“ Laut Sauberers Gutachten existieren im untersuchten Gebiet 406 Pflanzenarten, wovon 53 österreichweit gefährdet und drei sogar vom Aussterben bedroht sind. 71 Vogelarten leben in den Gebieten nördlich und südlich des Zubringers, davon sind der Kiebitz, der Neuntöter, die Nachtigall und das Rebhuhn ebenfalls vom Aussterben bedroht.
Die Vertreter der beiden Fraktionen fordern, die „Remise“ und die umliegenden Biotope zu sichern und zu vernetzen. „Genau das empfiehlt auch Sauberer in seinem Gutachten“, betont Leicher. „Außerdem meint der Experte, dass es wichtig ist, eine hydrogeologische Untersuchung durchzuführen, bevor in diesem Gebiet überhaupt irgendwelche Maßnahmen ergriffen werden.“ In der Gemeinderatssitzung am 12. Dezember will die Opposition auf jeden Fall alle rechtlichen Schritte ausschöpfen, um die Projektierung des neuen Betriebsgebiets zu verhindern. „Dort, wo es noch freie Kapazitäten gibt, werden sie nicht ausgeschöpft, dafür werden neue Gebiete erschlossen“, meint Mückstein. „Und das noch dazu in einem wichtigen Naherholungsgebiet einer Kurtadt, die mitten im Feinstaubsanierungsgebiet liegt. Nicht umsonst war die Erhaltung der Grünflächen sogar eine der Voraussetzungen zur Genehmigung für den Autobahnanschluss – zumindest laut Umweltverträglichkeitsprüfung.“

N. Kranzl

„Mit dem Motto Wein, Wald und Wasser ist es vorbei!“
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