…plié, tendue, attidude …“ – Tagesabläufe beim Ballett

Ballettchef Michael Kropf und das Ballettensemble der Bühne Baden haben bei der Vorstellung „Ein Tag im Leben eines Tänzers“ im Stadttheater einen großartigen Überblick über die harte und oftmals erschöpfende Arbeitsweise gegeben. Choreographien von Tänzern und des Ballettchefs selbst fanden ein begeistertes Publikum.

Üben von Basistechniken und Grundpositionen am Barren und Platzierungsübungen im Raum waren die Einleitung für den außergewöhnlichen Abend, den der neue Ballettchef der Bühne Baden Michael Kropf dem Publikum bescherte.  Das Ballett der Bühne Baden, sonst lediglich eingegliedert in die Operettenaufführungen des Hauses, konnte hiebei „Einen Tag im Leben eines Tänzers“ anschaulich machen.
Jeder Tag der Woche ist ausgefüllt mit Üben, Üben und wieder Üben. Dazwischen Proben zu neuen Einstudierungen für kommende Auftritte. Ein künstlerischer Beruf, der körperlich und geistig an die Grenzen der Erschöpfung geht. Einer Erschöpfung, die nur mit eiserner Disziplin und großer Willensstärke zu bewältigen ist. Denn, was so leicht, fast schwerelos erscheint, verlangt den vollen Einsatz ungeachtet der Möglichkeit einer Verletzung, die oftmals das Ende einer Karriere bedeutet.
Michael Kropf hat auf all dies hingewiesen und die Tänzerinnen und Tänzer mit der Stellprobe zu einer Kurzchoreografie, von deren Aufbau die Tänzer vorher keine Ahnung hatten, beweisen lassen, wie schnell sie reagieren und agieren um in kürzester Zeit zur „Tritsch-Trasch-Polka“ von J. Strauss ein schwungvolles, mit viel Humor unterlegtes Ganzes zu formen.
Tänzerinnen und Tänzer müssen auch in ihrer aktiven Zeit, mehr vielleicht als andere Bühnenkünstler, daran denken, wie es nach der Beendigung ihrer Tänzerkarriere – der doch natürliche Grenzen gesetzt sind – weitergeht. Da bietet sich meist an,j Choreografien zu erarbeiten. Michael Kropf gab 3 Tänzern des Badener Balletts – Sabine Dietrich, Natalie Bolzer und Andriy Bogachov, sowie Olexandr Maslyannikov die Möglichkeit sich mit Kurz-Choreografien vorzustellen. Was diese vier Tänzer dabei auf die Bühne zauberten, begeisterte das Publikum restlos.
Eindrucksvoll auch die Kurzfilm-Premiere „Ballettkompanie der Bühne Baden“ von Delbeau-Film.  Eine repräsentative Form um das Ballett auch außerhalb von Baden vorstellen zu können.
Den Höhepunkt und Abschluss zugleich bildete Michael Kropfs an vielen Häusern schon gezeigte Choreografie „Adiemus“, entworfen für die Ballettschule der Wiener Staatsoper.
Das überaus begeisterte Publikum dankte allen Mitwirkenden mit Standing Ovations und nicht endenwollendem Applaus und zeigte damit eindrucksvoll, dass nicht nur Operetten ihr Publikum in Baden finden.
Die Mitwirkenden: Natalia Bolzer, Sabine Dietrich, Lucia Mohap, Laís Andrade Pamplona, Yulia Potorochina, Daniela Sklensky, Jan Bezak, Dominik Birkmayer, Andriy Bogachov und Igor Prokopenko, sowie Vladimir Snízek, Assistent der Ballettleitung der Bühne Baden und Pianistin Irina Nikolayeva, Korrepetition.

Michael Kropf
Der gebürtige Wiener erhielt seine Ausbildung an der Ballettschule der Österreichischen Bundestheater und am Staatlichen Ungarischen Ballettinstitut. Als Tänzer war er im Ballett der Bayerischen Staatsoper, als Solist im Ballett Györ, in der Budapester Staatsoper und im Calgary City Ballet sowie an vielen europäischen Häusern als Gast engagiert. Er wirkte als Leiter des Balletts am Budapester Madách Szinház und gründete 1994 die Kropf Dance Company (das spätere Budapest Ballett). 2005 wurde der vielseitig gefragte Choreograph als Proben-, Trainingsleiter und Koordinator an das Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper berufen. Von 2006 bis 2010 war er Ballettmeister und stellv. Ballettdirektor an der Volksoper Wien, für deren Compagnie er mehrere Werke entwarf, 2009/10 zudem u. a. für die Choreographie „Adiemus“ für die Ballettschule der Wiener Staatsoper verantwortlich zeichnete.
Zur Saison 2010/11 wechselte er als Ballettmeister an das Aalto Ballett Theater Essen und choreographierte das Ballett „Max und Moritz“.
Kropf kam mit 9 Jahren mit dem klassischen Tanz in Berührung. Eigentlich wollte er Fußballspieler – der Traum vieler Buben -  werden, aber für ein versprochenes Eis war er zu bewegen, sich in die große Zahl jener einzureihen, die sich für eine Ausbildung an der Wiener Staatsoper bewarben.  Und überraschend für ihn, er wurde ausgewählt und damit sein weiteres Leben bestimmt. Als Tänzer war er nicht nur ob seines großen Talentes gefragt, sondern auch seiner idealen Größe wegen – ideal für die schwierigen und kraftaufwendigen Hebefiguren.  Sein großes Vorbild Rudolf Nurejew  lernte er im Alter von 11 Jahren an der Staatsoper in Wien kennen und trat sogar mit ihm in der Ballettkomödie Don Quichotte auf. Michael Kropf findet nach einem anstrengenden Tag Entspannung in der Römertherme in Baden. in der Sauna und beim Radfahren, um die Gegend um Baden zu erkunden.

   Wanda Mühlgassner

…plié, tendue, attidude …“ – Tagesabläufe beim Ballett
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