„Ich wüsste nicht, wie ich das anders machen sollte“

Zu früh, um Panik zu kriegen, sagt Bürgermeister Prinz. Erst wenn alle Fakten auf dem Tisch lägen, könne man konstruktive Gespräche führen. © Baumgartner

BAD VÖSLAU. – In den letzten Wochen stand er im Kreuzfeuer der Kritik. Bgm. Prinz bezieht nun Stellung zu offenen Briefen und Vorwürfen. Und stößt vor allem auf ein Problem: Wie soll man auf Detailfragen antworten, wenn es zu einem Projekt noch keine Details gibt?

Eigentlich wollte er alles richtig machen. Nachdem die Firma Schlumberger an ihn herangetreten war und sagte, sie wollte Teile der Produktion nach Bad Vöslau verlegen, bat er um ein Konzept, um es dem Stadtrat vorlegen zu können. „Ich habe bewusst auch die Grünen eingeladen, weil die keinen Stadtrat stellen. Ich glaube, dass das ein Unikum ist, dass wir das machen, wenige andere Gemeinden machen das so“, sagt Prinz. In der Sitzung wurden von Schlumberger Fotomontagen präsentiert, vage Überlegungen skizziert, an die Urstätte der Produktion zurückzukehren. „Aber es wurde viel offengelassen, da es erst der erste Termin war“, sagt Prinz.  „Ich wüsste nicht, wie ich das anders machen sollte. Ein Bürgermeister als Behörde ist dann gefordert, wenn es eine Einreichung gibt, wenn es aktuelle Pläne und Wünsche gibt. Wenn etwas am Tisch liegt, kann ich anfangen, mit dem Bauamt und den Behörden zu arbeiten. Mit dem Wunsch eines Unternehmens kann man eigentlich nicht anders umgehen, als zu sagen, kommt und stellt das Projekt vor. Ich wüsste keinen offeneren und ehrlicheren Weg, als das dem Gremium vorzustellen.“ Obwohl der Stadtrat ein nicht-öffentliches Gremium sei, so Prinz, „gab es ein paar Tage später die ersten Anrainer in meiner Sprechstunde, die gesagt haben, sie hätten von den Plänen gehört.“ Also erzählte er ihnen, was er selber wusste, dass alles erst im Werden sei, er keine Zahlen kenne. „Auch die Zahlen, die Frau Falkner anführt (im ersten offenen Brief, Anm.), wie Mitarbeiter und LKW-Fahrten, wurden vielleicht irgendwann mal genannt oder mit Schlumberger in Verbindung gebracht, aber nicht mit dem aktuellen Projekt in Vöslau“, so Prinz. Die technischen Veränderungen, die sie im ersten offenen Brief anführte, seien bereits 2009 erfolgt und von der BH Baden als Bau- und Gewerbebehörde bewilligt, auch das Bundesdenkmalamt war informiert und eingebunden. „Ich kann nicht eine Stellungnahme zu Verkehrskonzepten abgeben, wenn nicht klar ist, was hinkommen soll“, sagt Prinz. Wie dieses Projekt ausschauen wird, stehe eben „noch in den Sternen“. Daher entstand die Idee, mit dem Stadtrat nach Wien zu fahren und sich vor Ort umzusehen. „Den Wiener Standort kennen wir nicht, also was will Schlumberger nach Vöslau verlegen. Etikettierung? Verpackung? Was ist es, wie groß ist es, wie viel Lärm macht es und wie sieht das aus?“ Er habe schließlich auch in Zusammenarbeit mit Schlumberger die Anrainer eingebunden, indem diese mit zur Betriebsbesichtigung fahren könnten. Die Einladung dazu habe aber Schlumberger aussprechen müssen, da es deren Betrieb sei, sagt Prinz. Ob man dann wolle, dass Schlumberger kommt, sei eine andere Frage, denn: „Wir werden nicht unsere eigenen Schutzzonen aufheben, die wir uns geschaffen haben, wir werden die Siedlungsgrenze dort nicht überschreiten, wir können es auch nicht in Bauland umwidmen. Es gibt ganz klare Gesetze und Vorgaben, die darüber stehen.“ Den Vorwurf, die Kommunikation sei nicht ideal gewesen, will sich Prinz nicht gefallen lassen. „Ich habe vom ersten Tag an in die Diskussion eingegriffen, extra vor meinem Urlaub ein Pressegespräch anberaumt.“ Es sei jedenfalls „zu früh, um Panik zu kriegen. Ich wünsche mir Ruhe und Sachlichkeit, vielleicht schreie ich in zwei Monaten mit. Ich habe Schlumberger von Anfang an gesagt, ich sehe die Sache wegen der Rahmenbedingungen vorsichtig skeptisch.“

B. Baumgartner

„Ich wüsste nicht, wie ich das anders machen sollte“
2 votes, 1.50 avg (45% score)

Auf Mobile-Version umschalten