Stadtpfarrer nach schweren Vorwürfen abberufen

© Martin Berk/pixelio.de

TRAISKIRCHEN. – Wie die Erzdiözese am Donnerstag in einer Presseaussendung mitteilte wurde der Stadtpfarrer von Traiskirchen nach schweren Missbrauchsvorwürfen „dienstfrei gestellt“. Noch einen Schritt weiter ist man nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Stift Melk gegangen: Der Pfarrer, der alle Vorwürfe bestreitet, wurde aus Traiskirchen abberufen. 

„Die Eltern eines Jugendlichen haben dem Stift vor wenigen Tagen den schweren Missbrauchsvorwurf in der Pfarre Traiskirchen mitgeteilt und bei der Staatsanwaltschaft angezeigt“, so die Erzdiözese in einer öffentlichen Aussendung. „Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, und Erzdiözese und das Stift aber zunächst gebeten, mit allfälligen Maßnahmen die Erstvernehmung abzuwarten, um den Gang der Ermittlungen nicht zu gefährden. Nach Ablauf dieser Frist wurde nun der Pater bis zur Klärung des Vorwurfs gemäß den Bestimmungen der Österreichischen Bischofskonferenz und der Superiorenkonferenz der Orden ab Donnerstag dienstfrei gestellt.“ Seitens des Benediktinerstifts Melk hat man sich darüber hinaus aber zu einer weiteren, endgültigeren Maßnahme entschlossen. Wie Jeremia Eisenbauer vom Stift Melk bestätigt, wurde der bisherige Stadtpfarrer abberufen. „Das ist keine Aberkennung der Priesterweihe, kommt aber einer Kündigung an seinem bisherigen Arbeitsplatz gleich und ist damit ein deutlicherer Schritt als eine Dienstfreistellung“, erklärt Eisenbauer. „Für uns als zuständige Klostergemeinschaft war es notwendig, zu handeln. Immerhin gibt es traumatisierte Personen, unabhängig davon, welches Ergebnis die Ermittlungen bringen werden.“ Der Pfarrer selbst bestreitet die Vorwürfe entschieden. „Derzeit befindet sich der Pfarrer an einem Ort, wo er Besinnung findet und auch psychotherapeutisch betreut wird“, so Eisenbauer. Gleichgeschlechtliche Nötigung, beharrliche Verfolgung und mehrfache Körperverletzung – so lauten die Vorwürfe, die momentan überprüft werden. Konkret soll es sich um Vorfälle handeln, die sich in den letzten beiden Jahren zugetragen haben, die die beiden mutmaßlichen Opfer, zwei heute rund 20-jährige Männer, aber erst jetzt zur Anzeige gebracht haben. Derzeit laufen die Ermittlungen, Computer und Mobiltelefon des Priesters wurden zur Auswertung konfisziert. Es kann noch Wochen oder Monate dauern, bis entschieden wird, ob es überhaupt zu einem Verfahren kommen wird. Erzdiözese und Stift haben der Polizei und der Staatsanwaltschaft ihre volle Kooperation bei der Aufklärung zugesichert, weisen aber auch darauf hin, dass der Priester „nach österreichischem Recht bis zum Beweis einer Schuld als unschuldig anzusehen“ ist. „Wir bitten um Verständnis, dass zum Schutz der Privatsphäre aller Beteiligten die Erzdiözese Wien und das Stift Melk der Öffentlichkeit derzeit keine weiteren Auskünfte geben können“, heißt es weiter in der Aussendung. Die Heilige Messe am vergangenen Sonntag wurde von Georg Wilfinger, dem Abt des Stifts Melk, gefeiert. Völlig unklar ist aber noch, wer die Pfarre Traiskirchen ab sofort führen wird. Fest steht derzeit nur eines: Kurzfristig muss der zuständige Dechant, der Bad Vöslauer Stadtpfarrer Pater Stephan Holpfer die Übernahme der Pfarre organisieren, für mittel- und langfristige Lösungen der Leitung der Stadtpfarre St. Margaretha ist dann aber das Stift Melk zuständig.

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