Zwei Schießplätze machen nicht doppelt Lärm – aber viel

LEOBERSDORF. – Obwohl die Schießplätze auf der anderen Seite der Autobahn liegen, fühlte sich ein aus dem Schlaf gerissener Anrainer am Sonntag „wie im Krieg“. Verantwortlich dafür ist ein Schießplatz. Aber welcher? In Leobersdorf gibt es gleich zwei.

Zwei Schießplätze gibt es in Leobersdorf, die etwa einen Kilometer voneinander entfernt sind. Welcher am Sonntag, 26. 8., dafür verantwortlich war, dass ein Anrainer um 7.30 Uhr morgens wegen „Lärm wie im Krieg“ geweckt wurde, ist nicht ganz einfach festzustellen. Der eine Schießplatz, der „Shootingpark Austria Leobersdorf“, auch Schießplatz Hirtenberg genannt, ist ein gewerblicher. Dort kann die ganze Woche über geschossen werden. Auf ihm fanden am Sonntag laut Bezirkzshauptmann Heinz Zimper die österreichischen Staatsmeisterschaften statt. Der andere Schießplatz ist der der „Schützengilde Wien – Leobersdorf“ (SGW) und ein Vereinsschießplatz. Auch auf ihm fand am Wochenende eine Meisterschaft mit mehr als hundert Schützen statt, die „SGW Summerstage“. Fakt ist, dass der Shootingpark als gewerblich geführter Schießplatz strengeren Bestimmungen unterliegt, so darf etwa am Sonntag laut Zimper nur von 8 bis 14 Uhr geschossen werden. Der Projektleiter des Shootingparks, Klaus Neumayer, beteuert: „Wir halten uns fix an unsere Zeiten. Immer, wenn es dann Lärm gibt, schiebt man das uns in die Schuhe“. Auch der Präsident der „Schützenunion Niederösterreich“ und Schriftempfänger des „Austria Schützenverein Leobersdorf“, sieht das Problem nicht beim Shootingpark: „Wir haben Lärmschutzgutachten und sind mit Lärmschutz ausgerüstet. Von uns hört man nichts.“ Aber immer, wenn am Schießplatz der SGW ein Wettkampf sei, werde von 7.30 bis 20 Uhr geschossen, da so viele Schützen anwesend seien. Der Amtsleiter der Marktgemeinde Leobersdorf, Andreas Morgenbesser, weist allerdings darauf hin, dass hinsichtlich des Lärmschutzes im Shootingpark noch Verfahren der Bezirkshauptmannschaft liefen, was Zimper bestätigt. Der Lärmschutz des Shootingparks dürfte also auch nicht komplett den Auflagen genügen. Was den Schießplatz der SGW angeht, wusste Morgenbesser „nicht, dass die sonntags schießen“. Es gab keine Veranstaltungsmeldung. Für eine solche Veranstaltung, wie sie am Sonntag am Schießplatz der SGW stattfand, hätte der Verein eine Bewilligung gebraucht, das Ansuchen müsste vier Wochen vorher gestellt werden. Ein Ansuchen gab es aber nicht, erst am Dienstag kam um 12.40 Uhr „die Information, dass am Sonntag was war“, sagt Morgenbesser. Der Obmann der SGW-Leobersdorf, Peter Weber, sagt: „Ich habe es heuer vergessen. Jedes Jahr wird diese Veranstaltung von uns angemeldet, diesmal nicht.“ Der Platz der SGW sei aber ein „genehmigter Schützenplatz“. Die Veranstaltung am Wochenende war ein internationaler Wettbewerb mit hundert Schützen, der seit zehn Jahren dort ausgetragen würde. In der Polizeiinspektion Leobersdorf ist das Problem jedenfalls bekannt. Jeden Sonntag gingen mehrere verwaltungsrechtliche Anzeigen bezüglich der Schießplätze ein, weiß man dort. Diesen müsse man auch nachgehen, sagt Bezirkshauptmann Zimper. Aber es sei schwierig, genau zu sagen, welcher der beiden Schießplätze dann für den Lärm verantwortlich gewesen sei. Warum es ausgerechnet letzten Sonntag so klang, als würde direkt vor seinem Schlafzimmerfenster geschossen, konnte er nicht sagen. Den Lärm würde er öfter hören, davon aufgeweckt wurde er aber zum ersten Mal.

B. Baumgartner

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