„Der Zustand der Bäume in Baden ist katastrophal“

Univ. Prof. Dr. Karl Zweymüller ist Direktor des Orthopädischen Krankenhauses Gersthof in Wien. Auch dort setzt er sich seit vielen Jahren für den Erhalt der alten Bäume ein. Den Zustand jener in Baden bezeichnet er als katastrophal. Für Stadtgartendirektor Gerhard Weber sind die Gründe dafür sehr vielfältig.

„Ich habe am 5. September einen Herrn der Stadtgemeinde Baden über die katastrophale Situation informiert, habe aber bis jetzt keinerlei zufriedenstellende Antwort bekommen“, schildert Karl Zweymüller. „Mein Schreiben orientierte sich damals, somit bereits Ende August, am Zustand des Erzherzog Rainer-Ringes, dessen Bäume – Kastanien – vermutlich mit Dimilin gegen die Miniermotte behandelt wurden. Es zeigte sich ein völlig unterschiedliches Bild, was die Belaubung der Bäume betraf. Offensichtlich waren manche Bäume ordnungsgemäß, somit zur Gänze gespritzt, manche nur teilweise und manche gar nicht. Die gar nicht behandelten Bäume stehen seit längerem völlig ohne Laub da, bei manchen ist die Situation besser, bei einigen zufriedenstellend. Der Allgemeineindruck ist jedoch ganz schlecht“, so Zweymüller, der vor allem jene Bäume hinter der Pfarrkirche betroffen sieht. „Diese Bäume wurden im Vorjahr ordnungsgemäß, somit sparsam geschnitten. Aufgrund der offensichtlich fehlenden Dimilinbehandlung stehen sie seit Längerem ohne Blätter da. Inter-essanterweise wurde vor etwa zwei Wochen jener der Pfarrschule nächststehende schöne Baum umgeschnitten und der Wurzelstock entfernt. Man fragt sich, warum“, so der engagierte Baumschützer, für den es nichts Schöneres als eine blühende Kas-tanie im Frühjahr gibt. „Solche Alleen können das Bild einer Stadt ganz wesentlich aufwerten“, ist Zweymüller überzeugt. „Die Kastanie ist offensichtlich anfällig gegen Pilzbefall. Werden größere Äste abgeschnitten und die Schnittstellen nicht nach ÖNORM versorgt, die besagt, dass eine Wunde von mehr als 5 cm Durchmesser versiegelt werden muss, so kann es durch Fäulnis an dieser Stelle zum Eindringen von Wasser sowie Pilzen kommen. Das Problem ist, dass in Baden kaum oder gar nicht versiegelt wird“, meint der Universitätsprofessor, der ein Konzept von seiten des Stadtgartenamtes fordert.
„Sollen die Kastanienalleen weiter bestehen bleiben? Wenn ja, so sind sie zu pflegen. Wenn nein, sind sie auszutauschen, was einen beträchtlichen zeitlichen und vor allem finanziellen Aufwand darstellen wird und flächendeckende Schlägerungen wohl auch mit der Bevölkerung sowie auch den Verantwortlichen des Tourismusmanagements abgesprochen werden müssen. Denn eine Tourismusstadt ohne Bäume ist wohl undenkbar. Eine Stadt, die den Tourismus forcieren möchte, kann aber auch nicht tolerieren, dass sich ihre Straßen ab Ende August wie in der Sahelzone präsentieren.“
Mittlerweile hat Stadtgartendirektor Gerhard Weber mit einem Schreiben reagiert. „Die Situation stellt sich differenzierter dar, als es für Außenstehende scheint. In den Straßenzügen haben wir mit vielfältigen Problemen, von denen die Miniermotte nur eines ist, zu tun. Beispielsweise ein zusätzlicher Pilzbefall an Kastanien, die Versalzung des Bodens durch den Winterdienst, die beengten Straßenverhältnisse und die Entwässerung im Zuge infrastruktureller unterirdischer Einbauten“, schildert Weber, der die Anregungen Zweymüllers gerne in Kürze bei einem persönlichen Gespräch entgegen nehmen wird.

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