Politische Reaktionen auf die Schlumberger-Pläne

BAD VÖSLAU. – Die Pläne der Firma Schlumberger, einen größeren Teil ihrer Produktion nach Bad Vöslau zu verlegen, haben für Beunruhigung und auch erste Proteste der betroffenen Anrainer geführt – die BZ berichtete. Jetzt reagieren auch die Oppositionsparteien auf die vor kurzem bekannt gewordenen Pläne.

Die Anrainer befürchten durch das Vorhaben der Firma Schlumberger nicht nur ein generell erhöhtes Verkehrsaufkommen, sondern auch die Errichtung weiterer Gebäude zur Sektproduktion mitten in der angrenzenden Weingartenlandschaft und haben ihre Bedenken auch schon gegenüber Bgm. Christoph Prinz deutlich gemacht. Der Stadtchef selbst steht dem Projekt mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Einerseits wäre es natürlich schön, wenn so ein renommierter Betrieb zur Gänze nach Bad Vöslau übersiedeln würde, aber ich kann auch die Anrainer verstehen. Wir werden das Projekt natürlich sehr genau prüfen und keine übereilte Zusage machen“, so Prinz. Nachdem die Pläne in der Vorwoche bekannt geworden sind, reagieren nun auch die Vöslauer Oppositionsparteien auf das Vorhaben – und zwar ebenfalls zum größten Teil mit Skepsis. „Wir schätzen natürlich die ausgezeichnete Qualität und den Ruf der Schlumberger-Produkte, den Plan einer industriellen Abfüllanlage mitten in einem sensiblen Wohngebiet und einem die Vöslauer Identität prägenden Ensemble lehnen wir aber kategorisch ab“, meint Ernst Tiefengraber von den Bad Vöslauer Grünen zu diesem Thema. „Industrieanlagen mit Ihrem naturgegebenen hohen Verkehrsaufkommen, ihren Emissionen und der nicht in ein Wohngebiet passenden Bauweise haben in diesem Bereich Vöslaus nichts verloren, auch wenn natürlich die katastrophale Budgetsituation der Gemeinde dieses Projekt für die Liste als finanziellen Rettungsanker erscheinen lässt. Solche Anlagen, aber auch riesige Betriebsgebiete wie das geplante BG sind mit den Entwicklungszielen Gesundheits-tourismus, Wald, Wasser und Wein, Verkehrsberuhigung und Wohnqualität, die in Sonntagsreden immer wieder beschworen werden, unvereinbar!“ Die Grünen wollen auch an der geplanten Betriebsbesichtigung der Firma Schlumberger nicht teilnehmen. „Diese munter feuchtfröhliche Verkostung und Betriebsbesichtigung halten wir in der jetzigen Phase der Projektdiskussion für völlig unangebracht und unsensibel sehen“, so Tiefengraber. „Wir wollen unsere Entscheidung im Gemeinderat unbeeinflusst treffen und nicht in die Nähe von Begriffen wie „Anfütterung“ und Bestechlichkeit kommen.“ Auch bei der SPÖ hält man die Besorgnis der Anrainer für berechtigt, auch wenn das Interesse der Firma Schlumberger grundsätzlich als positiv bewertet wird. „Ein Traditionsbetrieb, der zu seinen Wurzeln zurückkehrt, ist eine Aufwertung für die Kurstadt Bad Vöslau, und auch zusätzliche Arbeitsplätze und mehr Kommunalsteuereinnahmen sind uns natürlich wichtig“, so Stadträtin Elisabeth Schirk. „Aber wir nehmen auch die Besorgnis der Anrainer sehr ernst. Sie haben Angst davor, dass sich noch mehr LKWs durch die engen Gassen quälen, dadurch ihre Lebensqualität massiv beeinträchtigt wird und auch ihre Wohnungen und Häuser massiv an Wert verlieren.“ Schirk und auch der Stadtparteivorsitzende Karl Wallner sehen das Betriebsgebiet Nord als idealen Standort für den Industriebetrieb. „Mit Millionenaufwand wurde der Autobahnanschluss Bad Vöslau errichtet, der ein riesiges Betriebsgebiet erschließt. Genau hier ist der richtige Platz für einen modernen Betrieb – in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof, für die Mitarbeiter leicht zu erreichen und direkt an der Autobahnauffahrt, besser kann der Standort doch gar nicht sein. Am Goldeck kann ein Schaubetrieb entstehen, der den Besuchern die Wein- und Sektkultur näher bringt. Schlumberger würde sich langwierige Verfahren zur Änderung der Siedlungsgrenzen ersparen und auch die Hochquellwasserleitung, die unter den Erweiterungsflächen liegt, bliebe unangetastet.“ Weniger kritisch steht die ÖVP den Plänen der Firma Schlumberger gegenüber. „Es ist generell natürlich erfreulich und positiv, wenn ein Traditionsbetrieb wie die Firma Schlumberger zu ihren Wurzeln zurückkehren möchte und plant, sich zur Gänze in Bad Vöslau anzusiedeln“, meint StR Karl Lielacher. „Nicht zuletzt würde dieser Schritt auch wertvolle Arbeitsplätze nach Bad Vöslau bringen. Und: Die Firma Schlumberger geht einen guten Weg, wenn sie gemeinsam mit Anrainern und Stadtgemeinde über ihre Pläne spricht. Es entspricht nicht der Philosophie dieses Betriebes, ihre Vorhaben ohne Rücksicht auf andere Meinungen durchzusetzen.“ Die Befürchtungen der Anrainer kann Lielacher nur teilweise nachvollziehen. „Vor allem beim Verkehrsaufkommen würde es keine zusätzliche Belastung geben. Und die Lärmbelastung würde im Gegenteil sogar abnehmen, denn derzeit wird im Freien verladen. Wenn aber tatsächlich ein größerer Teil der Produktion verlegt wird, würde dieser Arbeitsschritt in einer Halle stattfinden“, meint der ÖVP-Stadtrat. „Es wäre auf jeden Fall schade, wenn die Firma Schlumberger aufgrund mangelnder Möglichkeiten ihren kompletten Betrieb nach Poysdorf verlegen würde, wo ein Großteil des Grundweines produziert wird. Abwartend zeigt sich Peter Gerstner von der FPÖ. „Es macht keinen Sinn, sich über reine Spekulationen den Kopf zu zerbrechen“, so Gerstner. „Erst, wenn es ein konkretes Projekt gibt, dann wird man sich auch über etwaige Probleme Gedanken machen müssen.“

N. Kranzl

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