Schlumberger plant die Rückkehr nach Bad Vöslau

Kurz vor der Weinlese 1843 übersiedelte Robert Schlumberger nach Bad Vöslau - es war der einzige Ort, an dem er die idealen Bedingungen für seinen Champagner fand © App

BAD VÖSLAU. – Die Firma Schlumberger plant, einen größeren Teil der Produktion zurück an ihren Gründungsstandort Bad Vöslau zu verlegen. Zwar steht noch lange nicht fest, ob diese Pläne auch wirklich in die Tat umgesetzt werden, doch in der unmittelbaren Nachbarschaft des „Goldecks“ macht sich bereits jetzt Beunruhigung breit. 

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum ein Betrieb dieser Größenordnung ausgerechnet in unmittelbarer Nachbarschaft eines Wohngebiets angesiedelt werden muss“, meint Mario Schmid, einer der betroffenen Anrainer. „Erst vor kurzem ist in Bad Vöslau ein neues Betriebsgebiet erschlossen worden, das direkt an der Autobahn liegt. Dort würden sowohl der zusätzliche Schwerverkehr als auch die Errichtung neuer Hallen für die Sektproduktion niemanden stören.“ Die Pläne der Schlumberger AG, einen weiteren Teil oder sogar den Großteil ihrer Produktion nach Bad Vöslau zu verlegen, sind noch keineswegs offiziell, lassen aber schon jetzt die Wogen hochgehen. Die Anrainer des „Goldecks“ rund um Mario Schmid, Peter Stöger und Thomas Zartl haben bereits in der Vorwoche Flugblätter an sämtliche Haushalte der Umgebung verteilt, in denen auf die geplante Verlegung und die Gründung einer Bürgerinitiative bzw. eine entsprechende Unterschriftenaktion hingewiesen wird. Dass es Gespräche bezüglich einer Verlegung der Produktionsstätte nach Bad Vöslau gibt, bestätigt auch Bgm. Christoph Prinz. „Es stimmt, dass die Firma Schlumberger mit dieser Idee an die Stadtgemeinde herangetreten ist“, so Prinz. „Das Thema ist im Stadtrat diskutiert worden. Dort hat auch der Architekt der Schlumberger AG erste Schaubilder und Skizzen präsentiert, die eine mögliche Version des neuen Standortes darstellen. All diese Pläne sind aber noch nicht konkret.“ Prinz versichert, keine übereilte Zusage machen zu wollen und die Pläne vorher genau zu prüfen. „Natürlich wäre es schön, wenn ein so renommierter Betrieb wie Schlumberger zur Gänze nach Bad Vöslau übersiedeln würde“, so Prinz. „Aber ich verstehe natürlich auch die Bedenken der Anrainer, die zu einem persönlichen Gespräch zu mir gekommen sind. Auch mir wäre es lieber, wenn etwaige neue Produktionsstätten in unserem Betriebsgebiet untergebracht würden – doch die Firma will ja gerade die gesamte Produktion an einem Standort zusammenlegen.“ Derzeit wird in Bad Vöslau der Wein vergoren, ausgebaut und abgefüllt, alle übrigen Arbeitsschritte wie das Rütteln findet in der Heiligenstädterstraße in Wien statt. Von dort werden die fertigen Flaschen dann auch ausgeliefert. Bei der Firma Schlumberger erwartet man sich durch eine etwaige Zusammenlegung den Wegfall eines internen Arbeitsschrittes. „Der einzige Unterschied wäre der, dass die Flaschen nicht zur Rüttelung nach Wien, sondern gleich direkt an die Kunden ausgeliefert würden“, erklärt Herbert Jagersberger, Vorstand der Schlumberger AG. „Es käme aber zu keiner Zusatzbelastung für die Anrainer, nur am Standort selbst würden mehr Arbeitsschritte als jetzt erledigt.“ Den beunruhigten Anrainern reicht diese Argumentation nicht. „Es gibt überhaupt keinen plausiblen Grund dafür, warum die Weiterverarbeitung direkt neben den Weingärten und nicht im Industriegebiet stattfinden muss“, so Schmid. „Außerdem würde die Lagerung weitere Hallen erfordern. Die Rede war sogar von einer Halle, die unter- und überirdisch je zwei Stockwerke umfassen soll. Und: Die Verlegung von bis zu 150 Mitarbeitern erfordert auch zusätzlichen Parkraum – und all das mitten in einer sensiblen Zone, im Wohngebiet, direkt neben der Weingartenlandschaft.“ Jagersberger versichert, keine Entscheidungen gegen den Willen der Anrainer treffen zu wollen. „Wir würden gern an unseren Gründungsstandort Bad Vöslau zurückkehren, allerdings nur im Einvernehmen mit der gesamten Umgebung“, so Jagersberger. „Wir sind noch weit von einer Einreichung des Projekts entfernt und auch gerne bereit, mit den Anrainern über unsere Pläne zu sprechen – aber natürlich erst, wenn es überhaupt ein wirklich konkretes Vorhaben gibt.“ Mitte August soll das nächste Gespräch zwischen der Schlumberger AG und der Stadtgemeinde stattfinden. Die besorgten Anrainer planen trotz dieser Versicherung die Gründung einer Bürgerinitiative. „Man kennt diese Taktik ja – am Anfang wird man ständig vertröstet, und dann plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt“, so Schmid.

N. Kranzl

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