Falsch verstandener Tierschutz oder „moralischer Tiefpunkt“?

Das Gehege in der Flugfeldstraße steht immer wieder im Zentrum der Kritik. © Kranzl

BAD VÖSLAU. – Seit rund 10 Jahren betreibt der Winzer und Jäger Franz Reischer ein Wildtiergehege neben seinem Heurigenbetrieb – und ist damit schon öfters öffentlich kritisiert worden. Völlig zu Unrecht, wie er selbst meint. Gerhard Steurer, der stellvertretende Obmann des Badener Tierschutzvereins, sieht die Kritik dagegen als gerechtfertigt an.

„Diese Vorwürfe kommen jedes Jahr, und zwar pünktlich mit Herbstbeginn, wenn am nahegelegenen Abrichteplatz wieder Betrieb herrscht“, meint der Vöslauer Winzer Franz Reischer kopfschüttelnd. „Einmal heißt es, die Tiere seien verdreckt, dann wieder, das Gehege sei zu klein. In Wirklichkeit wird das Gehege immer wieder von der Behörde überprüft, und all diese unangemeldeten Überprüfungen haben eindeutig gezeigt, dass keine Gefahr für die Tiere in Verzug ist. Laut Gesetz ist eine Suhle Vorschrift, und natürlich sind die Tiere da auch oft schmutzig. Dafür haben sie weder Läuse noch Zecken, was sie in der Wildbahn sehr wohl haben.“ Seit 10 Jahren betreibt Reischer auf einer Fläche von rund zwei Hektar ein Damhirschgehege. Das Fleisch verarbeitet er für seinen Heurigenbetrieb oder verkauft es. „Auch dafür gibt es natürlich Auflagen, deren Einhaltung auch immer wieder kontrolliert wird“, so Reischer. „Das ist wie bei jeder anderen Schlachtung bzw. anderen Schlachthöfen.“

„Ich verkaufe meine Tiere nicht ins Ausland!“
Gerüchte, er würde die Tiere nach der Aufzucht ins Ausland verkaufen, dementiert Reischer aufs Schärfste. So wurde zum Beispiel einmal behauptet, die Tiere würden betäubt und nach Ungarn bzw. Rumänien gebracht, um dort zum Abschuss freigegeben zu werden. „Völliger Unsinn“, meint Reischer dazu. Scharfe Worte kommen dagegen von Gerhard Steurer, dem stellvertretenden Obmann des Badener Tierschutzvereins. „Dieses Gehege ist ein moralischer Tiefpunkt. Ich bin selbst seit vielen Jahren Jäger und kann nicht verstehen, wie man ein Gehege in einem derartigen Zustand als „in Ordnung“ bezeichnen kann. Wir hören in solchen Fällen immer wieder: „Warum tut denn der Tierschutzverein nichts?“ Aber das Problem ist, dass wir bei Wildtiergehegen keine rechtliche Handhabe haben“, erklärt Steurer. „Wildtiere fallen generell nicht ins Österreichische Tierschutzgesetz, und auch das Jagdgesetz greift nur für wild lebende, nicht aber für in Gefangenschaft lebende Wildtiere.“

„Es gibt Richtlinien für jede Form der Tierhaltung“
Da allerdings widerspricht Bezirkshauptmann Heinz Zimper. „Es stimmt, dass der Zuchtbereich vor einigen Jahren aus dem Jagdgesetz genommen wurde, aber dennoch gibt es klare Richtlinien, auch für diese Art der Tierhaltung“, so Zimper. „Beim Gehege Reischers hat der Amtstierarzt immer wieder Überprüfungen durchgeführt, und die haben ergeben, dass die Tiere prinzipiell gut gehalten sind. Verschiedene vorgeschriebene Nachbesserungen am Gehege hat Reischer immer rasch durchgeführt.“ Dass das Gehege nicht gerade schön anzuschauen ist räumt aber auch der Bezirkshauptmann ein. „Der Boden ist intensiv verletzt, was aber bei jeder intensiven Tierhaltung der Fall ist. Es gibt im Gehege keine Grünfläche mehr.“

„Falsch verstandene Tierliebe“
Gerhard Steurer spart dennoch nicht an Kritik mit Reischers Art der Tierhaltung. „Erst vor einer Woche wurde ein Bild gemacht, das Teile eines toten Jungtiers auf dem Geweih eines andere Tieres zeigt. Da kann doch niemand behaupten, dass alles mit rechten Dingen zugeht“, meint Steurer kopfschüttelnd. „Diese Tiere können in Gefangenschaft, besonders in kleinen Gehegen, sehr gefährlich werden und gehen dann eben auch aufeinander los.“ Obwohl keine Beanstandungen der Behörde vorliegen möchte Reischer sein Gehege mit Ende Oktober aufgeben. „Die ständigen Angriffe sind einfach zuviel“, meint der Winzer. „Und es gibt viele Leute, die eine falsche Auffassung von Tierliebe haben. Mehrmals wurde schon der Zaun aufgeschnitten, und die Tiere sind auf die nahegelegene Autobahn gelaufen. Das hat mit Tierschutz nichts mehr zu tun.“

N. Kranzl

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